Zentrum Bayern Familie und Soziales in Nürnberg
Hoher Komfort im Passivhausstandard
Das Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) in Nürnberg dient Bürgerinnen und Bürgern als Anlaufstelle für soziale Leistungen, etwa bei Fragen zum Elterngeld oder zur Inklusion im Arbeitsleben. Der vom Büro Heinle Wischer geplante Neubau in der Nürnberger Weststadt versteht sich als baulicher Ausdruck des Miteinanders und setzt zugleich ein Zeichen für nachhaltiges Bauen und Verantwortung gegenüber künftigen Generationen. Die spezifische Heizlast des Bürogebäudes wurde gemäß Passivhausstandard ermittelt.
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Der Neubau reagiert auf die leicht geschwungene Roonstraße mit einer zweifach gekrümmten Gebäudefigur. Im Erdgeschoss folgt der Sockel dem Straßenverlauf und gleicht zugleich Höhenunterschiede entlang der Gebäudelänge aus Die drei Obergeschosse sind S-förmig ausgebildet und schaffen einerseits eine Beziehung zum benachbarten Volumen des Landesarbeitsgerichts, andererseits im Zusammenspiel mit der Umgebung einen geschützten Innenhof. Gurtgesimse strukturieren die champagnerfarbene Lochfassade und verleihen der amorphen Kubatur eine feine Dynamik. Als sichtbares und fühlbares Zeichen der Inklusion sind in einzelne Fassadenelemente Auszüge aus der UN-Behindertenrechtskonvention in Brailleschrift integriert.
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Inklusive Innenraumgestaltung
Der Innenraum ist durch helle Farben und zurückhaltende Materialien geprägt. In den Bürobereichen kommt Stäbchenparkett zum Einsatz, im Servicezentrum prägnanter, geschliffener Gussasphalt, der den halböffentlichen Charakter dieses Bereichs unterstreicht. Die Glaswände sind mit transluzenten Folienmotiven versehen, die Themen wie Familie, Inklusion und Teilhabe aufgreifen. Ein taktiles Bodenleitsystem erschließt das gesamte Servicezentrum. Die zurückhaltende Gestaltung soll die Orientierung erleichtern sowie eine diskrete und zugleich offene Atmosphäre schaffen.
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Effizientes Energiekonzept im Passivhausstandard
Das ZBFS zählt zu den ersten Passivhaus-Bürogebäuden Bayerns. Dank einer hochwärmegedämmten, luftdichten Gebäudehülle und einer mechanischen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung werden die Wärmeverluste auf ein Minimum reduziert. Ein Teil des Heizwärmebedarfs wird über interne Wärmequellen und solare Gewinne gedeckt. Die zusätzlich benötigte Wärme liefert ein Fernwärmeanschluss des benachbarten Bestandsgebäudes, an den der Neubau über eine Übergabestation im Technikraum angebunden ist. Die Heizlast einschließlich der Lüftungswärmeverluste beträgt 190 kW und wurde anhand der spezifischen Heizlast des Passivhausstandards ermittelt. Die Heizkreise sind auf Vor- und Rücklauftemperaturen von 55/45 °C ausgelegt.
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Die Beheizung erfolgt über Stahlheizkörper mit Mittenanschluss. Grundlage der Auslegung ist eine maximale Raumtemperatur von 20 °C in Büro- und Besprechungsräumen. Zur sommerlichen Kühlung dient eine automatische Nachtauskühlung: Über öffenbare Fenster wird die warme Luft durch natürliche Thermik über die Treppenhäuser abgeführt. Lediglich die EDV-Räume werden über Split-Klimaanlagen gekühlt, deren Außengeräte auf dem Dach in der Nähe der Lüftungssteigschächte angeordnet sind, um die Leitungswege möglichst kurz zu halten. Eine zentrale Warmwasserbereitung ist nicht vorgesehen; stattdessen erwärmen dezentrale elektrische Durchlauferhitzer das Wasser bedarfsgerecht. Ergänzt wird das Energiekonzept durch eine Photovoltaikanlage mit 58 kWp sowie eine Dachbegrünung. -tg
Bautafel
Architektur: heinlewischer, Köln
Projektbeteiligte: Ingenieurbüro Brundobler, Kelheim (Technische Gebäudeausrüstung); Ingenieurbüro Leiser, Würzburg (Energiekonzept); R&P Ruffert, Erfurt (Tragwerk); adlerolesch, Nürnberg (Landschaftsarchitektur); Bayer Architekten, Nürnberg (Objektüberwachung); Pema Ingenieurbüro, Regensburg (Elektrotechnik); Ingenieurbüro H. Schmidt, Fürth (Tiefbau, ab LP4)
Bauherr*in: Freistaat Bayern, Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, Staatliches Bauamt Nürnberg
Fertigstellung: 2024
Standort: Roonstraße 22, 90429 Nürnberg
Bildnachweis: Konstantin Börner, Berlin
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