Ya Chang Art Center in Schanghai

Gemusterte rote Fliesen für innen und außen

Jiading ist einer von 16 Verwaltungsbezirken Schanghais im Nordwesten der gigantischen Metropole. In den 1980er-Jahren siedelten sich zahlreiche Fabriken des Automobilbauers Volkswagen in der bis dato ländlich geprägten Region rund um die historische Kanalstadt im Zentrum an. Bald darauf entwickelte sich der Bezirk zu einer von Chinas am stärksten prosperierenden Gegenden – und ist es bis heute. Dutzende Wohntürme und kommerzielle Gebäude befinden sich derzeit im Bau.

Gallerie

Am östlichen Rand der Altstadt befindet sich ein altes Fabrikgelände, dessen älteste Bauten aus den 1940er-Jahren stammen und das die Buchdruckerei Artron, die zur Ya Chang Culture Group gehört, zu ihrem neuen, repräsentativen Schanghaier Firmensitz machte, um der internationalen Ausrichtung des Unternehmens und dem Wachstum der vergangenen Jahre Rechnung zu tragen. Kern des Areals bildete ein unansehnliches Gebäude, das ehemals zu einer Handtuchfabrik gehörte und das nun unter Projektierung des Schanghaier Büros Atelier Deshaus als Ya Chang Art Center zu neuem Gewand und neuer Bestimmung gefunden hat.

Nach den Jahren des Tabula rasa-Bauens in Jiading, das durch Abriss und Neubau geprägt war, wird inzwischen eine gemäßigtere Entwicklung gefördert, die auf Durchmischung von Wohnbereichen und leichter Industrie setzt, zu der insbesondere auch Unternehmen aus dem Kreativbereich gehören. Reorganisation, Regeneration und urbane Kontinuität sind die neuen Leitbilder. Dies bedeutete für Bauherrn und Architekten die Bewahrung und Revitalisierung der Bestandsbauten. So blieben die Grundstrukturen der ehemaligen Fabrik bestehen, sie erhielt allerdings ein auffälliges Fassadenkleid aus roten Fliesen.

Das dreigeschossige Gebäude weist im Erdgeschoss einen quadratischen Grundriss auf, sein erstes Obergeschoss kragt an drei Seiten deutlich vor. Ein horizontales Fensterband strukturiert das Bauteil, das sonst vermutlich zu wuchtig gewirkt hätte. Die Westfassade hingegen zeigt sich völlig flächig. Anstelle des Fensterbandes öffnet sich hier das zum Teil zweigeschossig ausgebildete Erdgeschoss mit großzügigen Verglasungen, die viel Licht in die dahinterliegende Cafeteria lassen. Teile der Nordfassade sind ebenfalls zweigeschossig verglast.

Die innere Struktur des Gebäudes ist verschachtelt, die Raumhöhen differieren innerhalb der Geschosse, sodass deren Anzahl zwischen zwei und drei variiert. Oberhalb des dritten Geschosses entwächst der Gebäudemitte ein quaderförmiger Dachaufsatz.

Erschlossen wird das Ya Chang Art Center über eine vierstufige Treppe mittig der Südfassade. Im Kern des Gebäudes befindet sich das Treppenhaus. Darum gruppieren sind im Erdgeschoss die Cafeteria in nordwestlicher Ausrichtung und ein informeller Konferenzraum mit vorgelagerter Erschließungsrampe in südöstlicher Ausrichtung. Das erste Obergeschoss beherbergt eine Buchhandlung mit Artron-Referenzexemplaren und eine kleine Bücherei mit chinesischer Literatur und Kunstbüchern. Ein Geschoss darüber befindet sich ein Konferenzraum, von dem aus man auf die Dachterrasse gelangt, wo zwei „versunkene“ Hofgärten an die einstigen Abwasseraufbereitungsbecken erinnern. Über schmale Treppen gelangt man hinunter in die Höfe und von dort zurück in den Erschließungsbereich des zweiten Obergeschosses.

Die zu Hofgärten umgewandelten Wasserbecken sind eine Reminiszenz an die Geschichte des Gebäudes und seine Vergangenheit als Handtuchfabrik. Sie haben eine Tiefe von ungefähr zwei Geschossen und ragen als große Trichter in das Innere der Cafeteria, die an dieser Stelle zweigeschossig ausgebildet wurde. Die ehemaligen Becken fangen außerdem Regenwasser auf, das durch unverkleidete Fallrohre am unteren Ende des Trichters in den Boden abgeleitet wird. Um die Rohre herum gruppieren sich Essplätze in schlichter, bistroartiger weiß-roter Bestuhlung. Die andere Hälfte der Cafeteria wurde mit Sitzgruppen im skandinavischen Mid-Century-Design möbliert.

Fliesen
Die heterogene Struktur des Gebäudes wird durch die vollständige Verkleidung – innen wie außen – mit gemusterten, quadratischen Fliesen zusammengefasst und homogenisiert. Der chinesische Künstler Ding Yi entwarf dafür 48 Muster, die an Kreuzstich-Stickereien erinnern. Durch die verschiedenen aufgedruckten Muster in den Farben weiß, gelb, schwarz erscheinen die roten Fliesen in unterschiedlichen Tönen und von Weitem wie eine Pixelfassade, wecken sogar Assozaitionen an Glasmosaik. Die Verkleidung überzieht die gesamte Hülle des Bauwerkes einschließlich des Daches, der Hofgärten sowie der vorgelagerten Treppen und wird im Inneren der Cafeteria fortgeführt. Dort sind neben Wänden und Pfeilern der Tresen sowie die Trichter der Aufbereitungsbecken mit den keramischen Kunstwerken verkleidet. Die rote Farbe findet sich auch in den Außentreppen zu den Hofgärten sowie dem Geländer der Dachterrasse wieder.

Durch sein glänzendes, rotes Gewand bildet das Gebäude einen deutlichen Kontrast zu den umliegenden, grau gehaltenen Bauten. Mit der Fassadengestaltung hat Atelier Deshaus der Nutzungsgeschichte des Bauwerks eine neue Ebene hinzugefügt, ohne seine industrielle Vergangenheit zu negieren.

Bautafel

Architekten: Atelier Deshaus, Schanghai
Projektbeteiligte: Shanghai Dujuan Engineering design and Consulting, Schanghai (Konstruktionsplanung); Vermilion Zhou Design Group, Schanghai (Inneneinrichtung); Ding Yi, Schanghai (Fliesendesign)
Bauherr: Artron, Schanghai
Standort: 1022, Jialuo Road, Jiading, 201800 Schanghai
Fertigstellung: 2014
Bildnachweis: Atelier Deshaus, Schanghai

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