Swiss Window Journeys
Architectural Field Notes
gta Verlag, ETH Zürich 2023
224 Seiten, 531 Abbildungen, Softcover
Texte in englischer Sprache
Preis: 39 EUR
ISBN 978-3-85676-458-6
Die japanische Architektin Momoyo Kaijima, die als Partnerin des Atelier Bow-Wow mit Publikationen wie Made in Tokyo und Pet Architecture Guidebook sowie Werken wie dem polygonal verformten Mado Building (Fensterhaus) weltweit bekannt wurde, hat an der ETH Zürich einen Lehrstuhl für Architectural Behaviorology, was sich in etwa mit architekturbasierter Verhaltensforschung übersetzen lässt.
Mit ihren Studierenden und Mitarbeiter*innen erforschte sie im Herbstsemester 2017 und Frühlingssemester 2018 Fenster in der Schweiz hinsichtlich soziokultureller, geopolitischer, klimatisch-geografischer, handwerklich-technologischer und ökologischer Parameter.
Für das Buch Swiss Window Journeys wurden 70 über die gesamte Schweiz verteilte Gebäude als Fallstudien ausgewählt. Diese werden nach ihren spezifischen Nutzungen und den daraus resultierenden Charakteristika in acht Kapitel sortiert. Einleitend mit einem Seelabalgga, einem Seelenfenster, mit Ursprüngen vermutlich im 13. Jahrhundert, über hölzerne Luken und Kastenfenster in mittelalterlichen Bauernhäusern bis in die Gegenwart reicht die Bandbreite. Als weitere historische Beispiele werden in der barocken Stiftsbibliothek St. Gallen die filigranen Fensternischen mit Butzenscheiben untersucht. Erwartungsgemäß werden für die klassische Moderne horizontale Fensterbänder in den Werken von Le Corbusier betrachtet. Als zeitgenössische High-Tech-Details wurden die spiralförmigen Alu-Holz-Fenster der Monte-Rosa-Hütte in den Walliser Alpen und die 360°-Panoramafenster der rotierenden Gondeln der Titlis-Rotair-Seilbahn untersucht.
Alle Fenster werden in einem räumlichen und funktionalen Kontext mit hervorragenden Handzeichnungen sowie Fotodokumentationen einschließlich kurzer Erläuterungstexte vorgestellt. Äußerst bemerkenswert sind auch die ausführlichen Literaturlisten im Anhang.
Neun Interviews mit Schweizer Architek*innen und Professor*innen
wie Mario Botta, Peter Märkli, Elli Mosayebi, Ron Edelaar, Annette
Gigon und Mike Guyer ergänzen die Fallstudien. Die teilweise sehr
persönlichen Kommentare zu den eigenen Werken vertiefen das
Verständnis und geben Denkanstöße, so beispielsweise Mike Guyer:
”Talking about the situation today, the most salient concerns
are how to avoid overheating in summer, what kind of materials we
use, and how much electricity we consume. The question is, how do
we respond? To go beyond triple glazing would be unreasonable,
because of the energy required to produce a fourth or fifth layer
of insulation glass. So you have to somehow add external layers of
different materials that demand less energy: textiles, perforated
wood panels, and so on. This is the question of the embodied energy
required to produce, transport, and finally recycle the elements of
a building.”
(deutsche Übersetzung: „Wenn wir über die heutige Situation
sprechen, sind die wichtigsten Überlegungen, wie wir eine
Überhitzung im Sommer vermeiden, welche Materialien wir verwenden
und wie viel Strom wir verbrauchen. Die Frage ist: Wie reagieren
wir? Über eine Dreifachverglasung hinauszugehen, wäre aufgrund des
Energiebedarfs für die Herstellung einer vierten oder fünften
Isolierglasschicht nicht sinnvoll. Man muss also irgendwie äußere
Schichten aus verschiedenen Materialien hinzufügen, die weniger
Energie verbrauchen: Textilien, perforierte Holzplatten und
ähnliches. Dies betrifft die Frage nach der grauen Energie, die
erforderlich ist, um die Elemente eines Gebäudes herzustellen, zu
transportieren und schließlich zu recyceln.”)
-sj
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