Landratsamt in Landshut
Sole/Wasser-Wärmepumpe, Eisspeicher und Photovoltaik
Strategisch günstig zwischen der Marktgemeinde Essenbach und der kreisfreien Stadt Landshut steht seit Kurzem das Landratsamt Landshut. Das Gebäude ist auf offenem Feld errichtet, ohne städtebaulichen Rahmen, sodass das Architekturbüro Dasch Zürn + Partner den Baukörper entsprechend den funktionalen und organisatorischen Anforderungen frei ausformulieren konnte. Das Ergebnis ist ein Neubau, dessen vier Arme sich in alle Himmelsrichtungen erstrecken. Ein kurzer Mittelteil verbindet sie miteinander. Gleichzeitig erwächst hier ein neues Quartier mit prägnanter Außenwirkung. Zur nachhaltigen Energieversorgung des Gebäudes wurden Photovoltaik, Solarthermie und ein Eisspeicher miteinander kombiniert.
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Das Bauwerk fällt nicht nur durch seine expressive Form, sondern auch durch die Fassadengestaltung auf. Die umlaufenden horizontalen Bänder bestehen aus Keramikelementen, die unregelmäßig vertikal gefaltet erscheinen. Im Sonnenlicht entsteht dadurch eine vielfältig schimmernde Struktur. Die Platten mit ihren variierenden Ansichtsbreiten und unterschiedlichen Oberflächenstrukturen sind als Verweis auf den regional verankerten Baustoff Ton zu verstehen und verbinden gestalterische mit nachhaltigen Aspekten. Demgegenüber sind die Fensterbänder deutlich zurückversetzt, wodurch die Gebäudehülle eine große Tiefe und eine differenzierte Struktur erhält. Das tiefe Profil der Fassadenkonstruktion wird zugleich für einen außenliegenden Sonnenschutz genutzt.
Holz, Glas und Beton für den Innenausbau
Die markante, fast erdige Erscheinung der Außenansicht wandelt sich im Inneren zu einem hellen und freundlichen Raum. Bestimmend sind die Materialien Holz, Glas und Beton. Maßgeblich prägt dabei die für die Region typische Weißtanne die Atmosphäre. Sie kommt vorwiegend für die Akustikdecken, Systemtrennwände, Treppenbekleidungen und Einbaumöbel zum Einsatz. Der Sichtbeton ist größtenteils sägerau geschalt und geht damit eine optische Verbindung mit dem Holz ein. Die Kubatur ermöglicht einen hohen Tageslichteinfall.
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Besucherinnen und Besucher gelangen zunächst in die großzügige, viergeschossige Eingangshalle. Sie bildet den räumlichen und funktionalen Erschließungsknoten des Gebäudes. Die Haupttreppe bespielt die Halle als skulpturales Element. Im Parterre befinden sich die Büros der verschiedenen Ämter mit Besucherverkehr, im ersten Obergeschoss die Büros der unterschiedlichen Sachgebiete, darunter Umwelt- und Immissionsschutz, Naturschutz und Kreisjugendamt. Das oberste Geschoss ist vorwiegend internen Sondernutzungen vorbehalten und entsprechend separiert organisiert. Im Untergeschoss befinden sich schließlich eine Kantine, die sich zu einer großzügigen Terrasse öffnet, und die Räume für die Gebäudetechnik.
Eis, Erde und Sonne für die Gebäudetechnik
Das Gebäude wurde ursprünglich im Energiestandard KfW 55 geplant, erfüllt nach Fertigstellung jedoch den Energiestandard KfW 40. Die Dachflächen werden für eine Photovoltaikanlage mit einer Fläche von insgesamt fast 1.900 Quadratmetern und einer Peakleistung von rund 400 kW genutzt. Der erzeugte Strom dient der Eigennutzung. Die Wärme für die Raumheizung wird von zwei Sole/Wasser-Wärmepumpen erzeugt (Vor- und Rücklauftemperatur: 37 und 25 °C), die mit einem Eisspeicher interagieren. Im Sommer kühlen die reversiblen Wärmepumpen das Gebäude (Vor- und Rücklauftemperatur: 15 und 21 °C). Sowohl Wärme als auch Kälte werden über die Fußbodenheizung in den Räumen verteilt.
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Zur Deckung der Spitzenlast im Winter sind zwei Gas-Brennwertkessel mit einer Nennleistung von jeweils 400 kW in das Heizsystem integriert. Auch über die Lüftung werden die Räume klimatisiert: Die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung dient der vollständigen Belüftung, ist mit Heiz- und Kühlfunktion ausgestattet und auf eine Raumtemperatur von 22 °C ausgelegt.
Für die BGF von 24.150 m² (BRI 103.900 m³) ergibt sich damit ein nach DIN V 18599: Energetische Bewertung von Gebäuden - Berechnung des Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung, Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung berechneter absoluter Endenergiebedarf pro Jahr von 472.649 kWh für die Anlagentechnik. Der Primärenergiebedarf beträgt 1.259.794 kWh pro Jahr. -tg
Bautafel
Architektur: dasch zürn + partner, Stuttgart
Projektbeteiligte: Rücker + Schindele Beratende Ingenieure, München (HLS); GN Bauphysik Finkenberger+Kollegen, München (Bauphysik); Reinboth Landschaftsarchitekten, Esslingen, und Landschaftsarchitektur Stephan Huber, München (Landschaftsarchitektur); BBI Ingenieure, Landshut (Tragwerk); Lumen3 Lighting Design, München (Licht); Ingenieurbüro PEMA, Regensburg (Elektro); büro uebele visuelle kommunikation, Stuttgart (Signaletik); IB Knittel & Koroll, Biberach (Objektüberwachung); Hitzler Ingenieure, Landshut (Projektsteuerung)
Bauherr*in: Kommunalunternehmen Lakubau
Fertigstellung: 2025
Standort: Josef-Neumeier-Allee 1, 84051 Essenbach
Bildnachweis: ArchitekturImBild, Bernhard Tränkle, Steinen; Henrik Schipper (Henrik Schipper Photography), Dortmund; Landratsamt Landshut
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