3D-Betondruck

Die additive Fertigung, sprich: das Drucken von Bauteilen oder ganzen Gebäuden, ist keine Vision mehr. Nach und nach kommen die von Hochschulen und Unternehmen entwickelten Verfahren und Roboter bei realen Bauvorhaben zum Einsatz. Dabei müssen sich die beteiligten Gewerke an neue Arbeitsabläufe anpassen.

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Verfahren

Der 3D-Betondruck funktioniert im Extrusionsverfahren: Das Material wird durch eine Düse (Extruder) gepumpt, zu einem Strang geformt und dieser dann abgelegt – wie bei einer Zahnpastatube. Lage für Lage legt die Roboterdüse den Grundrissdaten gemäß aufeinander, bis ein dreidimensionales Bauteil entsteht, etwa eine Wand. Das Material muss dabei kontinuierlich austreten und anschließend schnell aushärten, damit die Struktur beim Auftragen der nachfolgenden Schichten nicht verformt oder einknickt. 

Die Druckroboter müssen von Baustelle zu Baustelle reisen können und zugleich vor Ort sehr beweglich sein. Zwei Varianten sind besonders üblich:

  • Mehrachsige Roboterarme können sich relativ frei und präzise bewegen – ideal für kleinere Bauteile.
  • Portaldrucker eignen sich zum Drucken großer Strukturen oder ganzer Gebäude. Der Druckkopf bewegt sich entlang definierter Achsen (x, y, z). Die Konstruktion erinnert an einen Verladekran: Der Druckkopf hängt an einem Querbalken, der sich an zwei Schienen bewegt, welche an Stützen geführt nach oben und unten beweglich sind.  

Auf der Baustelle muss zunächst die Bodenplatte hergestellt und eingemessen werden. So kann der Roboter fehlerfrei den Grundriss drucken. Damit der Druckkopf nicht behindert wird, muss das Baugerüst schrittweise aufgebaut werden. In Baustellenberichten schwankt der Personalbedarf. Neben den zwei Bediener*innen des Roboters können Bauleiter und Nachbearbeiter vor Ort sein sowie ein sogenannter Springer, der die Druckqualität und Konsistenzhaltung des Betons prüft. Aus dem erdfeuchten Beton lassen sich Schlitze und Durchbrüche herstellen, beispielsweise für Lüftungs- und Elektrotechnik.

Insgesamt ist die Baustellenarbeit weniger körperlich anspruchsvoll als beim konventionellen Betonbau. Zudem entfallen aufwändige Schalungsarbeiten. Durch eine Aufteilung in Sektoren kann parallel gearbeitet und der Bauprozess weiter beschleunigt werden. Die Maschinen und Abläufe sind immer noch prototypisch und werden fortlaufend weiterentwickelt.

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Vorkehrungen und Nachbearbeitung

Bereits während der Planung lässt sich die Druckzeit beeinflussen. Sie ist nämlich insbesondere vom Gebäudegrundriss und vom verwendeten Druckkopf abhängig. Idealerweise sind alle Stellen von einem einzigen Maschinenstandort aus erreichbar. Nachteilig ist ein verschachtelter Grundriss mit zahlreichen Ecken, Türöffnungen und kurzen Wandvorlagen: Dann muss der Druckkopf oft bremsen und wieder beschleunigen oder Leerwege (im Fachjargon Travel) ausführen. Mit großen Druckköpfen lassen sich höhere Lagen drucken. Allerdings gilt: Je höher die Lage ist, desto länger muss sie unbelastet bleiben, bevor die nächste Lage darauf gedruckt werden kann (im Fachjargon Lagezeit). 

Neben der Druckkopfgeometrie beeinflusst insbesondere das Wetter die Lagezeit. Da der Beton offen aushärtet, besteht bei starker Sonneneinstrahlung die Gefahr, dass sich Schwindrisse bilden. Dem lässt sich vorbeugen, indem die Oberflächen abgedeckt oder regelmäßig befeuchtet werden. Obwohl die Lagequalität sich bereits deutlich verbessert hat, ist die Nachbearbeitung immer noch ein wichtiger Schritt, um ebene Oberflächen zu schaffen.

