Apartment für Zwei in Porto
Wellen aus Glasbausteinen und Wolken aus Metallgewebe
Glasbausteine, Marmor, Holz, Streifenmuster und kräftige
Farbakzente – die charakteristische Handschrift des portugiesischen
Büros Fala Atelier hat sich zu einem unverwechselbaren
Merkmal in der Architekturlandschaft entwickelt. Die Projekte,
stets geprägt von Leichtigkeit und einem spielerischen Umgang mit
Formen und Farben, verleihen selbst dem nüchternsten Wohnungsbau
einen Hauch von Poesie. Mit ihrer experimentellen
Herangehensweise an Raum und Material schaffen die Architekt*innen
aus Porto Räume, die nicht nur funktional, sondern auch
künstlerisch erlebbar sind – kleine Szenarien, die in eine fast
unwirklich anmutende, bildhafte Welt entführen.
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Bei einem Spaziergang durch Porto wirkt das schmale Wohnhaus aus den 1970er Jahren zunächst unscheinbar. Erst auf den zweiten Blick fällt die dezente, in Mintgrün und Hellblau gestreifte Fassade sowie die markante rote Stütze ins Auge. Fala Atelier hat das ehemalige Ladenlokal im Erdgeschoss des Gebäudes zu einem Apartment für zwei Personen umgebaut und dabei die vorhandene Struktur neu interpretiert.
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Fassadengestaltung mit postmodernen Einflüssen
Neben der original erhaltenen Ladenfront, setzt ein kreisrunder, markant schwarzer Stoßgriff auf der weiß verblendeten Eingangstür einen effektvollen Akzent. Der ehemalige Schaufensterbereich ist mit einer wolkenförmigen Schicht aus Metallgewebe verkleidet, die an postmoderne Einflüsse von Hinrich und Inken Baller erinnert. Sie fungiert wie eine Maske, die das frühere Schaufenster verhüllt, gleichzeitig jedoch Tageslicht in den Innenraum eindringen lässt – ein Gestaltungselement, das die Planenden auf der Gebäuderückseite wieder aufgreifen.
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Gläserne Wände und hölzerne Griffe
Im Innenraum wartet der Umbau mit einer raffinierten Lösung auf: Eine sanft geschwungene Glasbausteinwand teilt den länglichen, rechteckigen Grundriss und schafft eine klare Trennung zwischen gemeinschaftlichen und privaten Bereichen. Der gläserne Raumteiler führt in einer leichten Wellenbewegung durch den langgezogenen Hauptraum, der bis auf eine Küchenzeile mit schwarz-weiß gestreiften, abgestuften Schrankwänden an der rückseitigen Fassade flexibel nutzbar bleibt. Faustgroße hölzerne Kugeln, die als Griffe dienen, zieren die Schranktüren.
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Der Boden ist weiß gefliest, die Wände sind weiß verputzt. Farbige Akzente setzen ein rotes Fenster in der Glasbausteinwand und ein ebenfalls roter Keil, der sich als herausgeschnittenes Volumen aus der Glaswand in die hellblau gestrichene Decke zu schieben scheint. Hinter dem gewellten Raumteiler befinden sich eine Treppe ins Untergeschoss, ein Badezimmer und ein Esszimmer, das über eine angeschrägte Tür mit kreisrundem, hölzernen Stoßgriff von der Küche aus zugänglich ist. Von hier führt auch eine Terrassentür über eine schmale Treppe in den – aufgrund des abfallenden Geländes – tiefer gelegenen Garten.
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Raumhohe Türen mit kreisrunden Stoßgriffen
Über die Treppe mit wellenförmigem Handlauf gelangen die Bewohner*innen in das Untergeschoss. Auch hier durchzieht eine sanft geschwungene Glasbausteinwand den Raum. Hinter ihr liegen fünf weitere Zimmer, die über raumhohe, weiße Türen mit dem vorgelagerten Gemeinschaftsbereich verbunden sind. Jede Tür ist mit einem markanten, kreisrunden Stoßgriff aus Holz versehen, dessen konsequente Wiederholung eine klare Struktur schafft und dem Raum eine beinahe surreale Atmosphäre verleiht. Eine fünfstufige Treppe verbindet das Untergeschoss mit dem Garten.
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Inszenierung des Alltags
Durch den Einsatz von Glasbausteinen als transluzente
Gestaltungselemente verwandelt Fala Atelier den häuslichen Raum in
eine Bühne, auf der das Wohnen zur Inszenierung wird: Die
Bewohner*innen werden sowohl zu Darsteller*innen als auch zu
Zuschauer*innen ihrer alltäglichen Routinen. Die Metaphorik wird
durch die tribünenartige Sitzecke im Esszimmer, den keilförmigen
Treppenzugang, der an einen zur Seite gezogenen Vorhang erinnert
sowie die wolkenartigen Metallmasken an den Gebäudefassaden weiter
verstärkt. -sms
Bautafel
Architektur: Fala Atelier, Porto
Projektbeteiligte: Paulo Sousa, Porto (Bauingenieurwesen); pomo landscapes, Porto (Landschaftsplanung); Civiflanco, Porto (Bauunternehmen)
Bauherr*in: privat
Standort: Porto, Portugal
Fertigstellung: 2021
Bildnachweis: Lera Samovich; Giulietta Margot; Francisco Ascensao; Rory Gardiner (Fotos); Fala Atelier, Porto (Pläne)
