Sanierung des Torbaus von Schloss Neuschwanstein

Gerüstüberdachung mit heizbaren Kederplanen

Schloss Neuschwanstein ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Rund 1,5 Millionen Touristen besuchen das mittelalterlich anmutende Kulturdenkmal im südlichen Ostallgäu jährlich. Echte Ritter hätten den Aufenthalt in der Anlage sicherlich genossen, denn hinter den altertümlichen Fassaden verbergen sich Komforteinrichtungen, die zum Zeitpunkt der Erbauung zu den modernsten technischen Errungenschaften zählten. So wurden die Räume des Wohnbaus König Ludwig II über eine Heißluft-Zentralheizung gewärmt, in allen Stockwerken stand fließendes Wasser zur Verfügung, es gab einen Essensaufzug, eine elektrische Rufanlage und sogar einen Telefonanschluss. Doch auch das modernste Schloss wird einmal renovierungsbedürftig. Derzeit erfährt der Torbau eine aufwendige Sanierung. Er ist der älteste Teil der Burganlage und diente dem Hausherrn als temporäres Appartement, von dem aus er die Bauarbeiten am Hauptgebäude verfolgen konnte.

Gallerie

Die Bauarbeiten am Prunkbau im historistischen Stil dauerten von 1869 bis 1886. Wie schon bei der Ausstattung bediente man sich auch bei der Errichtung der modernsten Mittel – bei der Technik ebenso wie bei den Materialien. Bis zu 80 Meter Gestein wurde abgetragen, um Platz für die aus Beton gegossenen Fundamente zu schaffen. Die Ziegel für das Mauerwerk und der Kalkstein für die Fassaden wurden mit dampfbetriebenen Lastkränen auf den Fels transportiert; hinter der prachtvollen Ausstattung des Thronsaals verbirgt sich eine damals hochmoderne ummantelte Stahlkonstruktion. Und auch die großformatigen Fensterscheiben waren zur Zeit Ludwigs II. außergewöhnlich.

Der Aufwand für den Erhalt des Schlosses ist ernorm: Ständig müssen Bewegungen in den Fundamenten überwacht und die steilen Felswände immer wieder gesichert werden. Zudem setzt das raue Klima den Kalksteinfassaden und den Dachkonstruktionen zu.

Gerüste und Schalungen
Ein temporäres Wetterschutzdach verhüllt seit Winter 2016/17 den Torbau. Das Besondere der Gerüstüberdachung sind die erstmals verwendeten heizbaren Kederplanen. Ihre Funktionsweise ähnelt der einer Autoheckscheibenheizung: Integrierte Heizdrähte bringen in der kalten Jahreszeit den Schnee zum Schmelzen. Durch die minimierte Schneelast konnte die Gerüstkonstruktion mit größeren Feld- und Spannweiten realisiert und so das Konstruktionsgewicht und der Montageaufwand signifikant verringert werden.

Auf das gesamte Gebäude bezogen stellte die Montage für die Gerüstbauer eine Herausforderung dar. Denn der Torbau bildet den einzigen Zugang zum Schloss und ist zudem nur über eine schmale, gewundene Straße erreichbar. Bei laufendem Museumsbetrieb musste das komplette Gerüst samt Wetterdach auf engsten Raum in Handarbeit auf dem felsigen Untergrund errichtet werden. Eingehaust wurde der von zwei Türmen flankierte, zinnenbewährte Querriegel mit einem Modulgerüstsystem, dessen Bauteile und Profile so gewählt sind, dass sie problemlos von den Mitarbeitern transportiert und eingebaut werden können. Auf Schwerkraft basierende Riegelsysteme und profilierte Bodenbeläge sorgen für Sicherheit.

Da das Gerüst auf einem 25 cm Raster basiert, konnte es an die vielen Vor- und Rücksprünge des Torbaus angepasst werden. Dabei halfen zudem zahlreiche Konsolen. Ein spezieller Kopplungsknoten erlaubte auch die Einrüstung der Türme mit Systembauteilen. Aufwendige Rohr-Kupplungsarbeiten sowie damit verbundene, gefährliche Stolperfallen konnten dadurch vermieden werden. -cwi

Bautafel

Projektbeteiligte: Staatliches Bauamt Kempten; BSB Bau- und Spezialgerüstbau, Schmölln (Gerüstbauunternehmen); Peri, Weißenhorn (3D-Planung, Standsicherheit, Gerüstmodule)
Bauherr:
Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, München
Standort: Neuschwansteinstraße 17, 87645 Schwangau
Fertigstellung: 2018 (geplant)
Bildnachweis: Peri, Weißenhorn

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