Kindergarten in Ebertswil

Zwillinge aus Holz unter doppelt gefaltetem Satteldach

Das kleine Dorf Ebertswil mit knapp 700 Einwohnern gehört zur Gemeinde Hausen am Albis im Kanton Zürich. Dank seiner Lage auf einem leicht erhöhten Plateau hat man von dort einen weiten Blick auf die Bergwelt der Schweizer Alpen. Ebertswil verzeichnet seit den 1970er-Jahren ein stetes Wachstum seiner Bevölkerung, was mit einer regen Bautätigkeit verbunden war. Dennoch bewahrte das Dorf seinen ländlichen Charakter, sodass bis heute Bauernhäuser und Fachwerkscheunen das Ortsbild prägen. In Letzteres fügt sich der kürzlich eröffnete Kindergarten mit Hilfe seines Satteldaches mühelos ein, ohne dabei sein junges Alter zu vertuschen. Verantwortlich für das archetypische Haus mit frischem Antlitz zeichnet das Zürcher Büro Illiz Architektur.

Gallerie

Die wachsende Zahl an Schülern ließ die Räumlichkeiten im denkmalgeschützten Schulhaus und einem in die Jahre gekommenen Provisorium zu klein werden. Deshalb suchte man nach einer dauerhaften Lösung, die dem gegenwärtigen wie auch dem zukünftigen Bedarf gerecht wird. Man beschloss, das Provisorium abzureißen, um den notwendigen Platz für einen Kindergarten-Neubau zu schaffen, in dem auch Ausweichräume für die Schule untergebracht werden sollten. Zudem wünschte sich die Gemeinde für den Neubau enge Bezüge zum bestehenden Schulgebäude und zum historischen Gebäudeensemble des Dorfkerns. Diese in einem 2016 ausgeschriebenen Wettbewerb formulierten Wünsche sah die Bauherrschaft im Entwurf des Architektenteams von illiz architektur aus Zürich verwirklicht.

Paradigmatisches Doppel
Der Baukörper besteht aus zwei leicht zueinander versetzten Zwillingsbauten. Die kompakte Setzung weicht dem alten Baumbestand aus, wodurch die Großzügigkeit der vorhandenen Freiflächen beibehalten werden konnte. Um das steil abfallende Gelände optimal auszunutzen, schoben die Planer das Erdgeschoss in den Hang hinein. Auf diese Weise verbindet der Bau den tiefer gelegenen Garten mit dem höher liegenden Vorplatz, über den wiederum die Anbindung an Dorfstraße und altes Schulgebäude hergestellt wird.

Der Zweigeschosser in Holzrahmenbauweise hat 503 Quadratmeter; auf dieser Fläche finden zwei Kindergartengruppen und einen Schulraum Platz, ein Lehrerzimmer, drei Nebenräume sowie ein Lagerraum. Für potenziellen Kinderzuwachs in der Zukunft, plante man das Tragwerk aus Fichten- und Tannenholz mit Reserven, die eine nachträgliche Aufstockung ermöglichen. Fassaden und Böden im Außenbereich sind aus Lärche gefertigt, die ebenso wie die Hölzer des Tragwerks aus regionaler Produktion stammt. Ihr silbrig-grauer Schimmer wird sich durch die Bewitterung des Gebäudes im Lauf der Jahre noch intensivieren. Im Dach setzt sich die vertikale Gliederung sowie die Farbgebung der Fassaden fort, was neben der Kubatur eine weitere Parallele zur lokalen Bautradition darstellt.

Treffpunkt Schnittmenge
In der Verschneidung der beiden Baukörper entstand im Inneren des Gebäudes ein zweigeschossiger Erschließungs- und Begegnungsraum mit einer hölzernen Konstruktion, die Treppe und Garderobe kombiniert. Von diesem Dreh- und Angelpunkt des Zwillingsbaus gehen die Räume für Kindergarten und Schulunterricht ab. Weiß lasierte Kasten-Elementen setzen sich kontrastiv von den dunkleren Holzoberflächen ab, die die Böden, Treppe und Garderobennischen in den Räumen bestimmen. In den Lehr- und Spielräumen umrahmen farbige Möbel mit viel Stauraum große Fensternischen, durch die der Blick ins Grüne und auf das alte Schulgebäude geht.

Das Energiekonzept des Neubaus umfasst Solaranlagen auf dem Dach, die die Schule mit Strom versorgen, sowie den Anschluss des Schulareals an den örtlichen Wärmeverbund. So wird für Heizung und Warmwasserbereitung aus regional verfügbaren Ressourcen gesorgt und man konnte auf einen zusätzlichen Heizraum verzichten.

Dach: Doppelt gefaltetes Satteldach mit und ohne Überhang
Das Kindergartengebäude prägt ein doppelt gefaltetes Satteldach, das die beiden identischen Holzhäuser überspannt. Das Dach nimmt die Silhouette der umliegenden Bestandsbauten auf, setzt sich durch die Doppelung aber auch ab. Durch die Ausrichtung der Giebel tritt das Gebäude zudem in Dialog mit dem alten Schulgebäude. Bei den jeweils gegengleichen Giebelfronten springt die Fassade weit nach innen, sodass ein großzügiger Dachüberstand entstanden ist. Er dient als Wetterschutz zur Pausenzeit und Schwelle zwischen dem Außen- und Innenraum. Durch einen ansonsten sehr geringen Dachüberstand stellt sich die Gebäudehülle fast monolithisch dar: Die Scharen des in Blech eingedeckten Daches setzen die vertikale Gliederung der Fassade fort und auch farblich nimmt die Metalldeckung das lichte Grau der Holzwände auf. Die Solaranlagen auf dem Dach fügen sich in das einheitlichen Bild ein.

Im Gebäudeinnern ist die Dachgeometrie mit steigenden und fallenden Deckenflächen sichtbar. Das Dach hat keinen klassischen Dachstuhl. Die Dachflächen werden aus Holz- Flächenelementen gebildet, die eine Spannweite bis 16 Meter erlauben und selbst bei großen Spannweiten keine Stützen brauchen. Zusätzlich wirken die Kastenelemente schalldämmend und verbessern die Raumakustik. Die sichtbare Unterseite mit den werkseitigen Öffnungen zur Schallabsorption ist weiß lasiert. Durch die Holzquerschnitte wird zudem der Brandschutz erfüllt.

Dachaufbau (von außen nach innen):

  • Chromstahl-Doppelfalz
  • strukturierte Trennlage
  • Vollholzschalung 40 mm
  • Hinterlüftungslattung 60 mm
  • Unterspannbahn
  • Unterdachplatte 16 mm
  • druckfeste Holzfaserdämmung 2 Lagen à 100 mm
  • Dampfbremse
  • Holz-Flächenelemente 280 mm

Bautafel

Architektur: Illiz Architektur, Zürich 
Projektbeteiligte: Peter + Partner Baumanagement, Horgen (Bauleitung); SJB Kempter Fitze, Eschenbach (Holzbau); Manzano Engineering, Zürich (Gebäudetechnik); Harisberger Elektroplanung und Unterhalt, Hausen am Albis (Elektro); Baumann Akustik und Bauphysik, Dietfurt (Akustik); DvR Gartenbau, Zug (Landschaftsarchitektur)
Bauherrschaft: Gemeinde Hausen am Albis
Fertigstellung: 2019
Standort: Dorfstrasse 10, 8925 Ebertswil, Schweiz
Bildnachweis: Roger Frei, Zürich


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