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Tragfähigkeit und Bewehrung

Stand 2026 werden per 3D-Betondruck meist vertikal druckbeanspruchte Wände hergestellt, sodass keine Bewehrung nötig ist. Sie können also unbewehrte Ortbeton- und Mauerwerkswände ersetzen, aber keine zugbeanspruchten Bauteile. Das ist etwa im mehrgeschossigen Hochbau ein Problem. Der 3D-Betondruck wird daher mit Ringbalken, Stützen, Deckenplatten und aussteifenden Wänden aus Stahlbeton kombiniert. Weit verbreitet ist das Drucken einer zweischaligen Wand, deren Zwischenraum mit Ortbeton oder einem Dämmstoff gefüllt wird. 

Gewöhnliche Bewehrungsstäbe, die die Zugfestigkeit des Betons erhöhen würden, lassen sich nur schwer in den additiven Fertigungsprozess integrieren. Es wird jedoch an Alternativen geforscht, zum Beispiel mittels Shotcrete 3D Printing (SC3DP) oder Kunstharzinjektionen (siehe Tipps zum Thema). Nicht immer ist die Bewehrung statisch notwendig. Sie kann auch eine Stützfunktion im Fertigungsprozess übernehmen, etwa um Überhänge herzustellen.

Fachwissen zum Thema

Bei hohen Temperaturen beschleunigt sich das Ansteifen des frischen Betons und die Verarbeitungszeit verkürzt sich.

Bei hohen Temperaturen beschleunigt sich das Ansteifen des frischen Betons und die Verarbeitungszeit verkürzt sich.

Eigenschaften

Temperaturen und Wetterabhängigkeiten

Hitze und Kälte, aber auch Wind und Regen können Eigenschaften und Oberflächenqualität des Betons negativ beeinflussen.

Tipps zum Thema

Titelblatt des Forschungsberichts zur nachträglichen Bewehrung 3D-gedruckter Betonkörper mit Epoxidharz und Carbonfasern

Forschung

Beton drucken, Bewehrung injizieren

Mit einer nachträglich injizierten Bewehrung lassen sich 3D-gedruckte Betonkörper gezielt verstärken. Forschende der TU Kaiserslautern haben diesen Ansatz untersucht.

Studierende und Lehrende der Technischen Universitäten Braunschweig, Delft und München erarbeiteten gemeinsam einen digitalen Entwurfs- Planungs- und Fertigungsprozess für eine Brücke mit textiler Schalung.

Work in Progress

Schalenbrücke aus Beton

Der Prototyp einer Fußgängerbrücke vereint verschiedene digitale Technologien miteinander: In dem universitären Lehrformat zeigt sich, welche Neuerungen die additive Fertigung bereithält.

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3D-Betondruckneu

3D-Betondruck mit einem Portaldrucker

3D-Betondruck mit einem Portaldrucker

Wenn Roboter bauen, müssen sich Menschen anpassen. Worauf ist zu achten?

Wasserzementwert

Der Wasserzementwert (w/z-Wert) beschreibt das Massenverhältnis von wirksamem Wasser zum Zement im Frischbeton.

Der Wasserzementwert (w/z-Wert) beschreibt das Massenverhältnis von wirksamem Wasser zum Zement im Frischbeton.

Kaum eine Kennzahl prägt Festigkeit, Dauerhaftigkeit und Gefügedichte von Beton so stark wie der Wasserzementwert.

Qualitätskontrolle in der Produktion

Die Qualität des Betons wird bereits durch die Eigenschaften der eingesetzten Ausgangsstoffe bestimmt.

Die Qualität des Betons wird bereits durch die Eigenschaften der eingesetzten Ausgangsstoffe bestimmt.

Von der genehmigten Betonzusammensetzung bis zum fertigen Bauteil greifen in der Betonproduktion abgestimmte Kontrollschritte ineinander.

