Der Garten – Seine Geschichte in 333 Bildern

Hans von Trotha

HatjeCantz, Berlin 2024
Texte in deutscher Sprache
384 Seiten, 333 Abbildungen
Format 23 x 23 cm, Paperback

Preis: 44 EUR

ISBN 978-3-7757-5831-4

Zum europäischen Gartenbau und der Gartenkunst berühmter Anlagen liegt umfangreiche Literatur vor. Wissenschaftliche Fachbücher sind in der Regel textlastig und haben eher wenige Abbildungen, Gartenbücher hingegen, die sich an Hobby-, Freizeitgärtner und Besucher wie Touristen wenden, setzen sich häufig aus schönen stimmungsvollen Fotografien mit nur kurzen Beschreibungen zusammen.

Der promovierte Historiker und Journalist Hans von Trotha geht in dieser Geschichte des europäischen Gartens einen eigenen Weg – nämlich visuell mit 333 Bildern, die er jeweils kommentiert und miteinander in u.a. zeitliche, kulturelle oder auch symbolische Beziehung setzt. Er wählt dazu Kupferstiche, Seiten aus historischen Handschriften, Karten, Zeichnungen, Gemälde, Wandteppiche, Veröffentlichungen aus Zeitschriften und sogar Standbilder aus den Anfängen des Films aus. Der zeitliche Rahmen umfasst etwa 1.000 Jahre und reicht bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.

Geografisch konzentriert sich Trotha auf ein Gebiet „von Bordeaux bis Sankt Petersburg und von Neapel bis Stockholm“, wie er selbst in Abgrenzung zu persischen, arabischen, indischen, chinesischen und japanischen Gärten anmerkt. In den 333 ausgewählten Bildern erklärt und interpretiert er beispielsweise:

  • „Das Paradies“ von Lucas Cranach dem Älteren aus dem Jahr 1531 für die Themen Paradies, Garten Eden sowie biblische Verweise auf Christus als Gärtner und das Noli-me-tangere-Motiv
  • Auszüge aus dem Kräuterbuch „Pseudo-Apuleius“ datiert auf das 6. oder 7. Jahrhundert als frühen Ratgeber zum Heilen mit Pflanzen
  • Albrecht Dürers Aquarell „Großes Rasenstück“ von 1503 als naturkundliche Studie mit präzisester Beobachtung und Darstellung von Pflanzen
  • Bartolomeo Bimbis Gemälde „Zitrusfrüchte“ aus dem Jahr 1715, das im Auftrag von Cosimo III. de Medici etwa 90 verschiedene Zitronen zeigt und damit inhaltlich den Beginn der Anlegung botanischer Gärten mit Orangerien verdeutlicht
  • mehrere Pläne von Versailles, darunter der Plan von Jean Delagrife aus dem Jahr 1746 mit geometrischen Linien, die Architektur und Natur miteinander gleichsetzen und achsial verflechten
  • Claude Lorrains Gemälde „Landschaft mit Aeneas in Delos“ 1672 als erzählerische, symbolische wie imaginäre Szene, die viele Gärtner zu tatsächlichen Umsetzungen samt kulissenhaften Gartenarchitekturen inspirierte
  • das Frontispiz des Gothic Novel „The Castle of Otranto“ von Horace Walpole 1765. Die gruselige übernatürliche Erzählung gilt als Vorbild für Mystery-Romane und -Filme sowie für neogotische Staffagebauten in kunstvoll geschaffenen Landschaftsgärten
  • einen Plan des Schwetzinger Schlossgartens von Johann Michael Zeyher aus den 1840er-Jahren, der zeigt, wie ein Französischer und ein Englischer Garten trotz konträrer politischer Auffassungen bemerkenswerterweise nebeneinander koexistieren – und zwar bis heute
  • das Gemälde „Hinterhaus und Hof“ von Adolph Menzel aus dem Jahr 1844, das seinen Blick aus dem Fenster der Zimmerstraße 4 in Berlin, heute Nähe Checkpoint Charlie, in einen völlig unspektakulären und nur teils begrünten Stadtraum porträtiert. Dieser Blick eines Malers aus dem 19. Jahrhundert schlägt den Bogen zur Gegenwart und unserem heutigen Verständnis von Natur und Stadt, einschließlich aller Konflikte
Hans von Trotha erzählt die Geschichte des Gartens als eine sich im Laufe der Zeit wandelnde Ideengeschichte, in der sich Biologie und Botanik mit weiteren Disziplinen wie Malerei, Bildhauerei, Architektur, Literatur, Musik, Kulinarik, Pharmakologie, Medizin, Politik, Geografie und nicht zuletzt Klimatologie vermischen – zugleich komplex und verständlich. Die Abfolge der überwiegend chronologisch sortierten Bilder erweist sich als nachvollziehbar. Sie schärft den Blick für die jeweiligen Medien als visuelle Kommunikation.

Damit macht dieses Buch Lust auf den Besuch von Gärten und Parks, von Museen mit den besprochenen Gemälden, von Konzerten mit Musik von beispielsweise Jean-Philippe Rameau vom Hof von Versailles und sogar auf Restaurants hinsichtlich verarbeiteter Kräuter und Gemüse und deren Herkunft. Mit all den jahrhundertealten Wünschen und Erwartungen an die Natur – wie auch immer sie interpretiert werden – ist es zugleich eine Anregung durch Gärten und deren urbanes Umfeld mit offenen Augen zu gehen, um Grün in unglaublich vielfältigen Formen wahrzunehmen.

Autorin: Prof. Dr.-Ing. Susanne Junker, Berlin

Fachwissen zum Thema

Im Jahre 1673 legte die Worshipful Society of Apothecaries einen Garten für Heilpflanzen in einem Dorf westlich von London an.

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Illustration der Hängenden Gärten von Babylon

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Zur systematischen wissenschaftlichen Erforschung von exotischen Pflanzen wurden die Kew Gardens in London nicht nur erweitert, sondern ab 1844 um mehrere Conservatories ergänzt (im Bild: Palmenhaus).

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