Brutal Honesty in Argentinien
Wohnhaus in Beton gefasst
Das in London angesiedelte Büro OF. Studio hat sich bereits durch internationale Auszeichnungen einen Namen gemacht. Die Gründerin und der Gründer stammen beide aus Mendoza im Westen Argentiniens, wo nun auch eines ihrer jüngsten Wohnhausprojekte verortet ist: Brutal Honesty. Das obere Plateau eines Hügels fasste das Team rund um Sebastián Andia und Valentina Cerrone in einen festungsartigen Betonwall, um darauf eine luftige und luxuriös-minimalistische Wohnumgebung zu schaffen.
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Das Projekt soll kraftvollen Ausdruck und rohe Materialität repräsentieren. Die erdbraunen Stützmauern imitieren Felsformationen, die sich aus dem Gelände erheben und gleichzeitig zu Gebäudeelementen werden. Dazu resultieren mehrere Terrassen und die Innenwände aus dem allgegenwärtigen Material Beton. Pedemonte heißt der Stadtteil, was so viel heißt wie „Am Fuße des Berges“ oder der Anden genauer gesagt. Die erhöhte Lage beschert den Bewohner*innen auch Ausblicke in die topografisch reichhaltige Landschaft und umgebende Vegetation.
Sonnige Nordausrichtung und Fernblicke in die Anden
Kein Baum sei für den Bau des Wohnhauses gefällt worden, so die Planenden. Dennoch ließ sich eine präzise Setzung realisieren: Nach Norden ist das Haus optimal zur Sonne ausgerichtet, während im Süden die Fernsicht gewahrt bleibt. Räumlich teilt sich das Bauwerk in drei vertikal angeordnete Bereiche auf: Vom Keller, der sich innerhalb der betongefassten Stützmauern und somit unter der Erde befindet, über das Erdgeschoss an der Oberfläche bis zum Obergeschoss springt die Struktur immer weiter zurück. Die Küche ist von Gemeinschaftsräumen umgeben. Drei Treppen gehen davon aus und verbinden den zentralen Raum mit den weiteren Ebenen.
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Die Hauptterrasse setzt am Wohn- und Essbereich an und soll eine Fortführung in die Landschaft bilden. Angrenzend ist eine Terrasse mit Außenküche platziert. Ein weiterer Außenraum ist mit dem Spielzimmer für Kinder verbunden, während eine großzügige Dachterrasse Platz für Yoga, einen Kamin, einen Whirlpool und Dachgärten bietet.
Farbliche Annäherung an den umgebenden Naturraum
Der Wunsch, eine „gebaute Erweiterung des Berges” darzustellen, wird durch die Formgebung und Farbe akzentuiert. Abgerundete Kanten und kurvenreiche, sich nach oben verjüngende Mauern zeichnen Felsformationen nach. Rundum bildet sich ein Kranz mit Vordächern aus hohlen Quadern, die ihrerseits mit der Massivität brechen. Luftige Treppenelemente aus Stahl außen und Holz innen ergänzen die fließenden Konturen in einem kleineren Maßstab. Wirkungsvoll wird jede Wegführung inszeniert, wobei die homogene Betonkulisse omnipräsent bleibt.
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Farblich wurde ebenso auf Angleichung Wert gelegt. In Mock-ups näherte man sich während der Bauphase den Erdtönen der umgebenden Natur an. Der Sichtbeton behält innen wie außen sein ursprüngliches, raues und farblich changierendes Naturell, wozu auch die Natursteinfliesen auf der Dachterrasse passen. Mit dem kleinteiligen Schalungsbild wird die Betonmasse strukturiert, jedoch kaum merklich aufgebrochen. Allein die verschachtelte, kleinteilige Kubatur verhindert, dass das erhabene Wohnhaus nicht doch noch zu einer Festung wird. -sab
Bautafel
Architektur: OF. STUDIO, London
Projektbeteiligte: ABAX (Tragwerksplanung); Daniel Giandinotto (Sanitärplanung und Grauwassersystem); Daniel Giandinotto (Gasinstallationen); Daniel F. Ridi (Elektroinstallationen); Elina Llayer (Landschaftsarchitektur); SOLAR – Alfredo Estévez (Nachhaltigkeitsberatung und thermodynamische Studien); Marcelo Gassibe, Gabriel Rover (HKL); ASPEN – Juan Pablo Balaña (Lichtberatung); Miguel Gandolfo (Hersteller Holztreppe)
Bauherr*in: privat
Standort: Mendoza, Argentinien
Fertigstellung: 2024
Bildnachweis: Luis Abba
