Tribunal de grande instance in Paris

Viel Tageslicht, Photovoltaik an der Fassade und ausgedehnte Dachgärten

Mit rund 2.500 Angestellten, etwa 8.500 Besuchern am Tag und einer Nutzfläche von über 100.000 Quadratmetern ist das Tribunal de grande instance de Paris (TGI) der größte Gerichtskomplex in Europa. Das 160 Meter hohe und weitgehend verglaste Bauwerk vereint auf 38 Etagen Gerichtssäle und Büros aus unterschiedlichen Teilen der Stadt. Durch eine Aufgliederung in vier gestapelte Volumen, die jeweils gegenüber dem unteren deutlich verkürzt sind, entstehen weite Dachgärten. Die Architekten von Renzo Piano Building Workshop (RPBW) schufen ein aufsehenerregendes Bauwerk, dessen Silhouette sich weithin deutlich abzeichnet. Eine feingliedrige, doch schlichte Glasfassade verleiht ihm trotz der enormen Ausmaße Strenge und Eleganz. Das für die französische Metropole so wichtige Gerichtsgebäude weist zum Stadtzentrum. Es hat lichtdurchflutete Innenräume und ein besonders nachhaltiges Energiekonzept.

Gallerie

Das Hochhaus erhebt sich auf einem L-förmigen, rund 17.500 Quadratmeter großen Grundstück nordwestlich des Stadtzentrums im 17. Arrondissement. Im Norden durch die Stadtautobahn Boulevard Périphérique begrenzt, schließt südöstlich der Martin Luther King Parc an. Das Gebäude ist Teil des stadträumlichen Konzepts „Grand Paris“, das eine Aufwertung der Gemeinden rund um die Innenstadt vorsieht; das Grundstück gehört zum Stadtentwicklungsgebiet Clichy-Batignolles. Ein abgewinkelter Gebäudesockel zeichnet das Grundstück nach. Er beinhaltet fünf bis acht Etagen unterschiedlicher Höhe und dient als Basis für drei quaderförmige Blöcke, die durch Fugen abgesetzt und zu einem sich verjüngenden Turm gestapelt sind. Zwischenebenen umlaufen den jeweils folgenden, schmaleren Baukörper: Dort wird die Last aufgenommen und in den Gebäudekern abgetragen. Die begrünten Dachterrassen setzen sich rundum fort.

Die Struktur des Gebäudes besteht aus Beton, mit Ausnahme der Stahlsäulen des großen Atriums im Erdgeschoss. Für die Konstruktion der Fundamente wurde eine Schlitzwand aus Beton errichtet, um den Wasserdruckkräften des Grundwasserspiegels entgegenzuwirken. Die Fundamente reichen 19 Meter tief in den Boden; sie tragen eine 1,50 Meter dicke Bodenplatte, die über dem Grundwasserspiegel liegt. Der Einsatz von Spannbetonkonsolen ermöglicht die Zwischenebenen der oberen Blöcke. Die Fassaden des Gebäudes sind voll verglast und zweischalig konzipiert. An den Längsseiten gehen die Verglasungen über das umbaute Volumen hinaus, bilden filigrane Rahmen und sorgen für eine gewisse Leichtigkeit. Eine vertikale Gliederung erhalten die breiten Schauseiten durch Panoramaaufzüge.

Nachhaltig Bauen
Ein wesentlicher Aspekt der Nachhaltigkeit ist die weitgehende Nutzung von Tageslicht. Der Haupteingang befindet sich im Nordosten an der Avenue de la Porte de Clichy. Über einen Vorplatz erreichen die Besucher den gläsernen, durch ein Vordach gekennzeichneten Eingang. Er führt in ein 28 Meter hohes, lichtdurchflutetes Atrium: Stahlstützen rhythmisieren die Eingangshalle, kreisrunde Oberlichter führen Zenitlicht bis zum Boden und erzeugen eine helle, freundliche Atmosphäre. Das Foyer mündet in einem breiten, 160 Meter langen Korridor, der das Erdgeschoss von Norden nach Süden durchquert und nochmals durch zwei kleinere Atrien erweitert wird. Rund um die Eingangshalle sind öffentliche Einrichtungen wie Informationsstellen, Konferenzräume, Gerichtssäle sowie eine Cafeteria auf verschiedenen Ebenen angeordnet und über Rolltreppen erreichbar. Insgesamt 90 Gerichtssäle verteilen sich auf die Etagen des Sockelgeschosses und werden mit Tageslicht versorgt. Es dringt einerseits über das Atrium im Rücken der Zuschauer in die Räume, andererseits von außen seitens des Richtertisches. Während das Publikum die Gerichtssäle vom Foyer aus betritt, gelangen die Richter über einen Außenflur entlang der Glasfassade dorthin. Auch die Beratungsräume werden von dort erschlossen. Über gesonderte Aufzüge gelangen die Angeklagten aus dem Haftbereich im Untergeschoss zu den Wartezellen, die an die Verhandlungssäle angrenzen. Im dreigeteilten Turm befinden sich die Büroetagen.

Die Eingangshalle und die Gerichtssäle sind großflächig mit akustisch wirksamen Holzvertäfelungen ausgestattet. Für die Böden in den Sälen kam Buchenholzparkett, in der Lobby venezianischer Terrazzo zum Einsatz. Die Holzoberflächen begünstigen ein angenehmes Raumklima, weil sie temperaturausgleichend und feuchtigkeitsregulierend wirken. Die Bänke in den Verhandlungssälen sind aus Mineralwerkstoff gefertigt, einem langlebigen und recycelbaren Werkstoff.

Die üppige Begrünung des Gebäudes verbessert das Mikroklima und verhindert eine Überhitzung der Dachflächen in den Sommermonaten. Im achten Stock laden 7.000 Quadratmeter Dachterrasse zum Verweilen ein, im 19. und 29. Stock befinden sich sogenannte hängende Gärten. Die Bäume und Pflanzen schaffen Ruhezonen für die Angestellten. Insgesamt wurden 323 Bäume gepflanzt.

Neben der hohen Flächeneffizienz des Gebäudes überzeugt vor allem das ökologische Gesamtkonzept. Die zweischalige Glasfassade ermöglicht natürliche Belüftung. An der Ost- und Westfassade wurden 2.000 Quadratmeter Photovoltaikmodule integriert. Anfallendes Regenwasser wird gesammelt und genutzt. Durch die Kombination aus Photovoltaik und reflektierender Verglasung ließ sich viel Energie einsparen und produzieren. Der Energieverbrauch des Gebäudes beträgt 75 kWh/m²a.

Bautafel

Architekten: Renzo Piano Building Workshop: RPBW Architects, Genua/Paris/New York
Projektbeteiligte:
Setec TPI, Paris/Lyon (Konstruktion); RFR, Paris (Fassade); Movveo, Paris (Aufzüge); Majorelle, Paris (Innenarchitektur); Saint-Gobain, Courbevoie (Fassaden-Glas)
Bauherr:
Etablissement Public du Palais de Justice de Paris + Bouygues Bâtiment
Standort:
29-45 Avenue de la Porte de Clichy, 75017 Paris
Fertigstellung:
2017
Bildnachweis: Florent Michel / 11h45; Ph.Guignard, air-images.net; © RPBW: Sergio Grazia, Francesca Avanzinelli, Maxime Laurent; Michel Denancé, Paris; Renzo Piano Building Workshop: RPBW Architects, Genua

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