Mischen von Beton

Die Abmessung der Ausgangsstoffe erfolgt in Mischanlagen der jeweiligen Betonwerke.

Die Abmessung der Ausgangsstoffe erfolgt in Mischanlagen der jeweiligen Betonwerke.

Damit Beton die gewünschten Eigenschaften erhält, ist eine exakt ermittelte Rezeptur nötig. Doch nicht nur darauf kommt es bei der Herstellung an.

Zugabewasser

Wasser ist neben Zement, Sand und Kies einer der essentiellen Bestandteile des Betons.

Wasser ist neben Zement, Sand und Kies einer der essentiellen Bestandteile des Betons.

Es setzt die Hydratation des Zements in Gang und bestimmt über Festigkeit und Dichtigkeit mit. Somit ist Wasser unverzichtbar für die Betonherstellung.

Verdichten von Beton

Beim Einbringen des Frischbetons steht ein Bauarbeitender bereits mit einem Rüttler parat (im Bild rechts).

Beim Einbringen des Frischbetons steht ein Bauarbeitender bereits mit einem Rüttler parat (im Bild rechts).

Das Verdichten bestimmt maßgeblich Festigkeit, Dauerhaftigkeit und Oberflächenqualität von Betonbauteilen.

Wiederverwendung von Betonbauteilen

Wiederverwendung unmöglich: Anstatt sie behutsam rückzubauen werden viele Betongebäude mit der Abrissbirne zerstört, wie 2018 bei der Oberpostdirektion Hamburg (Post-Pyramide) geschehen.

Wiederverwendung unmöglich: Anstatt sie behutsam rückzubauen werden viele Betongebäude mit der Abrissbirne zerstört, wie 2018 bei der Oberpostdirektion Hamburg (Post-Pyramide) geschehen.

Betongebäude sind riesige Materiallager. Um aus ihnen ganze Bauteile zurückzugewinnen, braucht es eine genaue Bestandserfassung und einen sorgfältigen Rückbau.

Aufbereitung von Betonabbruch

Das Recyceln von Beton spart Primärrohstoffe, Energie und Deponieraum.

Das Recyceln von Beton spart Primärrohstoffe, Energie und Deponieraum.

Zerkleinert, sortiert und gereinigt sind Beton- und auch Mauerwerksabbruch wertvolle Ressourcen für die Herstellung von Recyclingbeton.

Carbon Capture, Utilization and Storage (CCUS)

In der Beton- und Zementindustrie wird damit begonnen, Kohlendioxid mit Anlagen wie diesen abzuscheiden, zu komprimieren und abzutransportieren.

In der Beton- und Zementindustrie wird damit begonnen, Kohlendioxid mit Anlagen wie diesen abzuscheiden, zu komprimieren und abzutransportieren.

Kohlendioxid aus der Beton- und Zementherstellung soll gar nicht erst in die Atmosphäre gelangen, sondern weiterverwendet oder eingelagert werden.

Zertifizierung des Concrete Sustainability Councils

2016 wurde das Concrete Sustainability Council gegründet, dessen Zertifikate nachhaltiges Handeln in der Beton- und Zementherstellung ausweisen sollen.

2016 wurde das Concrete Sustainability Council gegründet, dessen Zertifikate nachhaltiges Handeln in der Beton- und Zementherstellung ausweisen sollen.

Um eines der Label zu bekommen, müssen Beton- und Zementwerke nachweisen, dass sie ökologisch, sozial und ökonomisch verantwortlich handeln.

Energie in der Zementherstellung

Bei der Zementherstellung wird viel thermische Energie benötigt, zum Beispiel um den Kalk zu Klinker zu brennen.

Bei der Zementherstellung wird viel thermische Energie benötigt, zum Beispiel um den Kalk zu Klinker zu brennen.

Große Mengen thermischer und elektrischer Energie werden benötigt, um Kalk zu Klinker zu brennen und daraus Zement herzustellen.

Zusammensetzung von Beton

Zement, Wasser und Gesteinskörnungen sind die Ausgangsstoffe für die Herstellung von Beton.

