Expo Cultural Park Greenhouse Garden in Shanghai
Glashäuser unter Stahlstruktur
Ein Ort der Kontraste: Die erhaltene Stahlstruktur einer ehemaligen Industriehalle überspannt ein neues Gebäudeensemble. Dabei steht die geometrische Klarheit des Alten im starken Gegensatz zur organischen Form des Neuen, und nicht zuletzt kontrastiert die Natur und Vegetation das Menschengemachte.
Galerie
Bis 2024 schufen Delugan Meissl Associated Architects drei Gewächshaus-Pavillons im ehemals industriell geprägten Vorort Pudong in Shanghai. Als wichtiges Stadtentwicklungsprojekt bettet sich der Expo-Kulturpark inmitten einer aufsehenerregenden Skyline ein, die in den letzten Jahrzehnten am Ufer des Huangpu-Flusses entstanden ist. Ursprünglich war das heutige Parkgelände von einem Braunkohle- und Stahlwerk besetzt, bevor es 2010 für die Expo-Weltausstellung genutzt wurde. Die heutige Bebauung knüpft diverse Reminiszenzen zu einem neuen Zweck zusammen.
Zeit- und Naturreise in dichter städtischer Umgebung
Entstanden ist ein Ensemble aus vier Gebäuden, die einen zusammenhängenden Gewächshausgarten bilden. Von einem Eingangsgebäude ausgehend verteilen sich links und rechts einer Erschließungsachse drei Gewächshäuser, die jeweils unterschiedliche Vegetationszonen simulieren. Im ersten Pavillon ist eine aride Wüstenlandschaft nachgebaut, die in Sand- und Steinformationen bedrohte Pflanzenarten aller Kontinente unter ihrem Dach versammelt. Der zweite Pavillon beherbergt die tropische Vegetation eines Regenwaldes, während im dritten Gewächshaus Wechselausstellungen und hohe Baumgärten Platz finden. Über den Bauwerken öffnet sich eine Terrasse, die einen Blick über den Park und die anschließende, vertikale Stadtlandschaft bietet.
Galerie
Fließende Übergänge aus Stahl, Glas und Grün
Die formenreiche Gestaltung konnte in Zusammenarbeit mit den
Ingenieuren von Bollinger+Grohmann umgesetzt werden, die für
Tragwerk und Fassade zuständig waren. Die organischen, betont
wellenförmigen Gebäudehüllen der Gewächshäuser setzen sich aus
geraden und in einheitlichen Radien gebogenen Laminatgläsern
zusammen, die basierend auf einem 80-Zentimeter-Raster den
Gebäudekonturen folgen. Die Einfachverglasung, die in die
Aluminiumprofile vormontiert wurde, dient auch der Energieeffizienz
und dem Ziel, ein Null-Energie-Gebäude zu errichten. Zwar haben in
der Regel Gewächshäuser einen verhältnismäßig hohen
Energieverbrauch, doch konnte nachgewiesen werden, dass eine
Isolierverglasung die hohen Kosten der stattdessen notwendigen
künstlichen Pflanzenbelichtung nicht zu einer höheren
Energieeffizienz führt, so die Architekten. Lediglich das
Eingangsgebäude hüllt eine Fassade mit Doppelverglasung, wobei auf
eine einheitliche Gestaltung zu den Pavillons geachtet wurde.
Galerie
Die Belüftung und Belichtung erfolgen über unterschiedlich große, markante runde Öffnungen im Dach. Das angrenzende Standgewässer dient der Kühlung und bietet Fläche für Photovoltaik. Oberhalb der Deckenöffnungen wird die Stahlkonstruktion sichtbar, die wie ein immenser Rahmen das gläserne Ensemble überspannt. Dabei überragt das Stahlfachwerk die Neubauten und wirkt wie ein eingeschobener Überbau, der statische, gestalterische und symbolische Funktionen übernimmt: Die industrielle Vergangenheit des Ortes bleibt nur noch als Grundgerüst stehen, während die Natur und Vegetation darunter wieder den Raum einnehmen sollen. -sab
Bautafel
Architektur: Delugan Meissl Associated Architects – DMAA, Wien
Projektbeteiligte: Yiju Ding (Projektkoordination); SIADR Co.Ltd (Ausführungsplanung), Bollinger + Grohmann ZT GmbH (Tragwerks- und Fassadenplanung); Transsolar Energietechnik GmbH (Energieplanung); Yiju Ding (Landschaftsplanung)
Bauherr*in: Stadt Shanghai, China
Standort: Shanghai Expo Cultural Park - Guo Zhan Lu Pudong Xinqu, Shanghai, China
Fertigstellung: 2024
Bildnachweis: CreatAR (Visualisierungen), Yiju Ding (Bilder), DMAA (Pläne)
