Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin

Kunststoffelemente als Reflektoren und Absorber

Gallerie

Der Berliner Marstall wurde 1898 – 1900 durch Hofbaumeister Ernst von Ihne südlich des Berliner Stadtschlosses errichtet. In Anlehnung an die barocken Formen des Schlosses wurden die Fassaden des viergeschossigen Marstalls neobarock/klassizistisch gestaltet. Die Gesamtanlage bestand aus einem dem Schloss zugewandten Hauptbaukörper mit zentraler Durchfahrt, einem parallel zur Spree angelegten Flügelbau sowie Teilen des integrierten, alten Marstalls. Nach Kriegszerstörungen und vereinfachtem Wiederaufbau wurden der der Gebäudekomplex als Verwaltungsbau genutzt.

Der für den Umbau zur Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin realisierte Entwurf ordnet, ausgehend von der historischen Grundstruktur des Gebäudes, die großen Säle im Bereich des Schlossflügels und die kleinteiligen Probezellen im Bereich des Spreeflügels an. Im Schlossflügel wurden zwei zusätzliche, neue Treppenräume eingefügt, die das Foyer im 1. Obergeschoss und die Saalzone im 2. Obergeschoss erschließen. Während die räumlichen Strukturen des Schlossflügels für die zukünftigen Funktionen geeignet erschienen, wurden im Spreeflügel drei zusätzliche Galeriegeschosse eingefügt. Somit konnte die Nutzfläche der Hauptgeschosse verdoppelt werden und die Übungsräume als akustisch entkoppelte Zellenstruktur unabhängig von den Außenwänden in der Kernzone des Gebäudeflügels eingestellt werden.

Nach der Entfernung der Einbauten der Nachkriegszeit zeigte sich, dass keine historischen Ausbauelemente mehr vorhanden waren. Der rohe Ziegelbau bildet somit die Ausgangsbasis für eine Neuinterpretation der gesamten inneren Hülle. Anders als der erhaltene äußere Bauschmuck erwarten lässt, folgt die Neugestaltung des Innenausbaus rein funktionalen Gesichtspunkten. Neue Materialien wurden bewusst reduziert eingesetzt und durchgängig flächig gefügt. Der Umbau stellt die ursprünglichen, großzügigen Raumdimensionen wieder her. Räume, die modernen technischen Anforderungen gerecht werden müssen, wurden in das Gebäude als zweite Schicht implantiert.

Akustik
Das Hauptaugenmerk der Planung lag auf akustischen Gesichtspunkten. Hinsichtlich bauakustischer Belange bedeutete dies neben der Optimierung der Rohbaukonstruktion vor allem die raumakustische Auslegung der Einzelräume. In Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Moll entstand ein raumakustisches Konzept, welches in Bezug auf die Materialwahl und Gestaltung der Raumoberflächen neue Wege geht.

Als Akustikelemente werden hier, kontrastierend zum freigelegten Mauerwerk, halbtransparente Kunststoffelemente in Form von Kugeln und Kalotten (frz. = Kugelkappe, flache Kuppel) aus Polycarbonat eingesetzt. Die Kalotten sind jeweils flächendeckend an den Stirnseiten der Säle angebracht. Sie dienen je nach Oberflächenbehandlung als Schallreflektor- oder Absorberelemente. Den Raumeindruck und die Akustik des Orchesterprobensaales prägen vor allem die oberhalb der Galerieebene eingehängten Kugeln. Sie wurden in drei unterschiedlichen Größen mit bis zu 1 m Radius hergestellt und wirken als diffuse Reflektoren. Die optimale akustische Wirkung der Kugeln wurde in einer Versuchsreihe getestet. So erhielt z.B. der Äquatorbereich der Kugel eine Innenbedämpfung aus Schaumkunststoff um die Eigenfrequenz der Kugel zu minimieren.

Zur Reduzierung des Flatterechos wurde der Putz von den Ziegelwänden abgeschlagen. Die Wände erhielten einen offenporigen Überzug aus einer Schlämme und übernehmen die Funktion eines porösen Absorbers. Für die Absorption der tiefen Frequenzen wurden zusätzlich 30 cm tiefe Blechkästen mit Mineralwollefüllung mit frei schwingender Blechabdeckung angeordnet.

Bautafel

Architekten: Anderhalten Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: IB Moll, Berlin (Akustische Beratung)
Bauherr: Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Fertigstellung: 2005
Standort: Schlossplatz 7, Berlin
Bildnachweis: Werner Huthmacher, Berlin

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