Im Test: Dämmen mit Pilzwurzeln

Forschung am PAKK Pavilion in Tallinn, Estland

Baustoffe auf Pilzbasis erhalten seit einigen Jahren immer mehr Aufmerksamkeit. So auch in Estland: Mit dem PAKK Pavilion (PAKKu paviljon) entstand 2024 ein Experimentalbau mit einer myzelhaltigen Dämmung. Benannt ist er nach dem Forschungszentrum für Holzarchitektur (PAKK) der Estnischen Kunstakademie (EKA), das den Pavillon zusammen mit dem Unternehmen Myceen entwickelte. Er befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Akademie, im Zentrum der Hauptstadt Tallinn.

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Das Forschungsprojekt leiten Siim Tuksam, Sille Pihlak und Renee Puusepp. Es startete im Jahr 2024 und läuft noch bis Oktober 2026, finanziert von der Europäischen Union und dem Estnischen Forschungsrat. Der Pavillon wurde bewusst im öffentlichen Raum platziert, um die Forschungsergebnisse des PAKK sichtbar zu machen. Dazu gehören das modulare Bausystem Pattern Buildings und die Fassadenmodule sLender facade. Im Inneren des Pavillons sind wechselnde Ausstellungen zu den Forschungsthemen zu sehen.

Der schwarze, würfelartige Grundkörper verfügt über einen Rahmen aus Eschenstammholz, der von einer mit Dämmstoff ausgefachten Holzständerkonstruktion umgeben ist. Vorgehängt ist eine hinterlüftete Fassade mit schwarzer Holzverschalung. Zusätzlich sind prismatische Holzelemente an dem Kubus montiert, die eine Terrasse sowie eine Treppe und einen Balkon umhüllen. Es handelt sich um die sLender-Fassadenmodule, die für die Sanierung der zahlreichen estnischen Plattenbauten entwickelt wurden.

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Dämmung aus Pilzwurzeln und Sägespänen

Getestet wird außerdem eine Dämmung auf Myzelbasis: Mehr als 80 Sensoren am Pavillon überwachen die Leistung der verwendeten Mycocomposite-Dämmplatten, um ihre thermische Leistung und Schimmelresistenz zu bewerten – ein wichtiger Schritt in Richtung Markttauglichkeit. 

Das Mycocomposite besteht aus Industrieabfällen wie Sägemehl sowie aus Myzel, dem Wurzelsystem von Pilzen. Letzteres dient als natürlicher Klebstoff für das Sägemehl, während das Sägemehl die Nahrung des Pilzmyzels bildet. Dessen Wachstum wird bei Erreichen der gewünschten Struktur und Festigkeit durch eine spezielle Wärmebehandlung vollständig gestoppt. Das resultierende Material ist zu 100 Prozent schadstofffrei und hilft dabei, die Raumluftqualität zu verbessern. Darüber hinaus ist es brandbeständig.

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Bereits nach dem ersten Winter war eine erste Zwischenbilanz möglich. Im Rahmen einer Masterarbeit an der Technischen Universität Tallinn wurden die Daten analysiert. Dabei zeigte sich, dass die Pilzdämmung genauso gut funktioniert wie Mineralwolle und Holzfaser. Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,037 W/mK bieten die Dämmplatten eine solide Wärmeleistung. Dank einer Dichte von 100 kg/m3 speichert das Material Wärme effektiv und sorgt somit für ausgeglichene Innentemperaturen – im Sommer wie Winter. Des Weiteren kann der Dämmstoff Luftfeuchtigkeit aufnehmen und abgeben, ohne dabei an Wärmeleistung zu verlieren. Die Wasserdampfdurchlässigkeit hilft, Kondensation und eine daraus resultierende Schimmelbildung zu verhindern, wodurch sich das Material besonders für Nachrüstungen eignet.

Neben der myzelbasierten Dämmung werden mittels des Testgebäudes Holzwerkstoffe auf ihre Wiederverwendbarkeit hin untersucht, und es wird erprobt, wie sich minderwertiges Holz in Bauprojekten einsetzen lässt. Im Oktober 2026 soll das Projekt abgeschlossen sein.

Forschung: EKA PAKK, Myceen OÜ

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