Bürogebäude B-One in Berlin
Klimafreundlicher Stadtbaustein am Tor zur City West
Bis vor Kurzem prägte an der Kreuzung von Landwehrkanal und Corneliusbrücke in Berlin noch ein postmoderner Koloss mit reflektierender Fassade und eher strengem Charakter das Stadtbild. An derselben Stelle hat das Aarhuser Büro C.F. Møller Architects nun einen Neubau realisiert, der dem hier ansässigen Immobilienfinanzierer Berlin Hyp nicht nur eine moderne Visitenkarte in der Stadt bietet, sondern auch gestalterisch auf seine Umgebung reagiert. Gleichzeitig ist das Gebäude, das den Namen B-One trägt, so konzipiert, dass sein Betrieb nur noch etwa die Hälfte der Energie des Vorgängerbaus benötigt.
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Das Grundstück des Bauvorhabens ist städtebaulich kein einfaches: Zwischen Budapester- und Keithstraße sowie dem Lützowufer bildet es eine spitze Ecke aus. In direkter Nachbarschaft befinden sich zudem ein 18-geschossiges Punkthochhaus und eine nur drei Stockwerke hohe Gründerzeitvilla. Für die Architekt*innen bestand also die Herausforderung darin, ein Gebäude zu entwickeln, dass zwischen den sehr unterschiedlichen Volumina und Baustilen vermittelt und zugleich eine eigene Präsenz entfaltet.
Terrassen statt Turmbau
Der Entwurf vervollständigt den bestehenden Blockrand an der Ostseite zur Keithstraße und bis zur Grundstücksspitze mit einer 45 Meter hohen, elfgeschossigen Gebäudestruktur. Diese treppt sich über bepflanzte Terrassen zur Budapester Straße und zur Villa bis auf vier Geschosse ab und ist damit nur unwesentlich höher als die Traufkante des Gründerzeitbaus. Durch diesen respektvollen Umgang mit dem urbanen Kontext, kann sich zugleich der städtische Raum in den Block hinein entwickeln. Der Neubau ist als Stahlbetonskelett konstruiert, mit einer Bruttogeschossfläche von etwa 14.500 m².
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Die städtische Großzügigkeit setzt sich im Innenraum fort: Das weitläufige Erdgeschoss bietet öffentlich zugängliche Bereiche, darunter Galerieräume für Kunstausstellungen. Im Zentrum steht jedoch die Town Hall – ein mehrstöckiger Raum mit markanter Treppe und großzügigen Sitzbereichen, der als sozialer Treffpunkt und kreativer Arbeitsraum dient und sich gleichermaßen für Firmenveranstaltungen oder Kundenempfänge eignet.
Arbeiten mit Weitblick
Die Büros in den Geschossen darüber sind als flexible, aktivitätsbasierte Arbeitsplätze konzipiert, in denen zeitgemäße Zusammenarbeit gefördert und gleichzeitig Platz für konzentrierte Einzelarbeit geboten werden soll. Die Dachterrassen eröffnen weite Ausblicke über Berlin. Gleichzeitig wirken sie als natürliche Rückhaltesysteme für Regenwasser, das verzögert in zwei unterirdische Rigolen geleitet wird. Das versickernde Wasser kommt somit dem Grundwasser – auch des benachbarten Tiergartens – zugute. In den zwei Untergeschossen befinden sich Fahrrad- und Pkw-Stellplätze inklusive Ladestationen sowie die technischen Anlagen.
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Photovoltaik als Gestaltungsmerkmal
Beim Thema Energiegewinnung geht C.F. Møller einen ungewöhnlichen Weg: Die Photovoltaik-Module sind nicht auf dem Dach versteckt, da dieses als Terrasse genutzt wird. Stattdessen sind die Paneele zusammen mit der Jurastein-Verkleidung in die Fassade integriert, sodass die Energieerzeugung zum sichtbaren Bestandteil des Entwurfs wird. „Klimafreundlichkeit kann in der zeitgenössischen Architektur kein nachträglicher Gedanke sein“, betont Julian Weyer, Partner und Architekt bei C.F. Møller. Insgesamt beträgt die verbaute Fläche 1.200 m², was eine Spitzenleistung von 170 kW ermöglicht.
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Mehr ist mehr
Die Wärmeproduktion für Heizung und Warmwasser wird über eine Sole/Wasser-Wärmepumpenanlage aus zwei Wärmepumpen mit einer Leistung von jeweils gut 400 kW gestemmt, die die Umweltenergie aus insgesamt 60 Geothermiebohrungen erhält. Betrieben wird sie mit dem am Gebäude erzeugten Solarstrom. Die Wärmepumpenanlage deckt etwa 75 Prozent des Wärmebedarfs, die restlichen 25 Prozent werden über ein Blockheizkraftwerk mit einer thermischen Leistung von 505 kW und einer elektrischen Leistung von 397 kW bereitgestellt. Auf den ersten Blick mag dieses System überdimensioniert wirken, doch – so erklärt Julian Weyer – liegt dies an den hohen Anforderungen des Bankbetriebs an Redundanz und Sicherheit. Die Übergabe von Wärme und im Sommer auch von Kälte an die Innenräume erfolgt über die thermische Aktivierung der Betondecken.
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Frischluft nach Geschmack
Eine zentrale Lüftungsanlage gibt es zwar, doch sie versorgt lediglich die größeren Konferenzräume sowie die Town Hall mit Cafeteria. Für die Büros ist ein dezentrales System installiert: Einzelne Lüftungseinheiten für Zu- und Abluft, jeweils mit Wärmerückgewinnung, sind im Bodenaufbau und in den Fassaden integriert. Die Mitarbeitenden können selbst entscheiden, ob ihnen diese Frischluftversorgung genügt oder ob sie die Fenster öffnen möchten. Diese individuelle Steuerung des Raumklimas reduziert den Energieverbrauch gegenüber einem zentralen System deutlich und erhöht zugleich das Wohlbefinden.
Im Zuge der DGNB-Platin-Zertifizierung wurde schon beim Rückbau des Vorgängerbauwerks die Wiederverwendung von Baustoffen berücksichtigt. Im Zuge der materialökologischen Begleitung durch Madaster konnte so eine Recyclingquote von 88 Prozent erreicht werden. Das Gebäude wurde Mitte Dezember 2025 offiziell eröffnet. -tg
Bautafel
Architektur: C.F. Møller, Aarhus, Studio Berlin
Projektbeteiligte: Züblin Zentrale Technik, Stuttgart (Tragwerk, Fassade, Bauphysik); ZBP Zimmermann und Becker Ingenieurgesellschaft, Flein (TGA); SINAI Landschaftsarchitekten, Berlin, mit C.F. Møller Architects (Landschaftsarchitektur); Transsolar Energietechnik, Stuttgart (Energiekonzept); Kardorff Ingenieure, Berlin (Lichtplanung); Buro Happold, Bath (DGNB Zertifizierung); hhp, Berlin (Brandschutz); Kösterke, Ostseebad Rerik (Küchenplanung); BDP Real Estate GmbH, Berlin (Projektsteuerung)
Bauherr*in: Berlin Hyp AG, Berlin
Fertigstellung: 2025
Standort: Budapester Str. 1, 10787 Berlin
Bildnachweis: Franz Brück, Berlin
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