Produktionshalle und Laden in St. Andrä

Nachwachsende Rohstoffe und Recyclingmaterialien

Das Familienunternehmen Leeb verarbeitet Äpfel zu einer Vielzahl von Produkten, wie z.B. Apfelsaft, -essig, -schnaps oder auch getrocknete Apfelchips. Da die Obstbauern ihre Produkte direkt ohne Zwischenhändler vertreiben, sollte im österreichischen St. Andrä nicht nur eine Verarbeitungshalle, sondern auch ein Laden für den Verkauf entstehen. Entwurf und Ausführungsplanung der viel beachteten Anlage stammt aus dem Wiener Architekturbüro Architects Collective, sie wurde innerhalb von vier Monaten - vorwiegend aus Fertigteilen - errichtet, verfügt über eine Nutzfläche von 450 m² und erreicht den Passivhausstandard.

Gallerie

Die Assoziationen der Bauherren bestanden aus Obstkisten und Marktständen und exakt dies haben sie auch bekommen. Das Gebäude kann durch Öffnen und Schließen von zwei 5 x 6 m großen Wänden und Klappläden - analog zu einem Marktstand - auch von Weitem signalisieren, ob es etwas zu kaufen gibt oder nicht. Bei der Verarbeitungshalle griffen die Architekten das Bild der einfachen Holzkiste auf: Sie besteht aus einer Holzrahmenkonstruktion mit gedämmten Fertigteilen und ist unbeheizt. Die Fassaden des gesamten Gebäudes sind mit Grobspanplatten (OSB) verkleidet, die mehrfach braun bzw. grün lasiert wurden. Die beiden Nutzungen wurden parallel zueinander angeordnet, durch das kleinere Volumen des Ladens entsteht ein verbindender Hof.

Der Verkaufsraum, mit seinem durchgehenden Fensterband, ist nach Südwesten zur Hauptstraße orientiert. Als Beschattung dienen aufklappbare Alurahmen, die großflächig mit einer gebrauchten Werbeplane bespannt sind und den Innenraum vor sommerlicher Überhitzung schützen.

Für die Außenbereiche und Parkplätze wählten die Architekten gebrauchte Weingartensteher (Spalierpfähle) aus Beton als Belag, die das Versickern des Regenwassers ermöglichen. Das Regenwasser des Daches fließt in zwei Verdunstungsbecken zusammen, welche in die Freiraumgestaltung integriert wurden.

Nachhaltig Bauen
Da den Bauherren ökologische und nachhaltige Aspekte des Bauens wichtig waren, wurden diese Überlegungen bei der Wahl der Baustoffe und Materialien berücksichtigt. Das Gebäude besteht überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen und Recyclingmaterialien. Der Innenraum wurde mit Upcycling-Möbel gestaltet: alte Fahrradschläuche bilden kugelförmige Deckenleuchten, gebrauchte Mehrschichtplatten Regale und Schränke und das Verkaufspult ist mit Druckerplatten verkleidet. Als Dämmstoff dient unkaschierte Mineralwolle, die vom Institut Bauen und Umwelt mit dem Ökolabel Typ III / Evironmental Product Declaration (EPD) als umweltverträgliches Bauprodukt zertifiziert wurde.

Die Konstruktion ist ein Holzskelettbau aus Leimbindern im Abstand von fünf Metern. Diese tragen sogenannte Isoboxen in Größen von 5 x 2,5 m und 5 x 1,5 m, die beidseitig mit OSB Platten beplankt und mit Dämmstoff gefüllt sind. Die Stapelung der Module ist an den Kanten der Traufbleche ablesbar. Belüftung und Heizung werden über ein Kompaktlüftungsgerät mit Kleinstwärmepumpe erreicht. Die natürliche Luftvorerwärmung erfolgt durch die Ansaugung über die Halle.

Folgende Wärmedurchgangskoeffizienten konnten im Verkaufraum erreicht werden:

  • Außenwand: 0,10 W/(m²K)
  • Dach: 0,10 W/(m²K)  
  • Boden: 0,10 W/(m²K)
  • Passivhauszertifizierte Holz-Alu-Fenster: Uw = 0,75 W/(m²K)
  • 3-fach Wärmeschutzverglasung mit Argonfüllung Ug-Wert: 0,6 W/(m²K), g-Wert = 52 %
Das Gebäude hat damit einen Energieverbrauch von 17 kWh/m² im Jahr.

Bautafel

Architekten: Architects Collective, Wien/A
Projektbeteiligte:
Weissenseer Holz-System-Bau, Greifenburg/A (Holzbau); SK Stahlbau, Wien (Stahlbau); Gabarage Upcycling Design, Wien (Möbel)
Bauherren: Vera und Albert Leeb
Fertigstellung: 2009
Standort: Wiener Straße 40, St. Andrä am Zicksee/A

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