Spirits Out of Trees – Francis Kéré. Gando / Montana
Mit Beiträgen von Cathy Halstead, Peter Halstead, Charles Shafaieh und Francis Kéré
Park Books, Zürich 2026
120 Seiten, 110 farbige und 2 s/w-Abbildungen, broschiert
Format 20,3 x 25,3 cm
Sprache: Englisch
Preis: 38 EUR
ISBN 978-3-03860-461-7
Das Buch Spirit Out of Trees porträtiert und verknüpft zwei Werke des Pritzker-Preisträgers Francis Kéré mit zahlreichen tagebuchartigen Fotografien des Entstehungsprozesses, Natur- und Modellfotos, Prinzipskizzen, textlichen Anmerkungen und Gedichten. Der Pavillon Xylem für das Tippet Rise Art Center in Fishtail, Montana, USA und die Naaba Belem Goumma Secondary School in Gando, Burkina Faso, entstanden zur gleichen Zeit. Beide Projekte sind nicht nur partizipative, sensibel in ihren Kontext eingebettete Low-Tech-Architekturen, sondern rücken auch den Baum als sozialen, symbolischen und nachhaltigen Entwurfsleitgedanken ins Zentrum.
Die Herausgeber*innen erläutern:
"Trees, both for Francis Kéré and for us, have always been metaphors out of which our lives have expanded. Trees in their own way are poems. Francis' pavilion at Tippet Rise Center, Xylem, is based on a hut which is based on a tree, which in turn expands to encompass much more. (...) As Francis told us, a tree in his home country, Burkina Faso, is where you court your first love, where you make friends, where elders gather to make decisions. A tree is a center, an anchor, for everyone in the community. It holds the soil in place, it creates oxygen to make the air breathable, it transforms underground nutrients into sheltering leaves. Two trees can provide enough oxygen for a family of four."
(deutsche Übersetzung SJ: „Für Francis Kéré wie auch für uns sind Bäume schon immer Metaphern, aus denen heraus sich unser Leben entfaltet. Bäume sind auf ihre eigene Weise Gedichte. Francis’ Pavillon Xylem im Tippet Rise Center basiert auf einer Hütte, die wiederum auf einem Baum beruht – einem Baum, der sich ausweitet und so viel mehr umfasst. (...) Wie Francis uns erzählte, ist ein Baum in seiner Heimat Burkina Faso ein Ort, um die erste Liebe zu umwerben und um Freundschaften zu schließen. Es ist der Ort, an dem die Ältesten zusammenkommen, um Entscheidungen zu treffen. Ein Baum ist ein Mittelpunkt, ein Anker, für alle in der Gemeinschaft. Er hält das Erdreich fest, produziert Sauerstoff, der die Luft atembar macht, und wandelt Nährstoffe aus dem Boden in schützendes Blattwerk. Zwei Bäume können genug Sauerstoff für eine vierköpfige Familie liefern.“
Der Pavillon in Montana ist Teil einer ländlichen Freiluft-Kunstanlage auf einer Fläche von umgerechnet fast fünf Hektar mit Kunstwerken u. a. von Richard Serra, Alexander Calder und Ai Weiwei. Der Pavillon in Fishtail, einer kleinen Ortschaft nahe der Grenze zu Wyoming, wurde Xylem getauft als eine Anspielung auf den biologischen Begriff, der das Wasserleitsystem in den Stämmen und Stengeln von Pflanzen bezeichnet. Der Pavillon besteht aus einem kreisförmigen Dach, das Kiefernstämme in einem modularen sechseckigen Stahlgitter vertikal bündelt. Einige dieser Bündel dienen dabei als Stützen und weiten sich am Boden zu podestartigen Bänken. Die Kiefernstämme stammen aus der Region und wurden im Rahmen eines Wald- bzw. Parasitenschutzprogramms gewonnen.
Die Oberschule in Gando ist eine Erweiterung der mit dem
Aga-Khan-Award ausgezeichneten Grundschule. In einer Kombination
aus Ortbeton und rotem Lehm wurden von örtlichen Teams Raummodule
gegossen, die zusammengesetzt acht Pavillons bilden. Diese sind
kreisförmig um einen Gemeinschaftshof – eine Anspielung auf
traditionelle Bauformen in Burkina Faso – angeordnet. Fassaden aus
Eukalyptus-Ästen und große vertikale wie horizontale Dachüberstände
bieten natürliche Durchlüftung, Schatten sowie Schutz vor Sonne,
Wind und Regen. Um die Pavillons und auf dem Hof wurden Mango-Bäume
gepflanzt, die in Verbindung mit unterirdischen Regenwassertanks
eine weitere Erosion und Austrocknung der Savanne verhindern
sollen. -sj
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