Hotel The Flamingo in Timmendorfer Strand
Licht als leitendes Motiv und smarte Technik
Die rustikalen Zeiten sind vorbei: Das Hotel Atlantis in
Timmendorfer Strand, erbaut in den 1970er-Jahren und zuletzt mit
biederem Ambiente, wurde umfassend saniert. Es heißt
nun The Flamingo und richtet sich als Boutiquehotel an
junge, designaffine Gäste. Auch das ehemalige Hotelrestaurant
„Schifferklause“ mit maritimer Deko musste weichen: An seine Stelle
eröffnete das Six Zero Kitchen & Bar, ein Grill-Restaurant
mit Lounge-Atmosphäre. Die Innenarchitektur für Hotel,
Restaurant und Bar plante das Hamburger Büro JOI-Design und erhielt
dafür den Liv Design Award 2022 in der Kategorie „Umbau“.
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Raumorganisation
Das viergeschossige Gebäude liegt wie ein vor Anker gegangenes Schiff an der Timmendorfer Strandallee, nur fünfzig Meter vom Wasser entfernt. Im Hochparterre ragt das Hotelrestaurant mit Bar als dunkle Box aus der Kubatur. Dahinter und in den Geschossen darüber verteilen sich 50 Doppel- und Familienzimmer. Die Suiten im zurückgesetzten Dachgeschoss bieten Sauna, Dachterrasse und einen Blick auf die Baumwipfel am Ostseestrand. Im halb versenkten Souterrain befinden sich ein Spa und ein Fitnessbereich.
Licht- und Farbeffekte vor dunklem Hintergrund
Wer das Hotel über die breite Treppe betritt, gelangt in eine dunkle Lobby. Im Tresen an der Rezeption schwimmen Fische im blauen Licht eines Aquariums. Böden, Wände und Decken der Lobby sowie des angrenzenden Restaurants und der Bar sind in Anthrazit gehalten. Die dunkle Farbgebung wirkt edel und setzt Licht und bunte Details als zentrale Gestaltungselemente in Szene.
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Art-Déco an der Ostsee
Bei der Gestaltung ließ sich JOI-Design von Miami Beach inspirieren und schuf eine moderne Interpretation des South-Beach-Art-Déco. Bonbonfarben wie Flamingorosa und Meeresmint dominieren – dezent in den Zimmern, knallig in den Fluren und den Sitznischen der Lobby. Grafisch anmutende Möbel und Raumteiler, filigrane Stahlgestelle und bullaugenförmige Elemente wie Waschtische und Kissen ergänzen das Konzept. Kupfer- und messingfarbene Leuchten und Armaturen, dunkler Marmor, Leuchtschriften und mit Blättern bedruckte Tapeten sorgen für Opulenz, Exotik und Nostalgie.
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Licht als gestalterisches und leitende Motiv
Typisch für Art-Déco betont das Designteam Raumkanten und
Fluchten mit grellem Röhrenlicht – hier in Form energiesparender
LEDs. Diese
Lichtlinien bilden grafische Muster und leiten die Gäste durchs
Haus. Kreise über der Rezeption laden zum Verweilen ein, bevor
mehrere Lichtbögen zu den Aufzügen und Treppen führen.
Zickzack-Linien an den Flurdecken weisen den Weg zu den Zimmern.
Ein Lichttunnel aus Leuchtbirnen vor kleinen Spiegeln inszeniert
den Übergang ins Restaurant. In den Bartresen ist ein interaktives
LED-Mosaik eingelassen, das auf Fingerdruck in bunten Farben
aufleuchtet.
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Ungewöhnlicher Grundriss
In den Doppelzimmern ist die Gestaltung zurückhaltender, doch der Grundriss überrascht: Gäste betreten ihr Zimmer durch das offene Bad und gelangen erst dahinter in den Schlafraum. Die räumliche Trennung erfolgt ganz ohne Wände, allein durch die Beleuchtung und verschiedene Bodenmaterialien. Das hat Vorteile: die Bäder erhalten Tageslicht, die Räume wirken größer, und Sand vom Strand kann abgespült werden, bevor er sich im Zimmer verteilt.
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Intelligente Techniksteuerung mit KNX
Die Gebäudetechnik – Heizung, Klima, Lüftung, Medien und Beleuchtung – ist über ein KNX-System vernetzt und zentral von der Rezeption aus steuerbar. Die Steuerung kann aber auch in den Zimmern erfolgen: Ein Raumtrenner zwischen Bett und Waschtisch dient als Technikzentrale. Per Tastsensor lassen sich Licht und Fernseher bedienen, der je nach Zimmer aus der Decke fährt. Ein USB-Anschluss in die Wand ermöglicht das Laden von Endgeräten und über ein Bedienpanel lässt sich Heizung, Klimaanlage und Lüftung regulieren.
Bautafel
Architektur: Sergio Pascolo Architecs (Hochbau), JOI-Design / Hannah Loch und Kima Hakopjan, Hamburg (Innenarchitektur)
Projektbeteiligte: ETM Elektro GmbH, Hambühren (Elektroarbeiten), Oertel Möbelwerkstätten, Neumark (Tischlerarbeiten), JAB Josef Anstoetz, Bielefeld (Möbel und Teppiche), Arrmet, Manzano, Italien (Möbel), XAL Lumini Boness, Hamburg (Leuchten), Wever & Ducré, Köln (Leuchten), Mosaico+, Sassuolo, Italien (boden), NIC Design, Castel Sant'elia Italien (Sanitärkeramik), Wall&decò, Cervia, Italien (Tapeten), volatiles lighting, Berlin (interaktive Glasmosaik), New Wave Aquarium Concepts, Wassenberg (Aquarium)
Bauherrin: Hanseatic Group, Hildesheim
Fertigstellung: 2022
Standort: Strandallee 60, 23669 Timmendorfer Strand
Bildnachweis: Christian Kretschmar, Fabian Fröhlich
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