Waidlerhaus in Finsterau

Weiterbauen eines Einhofes im Bayerischen Wald

1.000 Meter Höhe, idyllisches Grundstück, Alleinlage. Der Blick reicht vom Gipfel des Lugen im Nationalpark Bayerischer Wald bis nach Süden in die Alpen. Zwischen den Bäumen ist ein Holzgeflecht erkennbar, das sich mit den Ästen zu verwinden scheint. Es gehört zu einem Bauwerk, das wie ein luftiger Adlerhorst auf dem Höhenplateau liegt und dessen Obergeschoss ein traditionelles Bundwerk ziert, einer Lattung in Gitterform. Am Berg bei Finsterau verhalfen Hiendl_Schineis Architekten dem maroden Waidlerhaus – so werden in der Region die Häuser von Menschen bezeichnet, die von und mit dem Wald leben – zu neuem Leben.

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Einhof

Die Bauform dieses Waidlerhauses ist ein Einhof, der so heißt, weil hier Wohn- und Nutzbau mit zweigeschossiger Scheune und Stall in einem Baukörper zusammengefasst sind. Der alte Wohntrakt des Einhofes war nicht mehr zu retten und wurde neu errichtet.

Die Scheune mit Stall hingegen konnte erhalten werden. Die filigrane ungedämmte Holzkonstruktion war noch intakt. Sanierungsarbeiten gab es an den Böden und Fundamenten des Nutzbaus sowie an Überfahrt und Dach: die Fundamente wurden verstärkt, die Scheune erhielt einen neuen sägerauen Fichtenholzbelag, der Stall mit seinem blanken Erdboden eine Bodenplatte aus Beton. Die Überfahrt, die von außen in das Obergeschoss der Scheune führt, – früher wurde hier das Heu eingefahren, – war zusammengebrochen und musste vollständig neu errichtet werden. Heute fahren hier die Autos zum Parken in die Scheune. Und schließlich wurde das flache Satteldach über dem Einhof neu mit Kupfer eingedeckt.

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In die Scheune sind gedämmte Holzkuben als Räume für die temporäre Nutzung eingestellt. Im Erdgeschoss dienen sie als Werkstatt und Hauswirtschaftsraum, im Obergeschoss als Technikraum, Atelier und Gastkubus. Die Holzrahmenkonstruktionen der Kuben haben eine Beplankung aus Seekieferplatten und wurden in einem Abstand von 40 cm zu den Bestandswänden errichtet. Von beiden Ebenen der Scheune führen direkte Verbindungstüren in das Wohnhaus.

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Wohn-Landschaft

Der Wohntrakt wurde als Holzrahmenbau mit Fichtenschalung und Pfettendachstuhl vollständig neu aufgebaut. Die Holzwand zur Scheune musste abgestützt werden, als die Reste des alten Wohngebäudes abgetragen wurden. Für den Neubau wurden Kubatur und Grundstruktur des Vorgängerbaus übernommen, doch dessen Separierung der Nutzungen aufgehoben. Das neue Wohnhaus bildet einen offenen Raum, der sich mit der Landschaft verbindet – anders als traditionelle Waidlerhäuser mit ihren abgeschlossenen Zimmern und kleineren Fenstern. Dennoch kommt im neuen Innenraum nicht das Gefühl auf, der Natur ausgesetzt zu sein.

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Innenausstattung aus Weißtanne

Wesentliche Elemente der Innenräume – Fenster und Türen, Fußboden-, Wand- und Deckenbeläge sowie Einbauten und eingestellte Raumelemente im Obergeschoss – sind aus Weißtanne gefertigt, einem heimischen Holz, das nicht zu rustikal wirkt und auch nicht nachgilbt. Eine Treppe aus dem gleichen Material führt ins Obergeschoss und bildet gleichzeitig Stauraum für den Küchenblock. Der Wohn- und Essbereich öffnet sich mit Doppelfügel-Fenstertüren zum Außenraum. Die konstruktiven Stützen sind gleichzeitig die Pfosten der Glasfassade.

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Neben Weißtanne bildet Kupfer das zweite prägende Material der Innenräume. Kamin, Küchenarbeitsfläche und Duschwände sind mit Kupferbahnen belegt, die zum Teil noch über den Boden weitergeführt werden und Übergänge zwischen den räumlichen Funktionen markieren.

Kupferbeschläge 

Kupfer ist eines der Metalle, das aufgrund seiner leichten Verformbarkeit schon früh verwendet wurde. Es ermöglicht einen hohen Vorfertigungsgrad – ob als Oberfläche auf einer Platte verklebt im Innenraum, als durchgängige Dachhaut oder als konstruktiver Schutz für Holzbauteile, Ecken, Kanten und Rundungen. Zudem besitzt Kupfer eine antibakterielle Wirkung, weshalb es früher oft für Türgriffe in Krankenhäusern eingesetzt wurde. Weil sich die Suche nach passenden Kupferbeschläge für das Waidlerhaus als zu schwierig erwies, wurden Türdrückergarnituren- und Fenstergriffe einer Edelstahlserie als Sonderanfertigung mit PVD (Physical Vapor Deposition)-Kupferbeschichtung ausgeführt.

