Firmenzentrale 3M in Langenthal

Fassadenkeramik als Hommage an die Schweizer Bundesbahn

Dass man sich in Deutschland für ein Firmengebäude in Bahnhofsnähe die Farben der Bahn für die Fassadengestaltung zum Vorbild nehmen würde, scheint schwer vorstellbar. Nicht so im schweizerischen Langenthal. Dort hat das Architekturbüro Marazzi + Paul für das Kleb- und Kunststoff herstellende Unternehmen 3M ein neues als Hauptquartier dienendes Bürogebäude entworfen, das nur einen Steinwurf vom örtlichen Bahnhof entfernt liegt, und dessen Fassadenkeramik die Farben der Schweizer Bundesbahn zum Vorbild hat.

Gallerie

Der aus einem Wettbewerb als Sieger hervorgegangene Entwurf des in Zürich und Bern ansässigen Büros konnte innerhalb von 19 Monaten Bauzeit realisiert und der Neubau im Oktober 2016 von den 300 Mitarbeitern bezogen werden. Das Gebäude befindet sich auf einem Grundstück nördlich der Gleise in einem ehemaligen Industriegebiet, dem sogenannten Geiser-Areal, das in ein Geschäfts- und Wohngebiet umgewandelt werden soll, und zu dessen Transformation der Firmensitz nun den Auftakt gelegt hat. Auf einem rechteckigen Grundriss entstand verteilt auf sieben Geschosse, davon zwei unterirdisch, eine Nutzfläche von 58.000 Quadratmetern. Abgerundete Gebäudeecken und um das Gebäude geführte, horizontale und nahezu raumhohe Fensterbänder, die von längs gerillten Keramikplatten gefasst werden, kennzeichnen den Bau von außen.

Der Haupteingang befindet sich mittig an der zum Bahnhof gelegenen Südseite. Das große Foyer geht nahtlos in ein rundum verglastes und überdachtes Atrium im Zentrum des Gebäudes über. Im Inneren vermittelt der Einsatz von viel Glas Transparenz. Neben zahlreichen Einzel- und Großraumbüros sowie Konferenzzimmern stehen den Mitarbeitern ein Restaurant, Fitness- und Yogaräume sowie Ladestationen für E-Bikes und E-Autos zur Verfügung. Ein diagonaler Gebäudeeinschnitt an der Ostseite des Erdgeschosses markiert den Speisesaal und ermöglicht den Mitarbeitern während der Mahlzeiten den Blick auf den Bahnhof.

Grau, Weiß, Schwarz und Rot sind die dominierenden Farben der Innenraumgestaltung und finden sich sowohl im Mobiliar als auch an den Wänden und im Bodenbelag. Graue Teppichfliesen dämmen den Schall auf den Fluren vor und in den Büros. Im Treppenhaus hingegen trifft man auf Sichtbeton, dunklen Estrich und Geländer aus schwarzem Metall. Im gesamten Gebäude setzt kräftiges Signalrot Akzente zwischen den Nichtfarben. Markantes Detail sind zudem die ringförmigen LED-Leuchten im Atrium.

Das Bauwerk entspricht dem Schweizer Minergie-Standard für nachhaltiges und energieeffizientes Bauen. Erreicht wird dieser u.a. durch den Einsatz von Hybrid-Deckenelemente, die sowohl der Wärme- und Kälteverteilung sowie der Schalldämmung und Luftbefeuchtung dienen, sowie eine Grundwasserwärmepumpe, dreifach verglaste Fenster, automatisch gesteuerten Außenjalousien sowie einem LED-Beleuchtungssystem mit Dimmern und Anwesenheitssensoren. Nicht zuletzt hatte auch die ökologisch unbedenkliche und einfach zu reinigende Fassadenkeramik ihren Anteil an der Zertifizierung.

Fliesen
Die Farben der im nahen Bahnhof ein- und abfahrenden Züge haben die Planer aufgenommen und an der Fassade mit Keramikelementen in drei Grautönen und einem satten Rot umgesetzt. Verwendet wurden Platten mit starkem Rillenprofil, die entgegen der sonstigen Gliederung des Baus und des Farbschemas eine vertikale Ausrichtung haben. Die Grautöne bilden breite Farbbänder aus, die in unregelmäßigen Abständen von unterschiedlich langen roten Streifen unterbrochen werden. Somit entsteht der Eindruck sich durch Bewegung verzerrender Farben, wie man es auch von Fotografien mit langen Belichtungszeiten kennt. Um dieses Bild nicht durch ein Fugenraster zu stören, ist der Fugenmörtel auf die Farbe der Fliesen abgestimmt. Je nach Sonnenstand zeigt sich die Fassade den vorbeifahrenden Pendlern immer wieder anders.

Insgesamt wurden auf 2.000 Quadratmeter Fassadenfläche 27.000 glasierte Keramikplatten im Format 20 x 40 Zentimeter auf das Wärmedämmverbundsystem geklebt. Sowohl das Rillenprofil als auch die Farben sind Sonderanfertigungen. Laut Angaben des Fassadenkeramikherstellers konnten für die abgerundeten Gebäudeecken die gleichen Fliesen verwendet werden, das dahinterliegende WDVS wurde entsprechend vorgeformt.

Bautafel

Architekten: Marazzi + Paul Architekten, Zürich/Bern
Projektbeteiligte: plandesign pd, Gümlingen (Ausführungsplanung); Frutiger, Thun (Generalunterunternehmen); Wälchli & Partner, Langenthal (Bauingenieure); R+B Engineering, Zürich (Gebäudetechnik); Feroplan Engineering, Basel (Fassadenplanung); Klinker-Zentrale, Reichshof (Fassadenkeramik)
Bauherr:
Mobimo Management, Küsnacht
Fertigstellung: 2016
Standort: Kühlhausstraße 2, 4900 Langenthal, Schweiz
Bildnachweis: Rob Lewis; Ben Zurbriggen für Marazzi + Paul Architekten, Zürich/Bern

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