Wohn- und Geschäftshaus in Überlingen

Ertüchtigung eines jahrhundertealten Bestands

An der Seepromenade in Überlingen, am Ufer des Bodensees, steht ein Gebäude mit langer Geschichte: Ursprünglich im frühen 17. Jahrhundert als Gasthof errichtet, diente es zwischenzeitlich als Pfleghof eines Klosters, danach als Scheune und Stall, bevor es zum Wohnhaus wurde. Seit 1957 befindet sich im Erdgeschoss eine gastronomische Nutzung – während die oberen Etagen weitgehend ungenutzt blieben. Gaus Architekten sollten dem Gebäude neues Leben einhauchen, ohne die Spuren vergangener Zeiten zu löschen.

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Historisches Erbe trifft moderne Nutzung

Äußerlich bleibt das Erscheinungsbild des Gebäudes nahezu im Originalzustand erhalten – eine Maßnahme, die in enger Abstimmung mit der Altstadtsatzung erfolgte. Fensteröffnungen und Fassadengliederung orientieren sich an der historischen Struktur, sodass sie im Stadtbild kaum auffallen. Dank einer großflächigen Verglasung wirkt das Erdgeschoss nun noch einladender. Hier wurden Restaurant und Bar neugestaltet, während im Obergeschoss Seminarräume und gewerbliche Nutzungen untergebracht sind. 

Das zuvor als Lager genutzte Dachgeschoss nimmt heute eine zweigeschossige Wohnlandschaft ein, mit exklusivem Blick auf den Bodensee. Ein neuer Treppenkern mit Aufzug macht alle Bereiche komfortabel erreichbar.

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Blautöne des Bodensees

Die Architekten ließen Altholzbalken, Insignien und Erinnerungsstücke restaurieren und integrierten sie in das neue Raumkonzept. Auch der See wird förmlich in den Innenraum hineingezogen. Insbesondere im Barbereich und Gastraum griff man die vielfältigen Farbnuancen des Wassers auf. Großzügige, bodentiefe Fensteröffnungen schaffen eindrucksvolle Blickbeziehungen und verstärken das Gefühl, direkt über dem Wasser zu schweben – vor allem in Seminarbereichen und den darüber gelegenen Ferienwohnungen. Lichtführung und Panoramaseiten verstärken die festliche Atmosphäre in den Veranstaltungsbereichen.

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Brandschutzaspekte

Die Lage in der Altstadt sowie die mit dem Umbau einhergehende Nutzung aller Geschosse stellten besondere Anforderungen an den Brandschutz. Da die Nachbargebäude direkt an das Wohn- und Geschäftshaus angrenzen, besteht keine qualifizierte Brandschutzabgrenzung, die ein direktes Übergreifen von Feuer verhindern könnte. Zudem ließen sich durch die engen Platzverhältnisse nur schwer Flucht- und Rettungswege sicherstellen. 

Diesen Herausforderungen trug man mit Maßnahmen am Dachgeschoss Rechnung: An der Vorderseite zur Seepromenade wurde eine Anleiter-Möglichkeit für die Feuerwehr geschaffen, sodass sich flüchtende Personen im Notfall in den Korb der Drehleiter retten können. Auf der Gebäuderückseite entstand ein zweiter baulicher Rettungsweg durch den Einbau einer Spindeltreppe sowie eines kleinen Stegs. Für die Tagungsräume wurde zusätzlich ein weiterer Rettungsweg über die Terrasse zum Hinterhof hergestellt.

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Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Treppenhaus im hinteren Gebäudeteil. Da dieses offen ausgeführt ist, musste die frühzeitige Warnung der Nutzer sichergestellt werden. Hierfür wurden im 1. Obergeschoss funkvernetzte Rauchwarnmelder installiert, die im Brandfall alle verbundenen Melder informieren. Im Bereich der Brandwand kamen hochfeuerhemmende Verglasungen zum Einsatz, die verhindern, dass Feuer oder Rauch unkontrolliert in andere Gebäudeteile gelangen. Außerdem wurde die abgehängte Geschossdecke über dem 1. Obergeschoss, die an Stahlbauteilen vom 2. Obergeschoss abgehängt ist, brandschutztechnisch gesichert. Um die Feuerwiderstandsdauer zu erhöhen, erhielten die Stahlbauteile eine hochfeuerhemmende Bekleidung aus Gipssilikat-Platten. Der zentrale Treppen- und Aufzugkern aus Stahlbeton ist ebenfalls wichtiger Bestandteil des Brandschutzkonzepts.

Durch diese Maßnahmen konnte trotz der komplexen Rahmenbedingungen ein umfassendes Brandschutzkonzept umgesetzt werden, das sowohl den baulichen Gegebenheiten der Altstadtlage als auch den Anforderungen an den Personenschutz gerecht wird. Das Projekt zeigt, wie sich Denkmalpflege, zeitgenössische Nutzung und Brandschutz miteinander vereinen lassen. Gaus Architekten haben so ein Gebäude geschaffen, das ästhetisch und funktional überzeugt, das historische Erbe bewahrt und zugleich die Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) eingehalten.

Bautafel

Architektur: Gaus Architekten, Göppingen
Projektbeteiligte: Dipl.-Ing. Hans Wenk, Göppingen (Tragwerksplanung); Mohr Solutions Ingenieure, Stuttgart, Planungsbüro Thiel, Überlingen, VÖTISCH, Friedrichshafen (HLS-Planung); Elektro Gut, Göppingen (Elektroplanung); GSA Körner, Ulm (Bauphysik); ResQ-Engineering, Stuttgart (Brandschutz); Ingenieurbüro für Vermessung Haas, Überlingen (Vermessung); GDO beratende Ingenieure und Architekt, Stuttgart (Bauleitung)
Bauherr*in: Privat
Fertigstellung: 2024
Standort: Seepromenade 11, 88662 Überlingen
Bildnachweis: Nina Baisch, Konstanz (Fotos); Gaus Architekten, Göppingen (Pläne)

BauNetz Architekt*innen

Fachwissen zum Thema

Rettungswege im strengen Sinn sind Zugänge und Wege für Einsatzkräfte wie der Feuerwehr, über die die Bergung (= Fremdrettung) von z.B. verletzten Personen und Tieren sowie die Brandbekämpfung (Löscharbeiten) möglich sind (siehe § 14 MBO).

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Flucht-/​Rettungswege

Definition Flucht- und Rettungswege

Allgemein werden in den Bauordnungen die beiden Begriffe unter dem Rettungsweg zusammengefasst. In Sonderbauverordnungen gibt es dagegen Unterschiede.

Notwendige Treppen und notwendige Treppenräume bilden zusammen das System der vertikalen Flucht- und Rettungswege.

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Flucht-/​Rettungswege

Treppen und Treppenräume

Als notwendig gelten Treppen oder Treppenräume, wenn bauaufsichtliche Rettungswege über sie geführt werden.

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Das Haus an der Uferpromenade 11 in Überlingen wurde nach Plänen von Gaus Architekten umgebaut.

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