Linienlagerung

Die häufigste Lagerungsart von Glas im Bauwesen stellt die Linienlagerung bzw. linienförmige Lagerung dar. In den meisten Fällen wird hierbei in statischer Hinsicht eine freie Verdrehbarkeit über der Auflagerung (Navierlagerung) angenommen, welche durch die konstruktive Durchbildung gewährleistet wird.

Gallerie

Linienförmig gelagerte Verglasungen sind baufaufsichtlich durch DIN 18008-2 geregelt. Als Voraussetzung für die Annahme einer Linienlagerung gilt mit den üblichen Lagerungstechniken von 10 mm eine maximale Durchbiegung der Unterkonstruktion von L/200. Die linienförmige Lagerung muss an mindestens zwei gegenüberliegenden Seiten beidseitig (Druck- und Sogbeanspruchungen) orthogonal zur Scheibenebene abtragen. Zu beachten ist, dass insbesondere kleinformatige, steife Scheiben sehr empfindlich auf eine Verwindung der Unterkonstruktion reagieren, da durch diese Verformungen Zwangsbeanspruchungen entstehen, welche zum Nachweis der Tragfähigkeit der Verglasung berücksichtigt werden müssen.

Eine kontinuierliche Lagerung auf Vorlegeband oder Elastomerstreifen mit einer Breite von 10 mm bis 15 mm kann bei kleinen Verformungen die Verdrehbarkeit in der Regel mit hinreichender Genauigkeit gewährleisten. Die elastische Auflagerung kann kleinere Unebenheiten ausgleichen und unerwünschte Spannungsspitzen im Glas vermeiden. Neben EPDM-Schichten werden auch Silikonprofile verwendet. Im Fenster- und Fassadenbau wird von verschiedenen Herstellern eine Vielzahl von Aluminium-Strangpressprofilen angeboten, welche den statischen, konstruktiven und bauphysikalischen Anforderungen gerecht werden.

Auch eingespannte Verglasungen, bei denen keine Verdrehbarkeit entlang der Auflagerung möglich ist, werden als Linienlagerungen verstanden. Häufiger Anwendungsfall sind absturzsichernde Glasbrüstungen, welche am Fußpunkt durch eine Einspannung gelagert sind. Die Einspannhöhe ist dabei in einer entsprechend ausgebildeten Unterkonstruktion mit mindestens 100 mm zu wählen.

Bei allen linienförmig gelagerten Konstruktionen sind für die Aufnahme von abhebenden Beanspruchungen (z. B. Windsog) Halteleisten oder punktuell zusätzliche Halter anzuordnen, die ebenfalls statisch nachzuweisen sind. Werden kontinuierliche Soghalteleisten angeordnet, so sollte der Abstand von Befestigungspunkten der Unterkonstruktion kleiner als 35 cm gewählt werden, wobei der Abstand von den Ecken etwa 5 cm bis 10 cm betragen sollte.

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