Wärmeschutz – wieviel?
Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung
Um den Energiebedarf zu senken, werden viele Gebäude ausgiebig gedämmt. Aber mit welchem Effekt? Das haben Michael Grafe und Andreas Enseling für das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) untersucht. Ihre Ansätze und Ergebnisse sind in der Publikation Wärmeschutz – wieviel? Wärmeschutzstudie für Neubau und Bestand zusammengefasst, die Mitte 2025 erschien.
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Bis 2045 soll der Gebäudebestand klimaneutral werden, so sieht es das aktuelle Bundes-Klimaschutzgesetz vor. Die Autoren der Studie fragten sich, ob die geltenden Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz bereits ausreichen, um klimagerecht zu bauen. Zugleich wollten Sie ermitteln, ob sich mit zunehmenden Dämmstärken nicht nur Energie, sondern auch Geld sparen lässt. Im Mittelpunkt ihrer Betrachtung stehen neben den gegenwärtigen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) auch die Wärmeschutzstandards, die für eine Förderung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu erfüllen sind.
Zur besseren Vergleichbarkeit nutzten die Autoren für ihre Evaluation zwei Modellgebäude: ein Einfamilienhaus (EFH) und ein Mehrfamilienhaus (MFH), die sie der Datenbank des Zentrums für Umweltbewusstes Bauen (ZUB) entnommen hatten. Auf diese Weise konnten sie Unterschiede zwischen Neubau und Bestand bei der Gesamteffizienzbetrachtung zeigen. Grafe und Enseling bewerteten also nicht nur den Wärmeschutz der Gebäudehülle durch Dämmung und Fenster, sondern bezogen auch Wärmeversorgung und Lüftung mit ein. Zusätzlich unterschieden sie einzel- und gesamtwirtschaftliche Perspektiven, sprich die Interessen von Eigentümer*innen und Staat. Die ambitionierteren der aktuellen Standards lohnen sich entsprechend vor allem aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive.
In acht Kapiteln, sogenannten Exkursen, veränderten die Autoren
etwa den Fensterflächenanteil oder die Ausrichtung der
Modellgebäude. Die Variation dieser Parameter zeigt ihren Einfluss
auf die Energiekennwerte. Gerade die Exkurse zum Lokalklima,
zur Grauen Energie und zu den Bau- und Energiepreisen
fördern, über das Gebäude hinauszudenken und die Zukunft im Blick
zu behalten. Es genügt folglich nicht, die Dämmstärken zu erhöhen,
um die Klimaneutralität zu erreichen. Schließlich argumentieren
Grafe und Enseling, dass es sich eigentlich immer lohnt,
Wärmeschutz zu verbessern – schlicht, um Energie zu sparen und uns
unabhängiger zu machen von Versorgungs- und
Preisschwankungen.
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