Werkhalle Lehmraum bei Pfaffenhofen

Außenwände aus Stampflehm-Elementen

Zurück in die Zukunft – mit Rüttelplatte statt Zeitmaschine. Das könnte das Motto des Projekts Lehmraum – Produktionshalle aus Erde im oberbayrischen Alberzell gewesen sein. Hier, am Ortsrand des kleinen Kirchdorfs im Kreis Pfaffenhofen, 50 Kilometer nördlich von München, haben das Architekturbüro Pfaffinger aus Dachau und das Bauunternehmen Irrenhauser & Seitz eine Werkhalle mit Stampflehm-Außenwänden errichtet. 2025 wurde sie eingeweiht.

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Bei der gut 25 x 70 Meter großen, überwiegend zweigeschossigen Halle handelt es sich um einen Erweiterungsbau am Standort des Bauunternehmens, der die bestehende Hanglage für eine effiziente Raumorganisation ausnutzt. Auf der oberen, von beiden Schmalseiten erschlossenen Ebene ist die Produktion angesiedelt, während sich Maschinenhalle und Logistikbereich in der unteren Ebene befinden, die vom Portalkran der Halle bedient werden kann.

Bis zu 17 Meter hoch

Die Halle hat eine Tragkonstruktion aus Stahlbetonstützen und Leimholzbindern. An die Stützen angeschlossen sind selbsttragende Außenwände aus Stampflehm-Elementen. Über die ortsabgewandte, 17 Meter hohe Nordostseite, wird einerseits die Produktionsebene belichtet, und andererseits die Maschinenhalle erschlossen. Über dem Betonvordach der Ladezone wechseln sich die Stampflehmwände mit sechs großen, vertikalen Glasflächen ab. Mittig angeordnet ist ein Portal, zwei weitere befinden sich an den Schmalseiten der Halle. Die dem Ort zugewandte, 11,50 Meter hohe Südwestseite ist hingegen aus Lärmschutzgründen geschlossen.

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Fassade: Stampflehm mit Ziegel- und Betonabbruch

Stampflehm ist eine alte Bautechnik, bei der lokale Ressourcen und auch Recyclingmaterialien zum Einsatz kommen können. Dazu bietet Stampflehm gegenüber Beton vielfältige Vorteile hinsichtlich Raumklima, Schallschutz sowie Wärme- und Feuchtigkeitsregulierung. Die Firma Irrenhauser & Seitz – Bauherrin und Bauausführende zugleich – bezog den Lehmbauexperten Martin Rau­ch aus Vorarlberg, um die spezielle Zusammensetzung zu entwickeln. Vier Jahre dauerte der Prozess. 

Dem lokal vorgefundenen Lehm, teils aus der Baugrube, wurden als Zusatzstoffe Ziegelbruch von den Baustellen des Unternehmens und Betonbruch aus einem Abriss vor Ort beigemengt. Die von einem Spezialbagger bereitete Mischung wurde in eine 48 cm breite Fertigungsstraße aus Schaltafeln eingebracht und manuell per Rüttelplatte verdichtet. Mit einer eigens für diesen Zweck konstruierten Wandsäge schnitt man dann die Stampflehmwände auf 2,50 m Länge. Anschließend wurden die Blöcke luftgetrocknet und im Verband gesetzt.

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Erosionsbremsen und Ringanker

Außenseitig sind in die Wandelemente in jeder dritten Schicht, also im Abstand von etwa 45 bis 50 cm, Trasskalkleisten eingestampft. Als sogenannte Erosionsbremsen, sollen sie die durch Regen auftretenden Auswaschungen reduzieren. Zugleich rhythmisieren die Leisten die Horizontalität der Lehmschichten. Überdeckt von 15 cm Lehm sind alle 2,50 m Stahlbeton-Ringanker in die Wände integriert. Diese sind wiederum über Metallwinkel mit den Stahlbetonstützen des Hallentragwerks verbunden.

Bautafel

Architektur: MxPa Architekturbüro Pfaffinger, Dachau
Projektbeteiligte: Beratende Ingenieure – Asen, Geiger, Roßberger, Schaufling (Tragwerksplanung), Irrenhauser & Seitz, Alberzell / Martin Rauch, Lehm Ton Erde Baukunst, Schlins, Österreich (Stampflehmfassade), PfT Ingenieur, Markt Indersdorf (Energiestudie), Dobler Gartendesign, Attenkirchen (Freiraumgestaltung), Irrenhauser & Seitz, Alberzell (Bauausführung)
Bauherr*in: Irrenhauser & Seitz, Alberzell
Fertigstellung: 2025
Standort: Singenbacherstraße 24, 85302 Alberzell, Gemeinde Gerolsbach
Bildnachweis: Andreas Koehler, Dachau (Fotos); MxPa Architekturbüro Pfaffinger, Dachau (Pläne)

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Grundlagen

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