Umbau zur Kindertagesstätte in Hannover

Kinder statt Kaffee und Kuchen

Anstelle eines Cafés im Erdgeschoss eines fünfgeschossigen Wohnhauses von Mitte der 2000er-Jahre sind Räumlichkeiten nach Plänen des Architekten Felix Rebers entstanden, die durchweg auf Kleinkinder zugeschnitten sind und zum Spielen einladen. Für gefahrlose Erkundungen auf eigene Faust sorgen unter anderem Schiebetüren. Der Zugang von außen für Erwachsene erfolgt per Code über eine schlüssellose Schließanlage.

Gallerie

Als Großprojekt im Herzen Hannovers steht das Ihme-Zentrum, das einstmals Einkaufsgelegenheiten, Wohnungen und Arbeitsplätze beherbergte, für einen zu Beginn der 1970er-Jahre noch ungebrochenen Technooptimismus. Wenn aber der heutige Zustand des in Teilen bereits zerstörten Komplexes vom Scheitern dieser ambitionierten Pläne zeugt, nimmt sich das Wohnhaus auf der gegenüberliegenden Seite der Gartenallee umso bescheidener aus. Dreeinhalb Dekaden später errichtet, mutet das Eckgebäude hinter seiner Klinkerfassade seriös, beinahe unauffällig an. Im Erdgeschoss aber der Anlage, die 26 barrierefreie Wohnungen und eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz bietet, ist ein farbenfroher Ort für die jüngste Generation entstanden. Nach dem Entwurf von Felix Rebers wurde hier eine Kindertagesstätte eingerichtet, deren Innenräume ganz auf die kleinen Nutzerinnen und Nutzer zugeschnitten sind – die durch ihre Architektur aber zugleich auch Erwachsene zu erfreuen vermag.

Neben einem Stützpunkt der Johanniter, denen die Betreuung der teils hilfsbedürftigen Bewohnerinnen und Bewohner obliegt, befand sich im Erdgeschoss des fünfstöckigen Gebäudes ursprünglich auch ein Café. Nach der Entscheidung, die Räumlichkeiten umzunutzen und eine Kindertagesstätte einzurichten, erwiesen sich zahlreiche Gegebenheiten als vorteilhaft: Während etwa die großen Fenster das Innere mit Licht fluten, bietet sich der unabhängige Außenzugang für eine flexible Nutzung mit umfassendem Publikumsverkehr an. Weitreichende Änderungen mussten jedoch an anderer Stelle vorgenommen werden, um den Erfordernissen einer Kindertagesstätte gerecht zu werden. So galt es nicht nur, die Räume neu zu gliedern und dabei etwa den Erfordernissen des Brandschutzes zu entsprechen. Zugleich sollte auch den praktischen Ansprüchen der Betreuerinnen und Betreuer Rechnung getragen werden – etwa indem ein zwischenzeitlich verschlossener Durchbruch zur Küche erneut geöffnet wurde.

Von Anfang an selbstbestimmt
Besondere Aufmerksamkeit wurde bei der Innenraumumgestaltung den Kindern zuteil, allesamt im Alter von anderthalb bis drei Jahren. Die Zielsetzung lautete, den Kindern durch die architektonische Gliederung nicht nur einen geregelten Tagesablauf näherzubringen, sondern ihnen auch größtmögliche Autonomie einzuräumen. So wurde Wert darauf gelegt, dass sich die Kinder eigenständig und gefahrlos durch alle Räume bewegen können. Dazu wurden die Räume mit Schiebetüren versehen, die die Kinder selbsttätig öffnen und schließen können. Zudem gibt ihnen eine kleine Treppe die Möglichkeit, eigenmächtig den Wickeltisch zu erklimmen.

Mehr als nur nützlich
Dabei erfüllen viele der Einbauten nicht allein ihren vordergründigen, praktischen Zweck. So laden beispielsweise die Sanitärräume, statt allein der Hygiene zu dienen, auch zu Wasserspielen ein. Ein ähnlicher Anspruch liegt der Entscheidung zugrunde, den verschiedenen Räumen der Krippe weniger dezidierte Funktionen einzuschreiben, als ihnen vielmehr besondere Atmosphären beizugeben – etwa durch den Einsatz naturbelassener Hölzer oder die sorgfältige Wahl der Farben. Auf diese Weise wurde nicht nur darauf verzichtet, den Kindern eine bestimmte Beschäftigung nahezulegen, um ihnen vielmehr die Möglichkeit zu geben, selbst herauszufinden, wie sich die Einrichtung nutzen lässt. Auch findet sich ein jedes herkömmliche erwachsene Mobiliar auf geradezu anarchische Weise herausgefordert. Wer in jungen Jahren entdeckt, dass das Einbaumöbel eine Geheimkammer birgt, wird sich auch in späteren Jahren kaum damit zufrieden geben, dass der Schrank allein den Hosen und Socken gehört.

Beschläge: Codes statt Schlüssel
Da die Kindertagesstätte in Eigeninitiative geführt wird und der Betrieb auf der Zusammenarbeit des vierköpfigen Pädagogikteams mit den Eltern und somit auf dem wechselweisen Einsatz beruht, musste auch außerhalb der Betreuungszeiten eine Zutrittsmöglichkeit für eine umfangreiche Personengruppe geschaffen werden. Statt eine konventionelle Schließanlage zu installieren und an alle Beteiligte Schlüssel auszuhändigen, fiel deshalb die Wahl auf ein elektronisches System, das sich mittels Zahlencode öffnen lässt.

Für besondere Herausforderungen bei dem Kinderladen sorgten dabei sowohl die vorgeschriebene Öffnungsrichtung der Tür, die nach außen aufschlägt, als auch das sehr geringe Dornmaß, also der Abstand zwischen der Mitte des Schließzylinders und der Stulpvorderkante. Da die Technik der Schließzylinder zumeist im innenliegenden Türknauf untergebracht ist, um so vor Witterung und Vandalismus geschützt zu sein, fallen die Drücker nicht selten groß und wuchtig aus. Der Gefahr, dass die Tür sich infolgedessen verkeilen konnte, wurde deshalb durch die Wahl eines besonders handlichen und flachen Knaufs begegnet. -ar

Bautafel

Architektur: Felix Rebers Architekt, Hannover
Projektbeteiligte:
lindener baukontor, Hannover (Baugenehmigung), Studio Hoischen & Rebers, Leipzig (Farb- und Gestaltungskonzept), hafenform, Hannover und Baufairtrieb, Hannover (Tischlerarbeiten), SimonsVoss, Unterföhring (Schließzylinder)
Bauherr/in:
Ostland Wohngenossenschaft, Hannover
Fertigstellung: 2020
Standort: 30449 Hannover
Bildnachweis: Felix Rebers, Hannover

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