KlimaKover von Henning Larsen

Strahlungskühlung statt Klimaanlage

Mit steigenden Temperaturen wächst die Nachfrage nach Lösungen, die öffentliche Räume wirksam vor Hitze schützen und dabei ohne hohen Energieaufwand auskommen. Auf Governors Island in New York hat das Büro Henning Larsen nun gemeinsam mit der University of Pennsylvania und AIL Research einen Prototyp vorgestellt, der zeigt, wie das gehen kann: KlimaKover ist ein modulares Verschattungs- und Kühlsystem, das mit rund einem Zehntel des Energiebedarfs konventioneller Klimaanlagen auskommt.

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Wie funktioniert Kühlung unter freiem Himmel?

Der erste Pavillon ist noch bis November 2025 öffentlich zugänglich. Er besteht aus modularen 4x4-Fuß-Paneelen, die textile Gewebe mit transparenten und halbopaken Strahlungspaneelen kombinieren. Unter dem Raster aus Holzrahmen entsteht ein luftiger, offener Raum, dessen Atmosphäre eher an ein urbanes Wohnzimmer erinnert als an eine technische Versuchsanlage. Betonblöcke dienen zugleich als Fundament und Sitzgelegenheit.

Die Funktionsweise beruht auf Strahlungskühlung: Durch feine Mikroröhrchen in den Paneelen fließt gekühltes Wasser, das Wärme direkt vom menschlichen Körper abführt. Eine infrarotdurchlässige Membran schützt das System vor Kondensation, was ein wesentlicher Punkt für den Betrieb in feucht-heißen Sommern ist, wie sie in New York üblich sind. Textilflächen spenden zusätzlichen Schatten und lassen zugleich natürliche Luftzirkulation zu.

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Das Wasser wird über kleine Pumpen bewegt und zuvor in einem geschlossenen Kreislauf auf Temperatur gebracht. Die nötige Energie liefern integrierte Solarmodule, sodass das System autark funktioniert. Es benötigt weder externe Stromanschlüsse noch externe Wasserzufuhr. „Der Pavillon auf Governors Island ist nur ein erster Schritt. Wir können uns KlimaKover auf Schulhöfen, an Bushaltestellen, bei Straßenständen oder auf Baustellen vorstellen und so zeigen, wie sich energiesparende Kühlung in Städten skalieren lässt“, erklärt Jakob Strømann-Andersen, Director of Innovation and Sustainability bei Henning Larsen.

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Skalierbares Prinzip mit nachweisbarem Wirkungsgrad

Nutzungsstudien der University of Pennsylvania zeigen, dass sich die kühlende Wirkung nach fünf bis sieben Minuten spürbar einstellt und nach etwa 20 Minuten deutlich ausgeprägt ist. „KlimaKover wird Besucher*innen aus New York und der ganzen Welt ermöglichen, Kühlung im Freien zu erleben. Dies ist eine wichtige Demonstration, die den Weg für die breite Einführung von energiesparender Kühlung ebnet“, sagt Dorit Aviv, Architektin und Leiterin des Thermal Architecture Lab an der Weitzman School of Design.

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Mit Herstellungskosten von rund 75 US-Dollar pro Quadratfuß (ca. 743 EUR/m²) ist das System auf Massenproduktion angelegt. Die Konstruktion aus Holz, Textil und Paneelen lässt sich einfach montieren und wieder zerlegen. Für die Holzkonstruktion kommt ein Produkt namens Carbon Smart Wood zum Einsatz. Das ist ein massives Vollholz aus sogenannten urbanen Holzabfällen, das thermisch behandelt und dadurch besonders langlebig wird. Anstatt gefällt und entsorgt zu werden, werden Bäume aus Abfallströmen wiederverwertet. So bleibt der gebundene Kohlenstoff erhalten und die CO₂-Bilanz fällt deutlich besser aus als bei herkömmlichen Holzbauprodukten.

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Der Prototyp wird im kommenden Jahr in New York an verschiedenen Orten getestet, um unterschiedliche Einsatzkontexte zu erproben. Denkbar ist der Einsatz an Schulhöfen, Bushaltestellen, Märkten oder Baustellen, also genau dort, wo herkömmliche Klimatisierung nicht verfügbar ist. -sr

KlimaKover von Henning Larsen; Partner: University of Pennsylvania (Thermal Architecture Lab), AIL Research; Finanzierung: Ramboll Foundation; Prototyp: Governors Island, New York; Projektpartner u. a. Fast+Epp, Skanska, SITU, Cambium, Mecho, Springs Window Fashions, Ontility, KM Associates, Tectonic Engineering

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