Horec Zentrum in Tschechien
Zeitgemäße Infrastruktur im historischen Bestand
Das Riesengebirge gehört zu den wichtigsten Wintersportzentren in Mitteleuropa. Hier liegt die Gemeinde Malá Úpa, auf tausend Metern Höhe und seit Anfang des letzten Jahrhunderts Destination vor allem für Langläufer*innen und Skitourengeher*innen. Im Zentrum des zerstreuten Dorfes und sanfter Hanglage steht eine alte Herberge für Skitourist*innen, gebaut im Jahr 1928. Es ist ein für die Region typisches Holzhaus auf einem Natursteinsockel, das in die Jahre gekommen war und dessen Fassade und Dach von der Witterung angegriffen waren. Nach gründlichen Abwägungen entschied sich das lokale Skigebiet, das Haus zu erhalten, und beauftragte das tschechische Architekturbüro ADR mit der Sanierung und seinem Umbau zu einem multifunktionalen Gemeindezentrum, dem sogenannten Hořec-Zentrum.
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Zeitgemäße Funktionen im alten Gebäude
Dabei gab es zunächst zahlreiche funktionale Anforderungen: Der alte Grundriss mit vielen kleinen Zimmern, der dem alten Herbergsbetrieb geschuldet war, musste für neue, öffentliche Funktionen großzügiger gestaltet werden. Dafür mussten im Innern Wände weichen. Im hangseitigen Erdgeschoss befinden sich jetzt eine Skischule und ein Skiverleih. Darüber, im ersten Obergeschoss bzw. im bergseitigen Erdgeschoss, liegen ein Café, ein Besucherzentrum und ein kleines Gemeindekino. Im zweiten Obergeschoss liegen Ausstellungsräume. Im Dachgeschoss wurden zwei großzügige Ferienappartements geplant. Denn es sind vor allem Familien, die hier im Dorf Urlaub machen.
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Für eine zeitgemäße Nutzung müssen die Geschosse bequem, barrierefrei und brandschutzkonform erschlossen sein – auch bei eingeschneiter Lage. So ergänzten die Planenden eine breite Betontreppe, die die öffentlichen Flächen mit dem hangseitigen Zu- und Ausgang verbindet. Um diesen von möglichen Schneemassen freizuhalten, ergänzte das Team überdachte und seitlich geschützte Eingangsterrassen. Dazu fügte man einen Aufzug außen an den Bestand. Ziel der Sanierung war zum einen, die Atmosphäre und den Charakter der Berglandschaft zu bewahren, wie auch seine traditionelle Bebauung ablesbar zu machen. Daher setzen sich die neuen Ergänzungen aus Sichtbeton erkennbar vom Altbau ab.
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Untypische Holzbauweise
Beim Rückbau der beschädigten Verkleidungen und Fassadenteile gab es eine Überraschung: Unter all den Schichten entdeckte der Bautrupp im zweiten und dritten Obergeschoss die ursprüngliche Blockholzkonstruktion, die für die Region und Bauzeit sehr untypisch ist und für die Öffentlichkeit sichtbar bleiben sollte. Daher blieben die Wände unverkleidet, ebenso die freigelegten Holzbalken der Geschossdecke. Hier liegt nun die öffentlich zugängliche Ausstellungsfläche, in der die Gebäudekonstruktion selbst baukulturelles Exponat ist. Auch in den Appartements darüber wohnt man unter dem nun sichtbaren, historischen Gebälk. Andere Elemente wurden entsprechend des alten Vorbildes in typischer Bauweise erneuert, wie die breiten Holzdielen, die zeitgemäßen neuen Fenster und die Fassade aus unbehandeltem, lokalem Lärchenholz.
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Unbuntes Gestaltungskonzept
Beim Innenausbau ergänzte das Team die originalen Bauteile mit neuen Holztüren, hölzernen Fenstersitzbänken und Holzeinbaumöbeln. Damit dennoch Kontur und Licht ins Innere gelangen, setzte das Team mit seiner Gestaltung konsequent auf einen unbunten, aber maximalen und klar erkennbaren Kontrast. Wände und Deckenverkleidungen sind weiß glatt verputzt; ergänzt sind dunkle Metallgeländer und -treppen, schwarze Deckenspots an schwarzen Schienen, an langen Kabeln abgehängte Glühbirnenfassungen sowie ein filigraner, moderner Metallleuchter, der den Treppenaufgang erhellt. Die Gestaltung des Hauses wäre also auch auf den großformatigen Schwarz-Weiß-Fotos, die im Café hängen, bestens ablesbar. Tatsächlich zeigen die Aufnahmen vergangene Ski-Szenen und erinnern an die Geschichte des Ortes.
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Unauffällig integrierte Technik
Die Ausstellung ist ein technisches, immersives Medienerlebnis, das man in diesem Altbau nicht erwarten würde. Hier wurden verschiebbare Glaswände eingebaut, die als semitransparente Projektionsfläche medial bespielt werden können. Die projizierten Bilder und Videos sowie die Beleuchtung und Audiogeräte lassen sich beliebig programmieren. So können Szenarien schnell nach Bedarf wechseln: tagsüber die Bergausstellung, abends ein anderes Klang-Bild-Erlebnis für eine Veranstaltung. Die eigentliche Elektrotechnik für die immersive Ausstellung sowie für die Gebäudetechnik im ganzen Haus liegt dabei dezent versteckt. Teilweise sind die Beleuchtung, Belüftung, Heizung und Brandmeldeanlagen in die Decken und Wände und unter Sitzbänken verbaut, Schalter farblich in Weiß oder Schwarz passend zur Wandfarbe gewählt oder Wände und Technik in einheitlich dunkler Farbe kaschiert. Die zurückhaltende Integration der zeitgemäßen Infrastruktur ist wichtig: Das Haus soll als Dorfzentrum Erinnerung, Identität und Naturverbundenheit vermitteln, damit sich auch zukünftig Familien mit dem Ort verbunden fühlen und im Sommer und Winter ins Riesengebirge reisen.
Bautafel
Architektur: ADR (Aleš Lapka, Petr Kolář; Pavel Čermák, Lucia Honc, Tereza Valošková)
Projektbeteiligte: Hynek Stiehl (Tragwerksplanung), 3K stavby (Bauunternehmung), AV MEDIA (Ausstellungskonzept und Medientechnik), Truhlářství Kelner (Möbelbau), Kovářství Postrach (Metallbau), Herbert Slavík (historische Fotoaufnahmen)
Bauherr: SKiMU, Malá Úpa
Fertigstellung: 2024
Standort: Horní Malá Úpa 112, Tschechien
Bildnachweis: BoysPlayNice, Prag
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