Unterwerk und Netzstützpunkt in Zürich

Elektrotechnische Gebäudeausrüstung effektvoll inszeniert

Ursprünglich eines der größten innerstädtischen Industrieareale der Schweiz, ist Oerlikon im Norden von Zürich heute ein rasant wachsendes Quartier zum Wohnen und Arbeiten. Bereits Ende der 1980er Jahre wurde für das sogenannte Zentrum Zürich-Nord ein Entwicklungsplan initiiert, der das 55 Hektar große Areal Schritt für Schritt einer neuen Nutzung zuführen sollte. Neben Hochhäusern, Einkaufszentren, Wohn- und Bürogebäuden entstanden auch Infrastrukturbauten wie das 2015 fertiggestellte Unterwerk. Das Umspannwerk mit Netzstützpunkt folgt einem Entwurf von Sabrina Mehlan, Petra Meng und Stefanie Wögrath vom Büro Illiz Architektur, die 2010 den öffentlich ausgeschriebenen Wettbewerb für sich entscheiden konnten.

Gallerie

Der kompakte, an zwei Stellen eingeschnittene Quader ist umhüllt von graugrünen, perforierten Zink-Paneelen und gegliedert in zwei oberirdische und drei unterirdische Geschosse. Das Umspannwerk, das der Einspeisung und Transformation von elektrischer Energie verschiedener Spannungsebenen dient, ist auf die unterirdischen Ebenen verteilt. Im Erd- und Obergeschoss befindet sich der Netzstützpunkt mit Werkstatt und Büroräumen für die Mitarbeiter des Elektrizitätswerkes der Stadt Zürich (ewz).

Während der Baukörper bei Nacht als dunkler Monolith erscheint, öffnet sich die Gebäudehülle zu Beginn des Arbeitstags über große Falttore und Fensterläden, die als horizontale Vordächer aus der Fassade hervorkragen. Die perforierten Faltelemente dienen im Erdgeschoss als belüftete Tore, im Obergeschoss verschatten sie die Fenster der Büroräume oder dienen in geschlossenem Zustand als Lichtfilter.

Damit Passanten sich eine Vorstellung von der Funktion des Unterwerks machen können, gewährt ein Schaufenster als „Guckkasten“ an der nördlichen Längsfront Einblick in den 12 Meter hohen, unterirdischen Schaltanlagenraum. Nur diese Gebäudeöffnung mit farbig leuchtendem Innenleben sowie das verglaste Eingangsportal an der Ostseite sind abgesetzt von der Metallfassade durch breite, grünlich eingefärbte Betonrahmen. Besucher haben die Möglichkeit, das Unterwerk zu besichtigen: Vom lichtdurchfluteten Haupteingang führt der Weg über das Treppenhaus hinab zu einer Galerie im ersten Untergeschoss und weiter auf die unteren Etagen, wo sich immer neue Blickwinkel in die Räume der elektrotechnischen Anlagen eröffnen, begleitet von einem dezenten Summen.

An seiner tiefsten Stelle reicht der Baukörper 13 Meter unter den Grundwasserspiegel. Um die Dichtigkeit zu gewährleisten und dem Auftrieb entgegenzuwirken, wurde rund um die Kellerwände und die Bodenplatte eine zusätzliche Kammer aus wasserfestem Beton gebaut. Diese ist mit Kies gefüllt, der als Zusatzgewicht und Drainageschicht im Falle einer Leckage dient. Ein spezielles Erdungssystem macht aus dem Unterwerk einen faradayschen Käfig. Die Kabel, die ins Gebäude und wieder herausführen, verlaufen in Rohrblöcken aus Beton.

Elektro/Gebäudetechnik
Ein Unterwerk dient dazu, elektrische Energie über verschiedene Spannungsebenen vom Kraftwerk zum Verbraucher zu transportieren. In Zürich finden technische Ausstattungen wie Kabelrohrblöcke, Kran‐ und Schienenanlagen sowie die elektrotechnische Gebäudeausrüstung auch Eingang in das Gestaltungskonzept und sind Teil einer Strategie, die der Öffentlichkeit den Weg des Stroms hinter der Steckdose vermitteln soll.

Grundsätzlich schaltet eine Schaltanlage Leitungen zu oder weg. Bei Freiluftschaltanlagen wird das Umschalten von einem lauten Knall und einem Lichtbogen begleitet. In einer geschlossenen Anlage müssen die Schalter durch ein isolierendes Medium geschützt sein. In diesem Fall leistet das ein neu entwickeltes Isolierglas in den Apparaten. Statt des üblichen Schwefelhexafluorid-Gases (SF6) dient hier ein neuartiges, laut Betreiber klimafreundliches Gasgemisch zur elektrischen Isolierung der Schaltanlagen. Gas isoliert elektrische Spannung deutlich besser als Luft und ermöglicht damit sehr kompakte Anlagen. Das Unterwerk ist weltweit das erste, in dem diese Technik getestet wird.

Der „Guckkasten“ ist durch ein Kunst am Bau-Projekt des Schweizer Künstlers Yves Netzhammer inszeniert. Er bekleidete die Wände mit der multimedialen Spiegelinstallation Der gefangene Floh, in der Betrachter und die elektrotechnischen Anlagen in einem scheinbar bis ins Unendliche gespiegelten Kaleidoskop zu verschmelzen scheinen. Verstärkt wird dieser Eindruck durch im Raster angeordnete Lampen, die den Innenraum in farblich wechselndes Licht tauchen.

Für die Beheizung des Unterwerks und Netzstützpunktes wird ausschließlich die vorhandene Trafoabwärme mittels Warmluftaufbereitung genutzt. Da nicht alle drei Leistungstransformatoren gleichzeitig in Betrieb gegangen sind, wurde eine Wärmepumpe für die Übergangszeit von vier Jahren vorgesehen. Die Räume werden nicht gekühlt, aber belüftet. Als Beleuchtung kamen im gesamten Gebäude LED-Lichtbandleuchten zum Einsatz, die auf Tragschienen montiert sind.

Bautafel

Architekten: Illiz Architektur, Zürich/Wien
Projektbeteiligte: Pöyry Schweiz, Zürich (Generalplanung, Statik, HLKS‐Planer, Bauphysik, Akustik, Bauleitung); ewz Verteilnetze, Zürich (Elektromechanische Ausrüstung, Kabelanlagen, Schutz, Steuerung, Leittechnik, Elektroplaner); Ragonesi Strobel & Partner, Luzern (Bauherrenberatung Bauphysik und Akustik); Heinrich Jäckli, Zürich (Geologie); Yves Netzhammer, Zürich (Kunst am Bau); Typejockeys, Wien (Signaletik)
Bauherr: ewz Verteilnetze, Zürich
Standort: Eduard-Imhofstraße 3-5, 8050 Zürich, Schweiz
Fertigstellung: 2015
Bildnachweis: Roger Frei, Zürich

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