Urban Farming Office in Ho-Chi-Minh-Stadt

Bürogebäude zwischen Bambus, Beton und Basilikum

In Ho-Chi-Minh-Stadt, wo Verdichtung, Hitze und rasanter wirtschaftlicher Wandel den Alltag prägen, hat das vietnamesische Büro Vo Trong Nghia Architects (VTN) ein Gebäude realisiert, das Stadtklima, Ernährung und Architektur in einem einzigen Konzept zusammenführt. Hinter einer vertikalen Farm aus Gemüse, Früchten, Kräutern und weiteren Pflanzen verbirgt sich der 300 Quadratmeter große Stahlbetonbau des neuen Urban Farming Office.

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Auf einem Eckgrundstück in einem neu entwickelten Stadtviertel gelegen, fungiert das Gebäude als Manifest jener ressourcenschonenden Architektur, die VTN Architects international bekannt gemacht hat. Das Büro arbeitet bevorzugt mit lokal verfügbaren Materialien und interpretiert traditionelle Bauweisen in einer zeitgenössischen Formensprache. Besonders prägend ist die experimentelle Verwendung von Bambus, der in vielen Projekten eine tragende oder gestalterische Rolle übernimmt. Heute beschäftigt das Büro mehr als 50 Architekt*innen und realisiert weltweit Projekte, die Klimaresilienz, Materialeffizienz und soziale Aspekte miteinander verbinden.

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Städtische Herausforderungen

Ho-Chi-Minh-Stadt ist mit knapp neun Millionen Einwohner*innen die größte Stadt Vietnams. Der Kern der früheren Hauptstadt besteht mehrheitlich aus Wolkenkratzern. Etwas außerhalb breiten sich großflächige ländliche Siedlungen aus. Prognosen, dass Vietnam von den Folgen des Klimawandels stark betroffen sein wird, häufen sich. Schon jetzt sind viele Menschen im Land von Dürreperioden, Versalzung und Überschwemmungen betroffen, die bereits die optimale Versorgung der Bevölkerung gefährden. Zudem steht das Land vor tiefgreifenden ökonomischen und sozialen Veränderungen, da es zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt gehört.

Bis 2045 möchte Vietnam den Status einer Industrienation erreichen. Dazu kommen noch die Luftverschmutzung durch Verkehr, Rückgang der Grünflächen und Arten, Überschwemmungen. Der sogenannte städtische „Wärmeinseleffekt“ ist derzeit die größte Herausforderung der dichtbesiedelten Stadt. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Architektur in der Stadt dazu beiträgt, diese intensiven Auswirkungen der globalen Erwärmung zu mildern. Hier wird das durch begrünte Fassaden. Sie spenden nicht nur Schatten, sondern verbessern das Mikroklima, reduzieren den energieintensiven Kühlbedarf des Büros und produzieren Lebensmittel.

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Grüner Arbeitsplatz

An einer Kreuzung im neu entwickelten Viertel Thu Duc befindet sich das Urban Farming Office. Das kompakte Volumen mit fünfeckigem Grundriss hat zur Straßenecke hin eine abgeschrägte Gebäudeecke, sodass sich das Gebäude harmonisch in die Kreuzung einfügt und den Blickachsen folgt. Mächtige Betondecken und -treppen prägen den Innenraum. Vor der raumhohen Verglasung erzeugt das dichte Blattwerk eine dämmerige Lichtstimmung, die durch die dunkelgraue Tragstruktur noch verstärkt wird. Im Inneren sind die Arbeitsbereiche um ein zentrales Atrium herum angeordnet, sodass der Blick von den unteren Geschossen in den von-Stützen-getragenen-Raum möglich ist.

Im Kellergeschoss wurden eine Tiefgarage sowie Technikräume und Klärbehälter für das Regenwasser untergebracht. Das Erdgeschoss umfasst Arbeitsräume sowie Küche und WC, während sich in einem separaten kleinen Seitengebäude eine Wohnung befindet. Die Flächen des ersten bis fünften Obergeschosses sind als offene Räume gestaltet, die verschiedene Nutzungen und Arbeitskonstellationen ermöglichen. Auf dem Flachdach ist zusätzlich Platz für Begegnungen sowie weitere Bepflanzungen.

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Hängender Bauernhof

In Kombination mit großflächiger Verglasung filtert die Vegetation direktes Sonnenlicht und reinigt die Luft. Um eine mögliche zukünftige Erweiterung des Gebäudes zu ermöglichen, ist die Nordwand massiv ausgeführt, während kleine Öffnungen weiterhin für eine Querlüftung sorgen. Sie besteht aus einer zweilagigen Ziegelkonstruktion mit einer Luftschicht dazwischen, die die Wärmedämmung verbessert. All dies trägt dazu bei, den Einsatz von Klimaanlagen zu reduzieren.

Für die Fassadenbegrünung wurde eine einfache Bauweise gewählt: Eine Betonstruktur, eine stählerne Tragkonstruktion und modularisierte Pflanzkästen tragen die Vegetation. Die Pflanzkästen lassen sich austauschen und flexibel nach Höhe und Wachstumsbedingungen der Pflanzen anordnen, sodass sie stets ausreichend Sonnenlicht erhalten. Zur Bewässerung und gleichzeitigen Kühlung der Luft durch Verdunstung kommt ein Regenwassersammelsystem zum Einsatz.

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Fast 200% der Grundstücksfläche begrünt

Zusammen mit der Bepflanzung auf Dachgarten, Balkonen und Bodenniveau erreicht das System eine Begrünungsquote von bis zu 190 % der Grundstücksfläche, das heißt die Pflanzenfläche ist fast doppelt so groß wie die eigentliche Grundstücksfläche. Verschiedene einheimische essbare Pflanzen – darunter Gemüse, Kräuter und Obstbäume – wurden ausgewählt, um der Biodiversität der Region beizutragen. Trotz dieser offensichtlichen Vorteile kommen bei Bestands- und Neubauten begrünte Fassaden nur selten zum Einsatz. Häufig verhindern hohe Kosten in Erstellung und Betrieb die Umsetzung solcher Projekte. In Ho-Chi-Minh-Stadt sorgt das tropische Klima jedoch für eine hohe Dichte realisierter Fassadenbegrünungen. Das Bürogebäude von VTN sticht hervor, da es zusätzlich die Möglichkeiten vertikaler städtischer Landwirtschaft aufzeigt.

Bautafel

Architektur: VTN Architects, Vietnam

Projektbeteiligte: Nobuhiro Inudo; Tran Vo Kien; Le Viet Minh Quoc; Nguyen Tat Dat (Design-Team)

Bauherr/in: VTN Architects

Fertigstellung: 2022

Standort: Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam

Bildrechte: Hiroyuki Oki

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