Ausbildunsgzentrum für den Baumeisterverband in Gordola

Markantes Zackenprofil

Gallerie

Wer sich dem Centro die Formazione Professionale nähert, erwartet aufgrund des Zackenprofils des Gebäudes eher eine industrielle Nutzung als eine Schule. Entstanden ist hier im schweizerischen Gordola aber keine Fabrik, sondern der Erweiterungsbau eines Ausbildungszentrums für den Baumeisterverband des Landes. 2004 als Wettbewerb ausgeschrieben, ist der Bau der damaligen Gewinner Durisch & Nolli seit 2010 fertiggestellt. Das Architektenteam hatte den Gebäudekomplex nicht, wie andere Teilnehmer, auf einen massiven Sockel gesetzt, sondern auf Stelzen. Der Entwurf berücksichtigt das, bis auf die umliegenden Felder reichende, Hochwasser des Lago Maggiore, indem er die Gebäude auf Stelzen 2,00 m über dem Baugrund setzt. So scheint der metallisch glänzende, flache Neubau nun quasi auf seiner langen Plattform hinter den bestehenden Schulbauten zu schweben.

Gestalterisch ist die Tragstruktur als serielle Wiederholung einfacher Elemente angelegt worden. „Wie ein bearbeitetes Objekt auf einer Werkbank“, ruht das Werkstattgeschoss laut Architekten mit seiner Fläche von 30 mal 150 Metern auf insgesamt 68 Pfeilern. Darunter bietet sich nun Platz für Parkplätze und Abstellflächen.

Der Zugang erfolgt über drei Freitreppen und eine Rampe. Außerdem führt an der Nordseite ein Aufzug barrierefrei in das höhere Level. Über eine terrassenartige Außenfläche der Plattform sind die drei Eingänge des Unterrichtsbereichs zu erreichen, dort werden in drei großen Werkstatträumen und sechs Schulzimmern angehende Holz- und Metallbauer sowie Haustechniker unterrichtet. Bei der Gestaltung der Räume folgten die Planer dem Anspruch, dass diese einfach, flexibel und funktional sein sollten, einem Industriebau durchaus vergleichbar. Dabei gewährleisten die nach Norden ausgerichteten Sheddachfenster sowie quadratische Fenster in der Längsfassade eine gute Versorgung mit Tageslicht für die Arbeit. Die anderen relativ geschlossen gehaltenen Arbeitsbereiche sorgen dagegen für die notwendige Konzentration auf die Ausbildungsinhalte.

Die Werkstatträume folgen einem durchgehenden Modul von drei Metern und sind 27 m breit und zwischen 27 und 33 m lang. Mittels Glaswänden werden diese rund 800 qm großen Säle in drei bis vier, dem Werkunterricht angepasste, Einheiten unterteilt. Zur Versteifung des in Stahlleichtbauweise konstruierten Gebäudes dienen die innen sichtbaren polierten Betonwände der zweigeschossigen Bauteile.

Die verwendeten Materialen korrespondieren dabei bewusst mit den Unterrichtsthemen, die in dem Zentrum vermittelt werden. So ist die erhöhte Plattform aus Beton, auf deren eher rauer und grober Struktur ruht eine leichte Metallkonstruktion. Deren Außenhaut ist aus rostfreiem Stahl, während die Innenwände mit Stahl-Wandkassetten ausgestaltet wurden.

Dach

Zur Aussteifung des Gebäudes dienen die innen sichtbaren Betonwände. Auf ihnen ruht die gesamte Dachkonstruktion, die aus einer stählernen Leichtbauweise besteht. Mit Hilfe der Sheddachkonstruktion gelingt die Überdachung der weiten Räume ohne eine freiliegende und auffallend hohe Tragkonstruktion im Inneren zu erhalten. Gleichzeitig werden die großen Unterrichtsräume mit einem breitgestreute, indirekten Nordlicht versorgt, es kann also zu keiner Blendung der Nutzer mit direktem Sonnenlicht  kommen.

Wie fast in jedem Sheddach sind auch hier die Neigungswinkel der beiden Dachflächen verschieden, die Nordseite mit der Verglasung ist fast senkrecht ausgebildet, die sich gen Süden neigenden Fläche deutlich schräger. Sie bestehen wie die Außenfassaden aus verchromten Trapezblechen (siehe Bild 8).

Objektinformationen

Architekten: Durisch + Nolli Architetti, Massagno/CH
Projektbeteiligte:
Jürg Buchli, Haldenstein/CH, † 2010 (Bautechnik); IFEC Consulenze, Rivera/CH (Bauphysik); Mauchle Metallbau, Sursee/CH (Stahlkonstruktion); Arcelor Mittal, Montana, General Mast Engineering, Stabio/CH (Stahlarbeiten an Fassade);  Edizio, Feller, Horgen/CH (Lichttechnik)
Bauherr: Società Svizzera Impresari Costruttori, Bellinzona/CH
Fertigstellung: 2010
Standort: Via St. Maria 27, 6596 Gordola
Bildnachweis: Tonatiuh Ambrosetti, Lausanne/CH

Objektstandort

Via St. Maria 27
6596 Gordola
Schweiz

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