Obwohl vergleichsweise kleine Bauelemente, prägen die Beschläge auf subtile Weise die Wahrnehmung der Räume. Haptisch ist der Türgriff der erste Eindruck und buchstäblich die erste Berührung mit dem Haus. Wichtig war, dass die Griffe „wenig sind“: schlank, in einer Linie geformt, zurückhaltend und dennoch kraftvoll; die Türschilder haben daher eine möglichst flache Abdeckung. Es gibt keine abdeckenden Türrosetten, alle Schrauben sind sichtbar, nichts wird verborgen.

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Für das Waidlerhaus, das die Verbundenheit mit Wald und Natur schon im Namen trägt, haben die Kupfergriffe auch eine symbolische Funktion: das Betätigen bedeutet, die Außenfassade zu öffnen, sodass sich Landschaft und Wohnraum verbinden. Die Anmutung der kupfernen Oberflächen verändert sich je nach Lichteinfall, und auch der Alterungsprozess geht mit einer Veränderung der Patina einher. Zudem ist das Material langlebig und zu 100 Prozent recyclingfähig.

Glas und Bundwerk

Raumhohe Fenstertüren verbinden in beiden Geschossen den Außen- mit dem Innenraum. Im Sommer erweitert eine umlaufende Holzterrasse aus Eiche den Wohnraum ins Freie. Die doppelflügeligen Fenstertüren sind mit Türbändern ausgestattet, die sich um 180 Grad drehen lassen. So lassen sich beide Fensterflügel vollständig zur Innenwand umschlagen.

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Mit der Pfettendachkonstruktion konnte das Obergeschoss stützenfrei bleiben. Das Kinderzimmer und ein Schlafraum sind eingestellt; dazu eine Kleiderbox, deren Dach als Galerie genutzt wird. Ein umlaufender Balkon mit Holzbundwerk verleiht dem Haus sein charakteristisches Gepräge. Die schräg über Kreuz verbundenen Holzlatten bilden das nestartige Geflecht vor dem allseitig verglasten Obergeschoss. Das Bundwerk übernimmt die Funktion des Geländers, verbindet das auskragende Dach mit dem unteren Geschoss und lässt je nach Lichteinfall Schattenkunstwerke entstehen.

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Holzheizung

Geheizt wird das Haus mit Spaltholz und Pellets. Im Erdgeschoss verteilt eine Fußbodenheizung die Wärme, die mit niedrigen Vorlauftemperaturen auskommt und eine kurzen Reaktionszeit aufweist. Eine zusätzliche Wärmequelle ist der Holzherd. Über die offene Treppe wird die Wärme ins Obergeschoss geleitet, das ansonsten nur mit den solaren Erträgen der Glasfassaden zur Ost-, West- und Südseite geheizt wird.

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Weiterbauen heißt, die Essenz des Ortes erspüren – was er vorgibt, was er verträgt, so die Architekten. Denn eigentlich sei alles schon vorhanden, es müsse nur aufgenommen und neu zusammengesetzt werden. Dann entstehe Neues, dass sich einfügt, als sei es schon immer da gewesen.

Bautafel

Architektur: hiendl_schineis architekten, Passau
Projektbeteiligte: Lokale Handwerksbetriebe; Lithotherm, Bad Kreuznach (Fußheizsystem); Levita, Malching (Lehmputz Innenraum); Simonswerk Tectus, Rheda-Wiedenbrück (Beschläge für Glastüren mit 180 Grad Umschlag); Paal Licht, Meitingen; D-Line, Kopenhagen (Türdrückergarnituren, Fenstergriffe als Sonderanfertigung mit PVD-Kupferbeschichtung)
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2020
Standort: Finsterau, Bayerischer Wald
Bildnachweis: Eckhart Matthäus Fotografie; Regina Schineis; stefan hiendl; hiendl_schineis architekten

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Beschläge hatten ursprünglich nur den Zweck, einer Tür, einem Tor oder einem Portal eine Halterung zu geben, durch die sie mit dem Mauerwerk, der Bauöffnung oder einem Holzrahmen verbunden wurden (Tür in einem Fachwerkhaus in Quedlinburg).

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Grundlagen

Geschichtliche Entwicklung der Beschläge

Beschläge sollen bewegen, schließen und sichern. Aber auch Form, Schönheit und Ornamentik spielen seit jeher eine Rolle.

Ein Türgriff ist der Oberbegriff für jegliche Form von Griffen, die zum Öffnen und Schließen von Türen genutzt werden. Im Bild: Historischer Türknopf mit Türklopfer

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Türbeschläge

Türgriffe

Von Funktionalität bis Optik, von Klinke bis Knauf: Für das Öffnen und Schließen einer Tür sind diese Bauteile unverzichtbar. 

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Inmitten der Natur nahe Finsterau reanimierte die Architektin Regina Schineis ein marodes Waidlerhaus – so werden in der Region die Häuser von Menschen bezeichnet, die von und mit dem Wald leben.

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Der Hotelneubau, der südlich des Frankfurter Hauptbahnhofs entstanden ist, nimmt ein Grundstück ein, auf dem sich zuvor Parkplatzflächen befanden.

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Dass auch anderthalb Zimmer bei geschickter Planung einem Paar genug Platz bieten können, um nicht nur zu arbeiten, zu kochen und zu schlafen, sondern auch Gäste zu bewirten, zeigt der Umbau einer Berliner Wohnung, der nach Plänen des Atelier Fanelsa vorgenommen wurde.

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