Casa Teruel in Madrid
Vom Architekturbüro zum Wohnraum
Zwischen Stadtzentrum und Peripherie gelegen, zeichnet sich das Viertel Tetuán im Norden Madrids durch eine ausgeprägte soziale und architektonische Vielfalt aus. Wie in vielen urbanen Übergangszonen sind auch hier ungenutzte Erdgeschosszonen und Leerstände keine Seltenheit. Ein Beispiel dafür ist die Casa Teruel – ein ehemaliges Architekturbüro, das zu einem zeitgemäßen Wohnraum umgestaltet wurde. Für die typologische Neuausrichtung zeichnen Jorge Borondo und Ana Petra Moriyón verantwortlich.
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Erhalt der Tragstruktur
Bewohner*innen und Gäste betreten das kompakte Apartment im Erdgeschoss über eine fünfstufige Treppe, die von einem massiven Podest vor der Eingangstür hinab in den Wohnraum führt. Die Tragstruktur des früheren Büros blieb erhalten: Auf drei Stahlbetonstützen lasten ein mittig verlaufender Hauptträger sowie zwei quer dazu angeordnete Balken. Die Konstruktion ist nur partiell verputzt, wodurch der rohe Beton, seine Materialität und Textur sowie die handwerklichen Spuren bewusst sichtbar bleiben.
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Zonierung zwischen Tag- und Nachtbereich
Die Raumaufteilung orientiert sich klar am Stützenraster. Eine Längswand durchschneidet die Fläche über zwei Felder hinweg. Zwischen Außenwand zum Innenhof und der ersten Stütze liegt die Küche, daneben – zwischen erster und zweiter Stütze – das Badezimmer. Es ist hinter der Wand verborgen und fungiert als Pufferzone zwischen dem offenen Aufenthaltsbereich und den privaten Räumen. Der Rückzugsbereich ist in zwei versetzte Ebenen gegliedert: Eine sechsstufige Treppe führt hinauf in das Arbeitszimmer, eine weitere in gleicher Stufenzahl hinab in das Schlafzimmer.
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Lichtführung und Materialität
Der großzügige, L-förmige Hauptraum bietet auf flexible Weise Platz für Wohnen, Kochen, Arbeiten und Freizeit. Tageslicht fällt von beiden Fassadenseiten in den langgestreckten Aufenthaltsbereich und sorgt für eine helle, freundliche Atmosphäre. Unterstützt wird dieser Eindruck durch einen hellen, fugenlosen Estrichboden, weiß gestrichene Wand- und Deckenabschnitte sowie verspiegelte Fensterlaibungen vor den mit Glasbausteinen ausgefachten Fensterfronten. Holzböden und -treppen im Eingangs- und Rückzugsbereich sowie Türen, Einbauten und Küchenfronten aus Birkenholz setzen warme Akzente und bilden einen wohnlichen Kontrast zum ansonsten puristisch gehaltenen Innenraum.
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Verzicht auf aufmontierte Möbelbeschläge
Im gesamten Innenraum wurde bewusst auf aufgesetzte Möbelbeschläge verzichtet. Statt aufmontierter Griffe oder Knöpfe sind bei den raumhohen Schrankeinbauten halbkreisförmige Griffmulden direkt in die Birkenholzflächen eingefräst. Bei den Schubladen und Schränken entstehen so dezente Griffmuscheln, die ein komfortables Öffnen und Schließen ermöglichen. Die doppelflügeligen Schranktüren verfügen über ein gegenüberliegendes Paar dieser Halbkreise, das im geschlossenen Zustand einen kreisrunden Griff formt.
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Auch in der Küche und im Badezimmer kommen keine aufmontierten Griffe zum Einsatz. Stattdessen sind entlang der oberen Abschlusskante der Schubkästen über die gesamte Breite schlanke Griffmulden eingearbeitet. Die grifflose Ausführung trägt zu einem ruhigen, flächenbündigen Gesamtbild bei und unterstreicht den reduzierten Gestaltungsansatz des Innenausbaus.
Bautafel
Architektur: Jorge Borondo + Ana Petra Moriyón, Madrid
Bauherr*in: Privat
Fertigstellung: 2024
Standort: Madrid, Spanien
Bildnachweis: Knu Kim (Fotos); Jorge Borondo + Ana Petra Moriyón (Pläne)