Zement, Wasser und Gesteinskörnungen sind die Ausgangsstoffe für die Herstellung von Beton.

Gesteinskörnungen, Zement und Wasser sind die Ausgangsstoffe des mineralischen Baustoffs. Durch Zusatzmittel und -stoffe lässt er sich den jeweiligen Anforderungen anpassen.

Einfluss der Ausgangsstoffe

Einfluss der Ausgangsstoffe

Sämtliche Ausgangsstoffe haben Einfluss auf die Funktionalität und Qualität des Betons in seiner jeweiligen Anforderung. Wichtig...

Hauptbestandteile des Zements

Portlandzementklinker, Hüttensand, natürliche Puzzolane, Kieselsäurereiche Flugasche, Gebrannter Schiefer gehören zu den Hauptbestandteilen von Zement.

Portlandzementklinker, Hüttensand, natürliche Puzzolane, Kieselsäurereiche Flugasche, Gebrannter Schiefer gehören zu den Hauptbestandteilen von Zement.

Zur Betonherstellung wird neben Gesteinskörnungen und Wasser ein Bindemittel benötigt: der Zement. Seine Hauptbestandteile sind:...

Betonherstellung und Klimaschutz

Dem hohen CO2-Ausstoß bei der Produktion des Bindemittels Zement steht die lange Haltbarkeit von Betonkonstruktionen gegenüber (Bild: Zementwerk in Berlin).

Dem hohen CO2-Ausstoß bei der Produktion des Bindemittels Zement steht die lange Haltbarkeit von Betonkonstruktionen gegenüber (Bild: Zementwerk in Berlin).

Die Reduktion des Klinkerfaktors und die Abscheidung von Kohlenstoffdioxid sollen dazu beitragen, den CO2-Ausstoß bei der Zementherstellung zu senken.

Bindemittel, Zusatzmittel und Zusatzstoffe

Bindemittel, Zusatzmittel und Zusatzstoffe

BindemittelBindemittel sind im plastischen Zustand verarbeitbare anorganische oder organische Substanzen, die im Laufe einer...

Kompositzemente und alternative Bindemittel

Der hohe Kohlenstoffdioxidausstoß bei der Herstellung von Portlandzementklinker befeuert die Suche nach alternativen Bindemitteln.

Der hohe Kohlenstoffdioxidausstoß bei der Herstellung von Portlandzementklinker befeuert die Suche nach alternativen Bindemitteln.

Bei Kompositzementen wird ein Teil des Portlandzementklinkers ersetzt; alternative Bindemittelsysteme kommen ohne den in der Herstellung CO2-intensiven Stoff aus.

Konsistenz von Beton

Frischbeton sollte so beschaffen sein, dass er ohne wesentliches Entmischen gefördert, eingebaut und verdichtet werden kann

Frischbeton sollte so beschaffen sein, dass er ohne wesentliches Entmischen gefördert, eingebaut und verdichtet werden kann

Die Konsistenz des Frischbetons soll so beschaffen sein, dass er ohne wesentliches Entmischen gefördert, eingebaut und vollständig...

Betoniervorgang

Frischbeton beim Einbringen auf der Baustelle

Frischbeton beim Einbringen auf der Baustelle

Beim Betoniervorgang entscheiden Vorbereitung, Einbringen und Verdichten darüber, ob das Bauteil die geplante Qualität erreicht

Ausschalen und Nachbehandeln

Nach 28 Tagen ist die ausschlaggebende Druckfestigkeit von Beton erreicht und das Bauteil kann ausgeschalt werden.

Nach 28 Tagen ist die ausschlaggebende Druckfestigkeit von Beton erreicht und das Bauteil kann ausgeschalt werden.

Ein behutsames Vorgehen ist ratsam, damit es nicht zu Arbeitsunfällen oder Schäden am noch jungen Bauwerk kommt.

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Alle Veranstaltungen zum Thema Bauen mit Beton finden Sie unter
www.beton.org/veranstaltungen

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