Forschungszentrum in Kaiserslautern

Flachdach für 100 Funkantennen und Satellitenschüsseln

Seit 13 Jahren wächst in Kaiserslautern der neue Forschungsstandort PRE-Park, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Universität und zum Stadtzentrum und seit Kurzem auch als Erweiterung direkt an der A6. Im Frühjahr 2010 konnte dort ein Neubau bezogen werden: Die PRE-Gesellschaft hat in das Europäische Technologie- und Innovationszentrum (ETIC) von John Deere rund zehn Millionen Euro investiert und vermietet den Gebäudekomplex nun an das Unternehmen. Nach nur 15 Monaten konnte der Bau nach Planung des Architekturbüro a+4 Ingenieure fertig gestellt werden.

Gallerie

John Deere ist ein Agrartechnikunternehmen, das an dem neuen Standort in Kaiserslautern seine Forschungs- und Entwicklungsabteilung bündeln möchte. Auf einer Grundstücksfläche von rund 11.000 m² und einer Nutzfläche im Gebäude von circa 4.300 m² sollen innovative Lösungen für die Präzisionslandwirtschaft entwickelt werden. Dazu benötigen die Entwickler u.a. modernste Funk- und Datentechnik, was bereits bei der Konzeption des Gebäudes berücksichtigt werden musste. Dementsprechend entwickelten die Architekten den Neubau in enger Zusammenarbeit mit der JD Facility Engineering.

Das äußere Erscheinungsbild ist geradlinig und streng orthogonal ausgerichtet. Das Gebäude besteht aus drei rechteckig zueinander liegenden Baukörpern, die sich um einen Innenhof gruppieren. Der dreigeschossige Hauptriegel an der Straßburger Allee und der südöstlich liegende zweigeschossige Nebenriegel beinhalten die Büro- und Konferenzflächen. Der eingeschossige Riegel im Südwesten beherbergt Versuchswerkstatt und Labore.

Der Nutzung als Innovationszentrum entsprechend, erhielt das Gebäude eine neu entwickelte Glasfassade. Sie besteht aus großflächigen Glaselementen, die durch ein graubraunes Band aus vorgehängten Keramikelementen eingerahmt bzw. eingeklammert werden. An der Stirnseite wurde eine Keramikfassade realisiert. Das zweite Obergeschoss kragt als Dachterrasse über den Nebenriegel frei aus. Fast alle Fassaden sind zur Erhöhung der Tageslichtnutzung vom Fußboden bis zur abgehängten Decke verglast. Der dadurch entstehende hohe Außenbezug wirkt sich positiv auf das Behaglichkeitsempfinden der Mitarbeiter aus. Der Sonnenschutz wurde z.T. flächenbündig in die Fassade integriert und ist im eingefahrenen Zustand von außen nicht sichtbar. Einige Fassadenflächen erhielten einen Sonnenschutz aus feststehenden Lamellen (siehe Abb. 5 und 6).

Bei dem Neubau wurde verstärkt auf die Nutzung regenerativer Energien Wert gelegt. So erhielt er ein Heizungs- und Kühlungssystem mit einer Sole-Wasser-Wärmepumpe mit einer Leistung von ca. 160 kW. Das bivalente System wird witterungsabhängig zwischen 70 bis 89% der erforderlichen Heiz- bzw. Kühllast abdecken. Die Energieabgabe erfolgt einerseits über einen Energieboden, quasi eine Fußbodenheizung und -kühlung, die im Doppelboden integriert ist, und andererseits über die Lüftungsanlage. Diese Lüftungsanlage ist wiederum mit einer Wärmerückgewinnung versehen, die mit hoher Effizienz ca. 70% der in der Abluft vorhandenen Wärme wieder dem System zuführt. Die restliche Energie zur Abdeckung der Leistungsspitzen wird im Heizbetrieb über ein Gas-Brennwertgerät kompensiert und im Kühlbetrieb mittels einem Kaltwassersatz erzeugt. Ebenfalls Verwendung findet die Nutzung von Solarenergie. Auf dem Dach des Nebengebäudes befindet sich eine Photovoltaikanlage von ca. 61 m² mit 8,27 kWp.

Bei einer Laufzeit von 20 Jahren wurde eine Einsparung des CO2-Ausstoßes um etwa 2.852 t prognostiziert, was ca. 180.000 EUR Energieeinsparung entsprechen würde.

Nachhaltig Bauen
Das Forschungszentrum wurde von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) als ein besonders nachhaltig geplantes und umgesetztes Büro- und Verwaltungsgebäude ausgezeichnet.

Außergewöhnlich an dem Gebäude ist z.B. der Aufbau seines Daches. Das Flachdach des ETIC ist durch rund 100 Funkantennen und Satellitenschüsseln stark belastet und durch ständiges Begehen zusätzlich beansprucht. Deswegen erhielt es als Dachdämmung eine Kombination aus Gefälle- und stark belastbarer Oberdämmung. Oberhalb der Betondecke befindet sich eine Dampfsperre, darauf die Gefälledämmung von 140 bis 200 mm und direkt darüber eine hoch druckbelastbare Steinwolle-Dämmplatte von 60 mm. Die nicht verglasten Flächen der Fassade erhielten eine Steinwolledämmung mit der Wärmeleitfähigkeitsgruppe 035. Mineralwolle wie Stein- oder Glaswolle zählen zu den anorganischen Dämmstoffen, „Unkaschierte bzw. unbeschichtete kunstharzgebundene Steinwolle-Dämmstoffe“ erhielten eine Umwelt-Produktdeklaration nach ISO 14025 vom Institut Bauen und Umwelt in Königswinter.

Bautafel

Architekten: a+4 ingenieur, Andreas Wilhelm, Kaiserslautern
Projektbeteiligte: WZ Ingenieure, Kaiserslautern (Statik), JD Facility Engineering/Deere & Company, Mannheim (Facility Management); NM Kaiserslautern (Elektro), Planungsbüro Sappok Pirmasens (Haustechnik), L.A.U.B. Kaiserslautern (Außenanlagen); Goldbeck Süd, Hirschberg a. d. Bergstraße (Generalunternehmer); Rockwool, Gladbeck (Gefälledämmsystem und Dämmplatten)
Bauherr: PRE, Kaiserslautern
Fertigstellung: 2010
Standort:
Straßburger Allee 3, 67657 Kaiserslautern

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