Bauen mit Stampflehm
DETAIL Architecture, München 2025
112 Seiten, zahlreiche Abbildungen
Format 21,0 x 29,7 cm, Hardcover
Preis: 54,90 EUR
ISBN 978-3-95553-656-5
Irgendwie uralt, irgendwie überall verfügbar und komischerweise unglaublich exotisch: Das Bauen mit Stampflehm hat eine jahrtausendelange Tradition – auch in Europa – und ist doch fast unsichtbar. In den letzten Jahren erfuhr das Material im Westen des Kontinents eine Renaissance, nicht zuletzt aufgrund seiner ökologischen Vorzüge. Aber auch die architektonischen Qualitäten werden wiederentdeckt. Felix Hilgert, Lehmspezialist und Bauingenieur, fasst den Status quo in Bauen mit Stampflehm zusammen.
In vier Hauptkapiteln mit jeweils mehreren Unterkapiteln werden Geschichte, Materialeigenschaften und konstruktive Aspekte vermittelt sowie sieben beispielhafte Projekte porträtiert. Zu Beginn stellt Felix Hilgert traditionelle Lehmbautechniken in Mitteleuropa und die heutigen gesetzlichen Rahmenbedingungen vor. Im zweiten Kapitel erfahren die Lesenden unter anderem, wie Aushub wiederverwendet und als Stampflehm verarbeitet werden kann – manuell wie industriell. Hier, wie auf den folgenden Seiten, veranschaulichen zahlreiche Zeichnungen und Fotos die Arbeitsschritte und Bauteilanschlüsse.
Die technischen und bauphysikalischen Eigenschaften des Materials vergleicht Hilgert insbesondere mit Beton und Holz. Es zeigt sich: Nicht nur in der Herstellung, sondern auch während der Nutzung lassen sich mit Lehm Energiebedarf und Emissionen mindern. Möglich wird dies durch seine Fähigkeit, Wärme, Kälte und Feuchtigkeit aufzunehmen und verzögert wieder abzugeben. Im dritten Kapitel geht es um Verankerungen, Schalungstechniken, Pflege und Wartung der verschiedenen Lehmbauteile. Einen eigenen Abschnitt erhalten dabei hybride Konstruktionen, bei denen Holz, Beton, Stahl oder Kunststoff die Tragfähigkeit der statischen Systeme erhöhen und architektonische Freiheiten schaffen.
Aktuell werden vor allem in Frankreich und der Schweiz die Qualitäten des Baumaterials wiederentdeckt. Von dort kommen auch die meisten Projektbeispiele im letzten Viertel des Buchs. Darunter sind die Kinderkrippe am Palais de l´Alma in Paris, das Bürogebäude Orangerie in Lyon, der Ofenturm des Ziegelei-Museums bei Cham und die Alnatura-Firmenzentrale in Darmstadt. Wie aus den Heften des Verlags bekannt, zeigen die Fotos und Detailzeichnungen konstruktive Besonderheiten und erschließen so den Lesenden die Zusammenhänge zwischen Material, Bautechnik und architektonischer Gestaltung.
Am Ende bleibt eines hängen: Das Bauen mit Stampflehm ist weder rückständig noch Raketenwissenschaft. Und auch die gestalterischen Spielräume sind weitaus größer, als sich vermuten lässt.
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