Eventgebäude in Rapperswil-Jona

Hölzerner Zauberhut für den Kinderzoo

Bereits seit 1962 wird der traditionsreiche Kinderzoo in Rapperswil am Zürichsee von der schweizerischen Zirkus-Dynastie Knie betrieben. Das ursprüngliche Konzept wurde dabei immer wieder verändert und weiterentwickelt. Zuletzt wurde das sogenannte Otarium, in dem bis 2019 Seelöwenshows gezeigt wurden, durch einen 26 Meter hohen Neubau ersetzt, dessen spezielle Form Assoziationen an einen Zauberhut weckt. Nach einer pandemiebedingten Pause wurde der Zirkusbetrieb am 1. März 2021 wiederaufgenommen und zeitgleich das neue Veranstaltungsgebäude eröffnet.

Gallerie

Hintergrund für den Entwurf des Architektenteams von Carlos Martinez aus Berneck war ursprünglich der Gedanke eines Zaubertuches. Doch der Leiter und Elefantentrainer Franco Knie assoziierte den Entwurf mit einem Zauberhut – diese Interpretation hat sich mittlerweile weitgehend durchgesetzt. Dabei ist es unerheblich, ob man das Eventgebäude als Zirkuszelt, als Zaubertuch oder als Hut deutet. Es zeigt auf beeindruckende Weise, welche gestalterischen Möglichkeiten im modernen Holzbau stecken.

Nutzungsvielfalt im Holzzelt
Der markante Bau bildet mit seinem zeltartigen Schalentragwerk aus Holz die neue Hauptattraktion des Kinderzoos. Mit dem multifunktionalen neuen Wahrzeichen wurde dabei nicht nur eine bauliche, sondern auch eine inhaltliche Änderung vorgenommen – der Fokus soll zukünftig verstärkt auf Events gelegt werden. So steht der Bau neben verschiedenen Shows auch für Präsentationen oder Firmenanlässe zur Verfügung. Daher bietet der manegeartig gestaltete Innenraum vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. So erlaubt etwa die imposante Höhe von 26 Metern die Aufführung von spannungsvollen Trapezakten.

Trotz der starren Holzverschalung des Daches wird im Innenraum das Gefühl vermittelt, man sitze in einem luftigen Zirkuszelt – wozu unter anderem die an den Längsrippen des Daches angebrachten Lichterreihen sowie die bodentiefen Fenster an der „Krempe“ des Hutes beitragen.

Vorgefertigtes Holzfaltwerk
Die Entscheidung, das Dach in Holzbauweise umzusetzen, lässt sich neben der Gestaltungsfreiheit auf die vielfältigen Möglichkeiten der Vorfertigung von Holzbauteilen zurückführen. So konnten die Holzlemente in der Werkhalle erstellt werden, während gleichzeitig Betonfundamente und Wandkonstruktionen auf der Baustelle errichtet wurden, was die Bauzeit stark verkürzte.

Bei dem freitragenden Zeltdach handelt es sich um ein Schalenfaltwerk, das dem Gebäude seine charakteristische Erscheinung verleiht. Entwickelt wurde es von den Tragwerksplanern von Pirmin Jung. Durch seine Auffaltung konnte die Höhe von 26 Metern erreicht werden. Zusammengehalten wird das Holzfaltwerk von einem Betonring sowie Holzdruckringen in 11 und 16 Metern Höhe.

Wirtschaftliche Produktion dank rotationssymmetrischer Form
Die streng rotationssymmetrische Form begünstigte die wirtschaftliche Produktion von zwölf baugleichen und zwölf gespiegelten Elementen aus Holz mit jeweils vier Tonnen Eigengewicht. Paarweise wurden diese Elemente auf jeweils einem der zwölf Kehltiefpunkte an den Nischen des Betonrings aufgelagert. Den oberen Abschluss des Daches bildet der sogenannte „Hut“ – ein ebenfalls komplett vorgefertigtes Sonderelement. Dieser wurde mit einem Spezialkran auf das Dach gehoben und musste dort nur noch justiert und fixiert werden.

Das Besondere an den 24 zweifach gekrümmten Holzelementen aus einheimischem Fichtenholz ist die Kombination aus Elementbauweise und Freiform. Die Rippen sowie die Querrippen sind aus Brettschichtholz gefertigt. Diese wurden ausgedämmt und im Anschluss mit einer 24 Millimeter dicken Diagonalschalung abgeschlossen, die händisch gebogen und vernagelt wurde.

Die Dachverkleidung weist eine Voronoi-Struktur mit unregelmäßig geformten Dachschindeln aus Zinkblech auf und wurde ebenfalls bereits bei der Vorfertigung in den Werkhallen aufgebracht. Bei der späteren Montage mussten dann nur noch die Anschlussbleche fixiert und die Kehlfugen versiegelt werden. Aus Schallschutzgründen erhielt das Schalentragwerk auch im Innenraum eine Verkleidung. Deren insgesamt 470 Akustikplatten wurden ebenfalls vorgefertigt. Sie bestehen aus in der Form gebogenen und mit einer Lochung versehenen Dreischichtplatten.

Parametrische Detailplanung
Bereits zu Beginn der Planung wurde ein Mock-Up-Modell erstellt, um die Schritte für die Ausführung entwickeln zu können. Zudem wurden für die Detailplanung alle Bauteile in 3D modelliert. Mithilfe des parametrischen Modells konnten sämtliche Elemente exakt ausgeführt und alle Daten für die Vorfertigung bezogen werden. So wurden nicht nur mögliche Kollisionen bei der Produktion und in der Bauphase vermieden, sondern auch die Leitungsdurchlässe für Haustechnik bereits im Vorfeld berücksichtigt.

Dachaufbau (von außen nach innen):

  • Dachschindeln aus Zinkblech
  • Zementspanplatte 18 mm
  • Diagonalschalung 2 x 24 mm
  • Steinwolldämmung 200 mm
  • BSH Träger
  • Dampfbremse
  • Unterkonstruktion 27mm
  • Akustikdeckenelemente mit Dämmung 30mm
  • Akustikvlies, schwarz
  • Akustikplatte, 3-Schichtplatte Fichte

Bautafel

Architektur: Carlos Martinez Architekten, Berneck
Projektbeteiligte: Blumer-Lehmann, Gossau (Holzbau); Pirmin Jung Schweiz, Frauenfeld (Tragwerk); Ghisleni Partner, Rapperswil (Generalplaner)
Bauherrschaft: Gebrüder Knie Schweizer National Circus, Rapperswil
Standort: Oberseestrasse 36, 8640 Rapperswil-Jona, Schweiz
Fertigstellung: 2020
Bildnachweis: Blumer-Lehmann, Gossau

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