Zur Entwicklung des Sonnenschutzes
Sonnenschutz ist seit jeher eine der wichtigen Aufgaben von Gebäudehüllen. Dieser Schutz gewinnt angesichts immer heißer werdender Sommer weiter an Bedeutung. Zugleich entwickeln Hersteller automatisierte Sonnenschutzsysteme, die sich mit anderen Komponenten im Haus vernetzen lassen, im Sinne eines Smart Homes. Ob und wie sie sich langfristig erhalten lassen, wird künftig immer mehr Planende und Bauherr*innen beschäftigen.
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Sonnenschutz und Klimawandel
Lange Hitzeperioden und die Zahl von Hitzetagen nehmen zu in Deutschland. Die Gebäude hierzulande sind darauf in der Regel nicht vorbereitet. Damit die Innenräume behaglich bleiben, müssen die Gebäudehülle und insbesondere die Öffnungen stärker verschattet werden. Sonnenschutzsysteme bieten sich an, weil sie in der Regel nachträglich installierbar sind. Viele von ihnen sind zudem beweglich, sodass an kalten und dunklen Tagen weiterhin Licht- und Wärmeeintrag durch die Fenster dringen kann.
Nicht nur an den Gebäuden selbst, auch im öffentlichen Raum ist Sonnenschutz zunehmend notwendig. Neben Pergolen und Sonnensegeln spenden vor allem Bäume Schatten. Darüber hinaus kühlen sie die umgebenden Bereiche durch die Verdunstung über Blätter und andere Pflanzenteile. Denselben Effekt haben auf Balkonen und Fensterbrettern stehende Gewächse sowie an Fassaden wachsende Kletterpflanzen. Neben Menschen profitieren auch andere Lebewesen von dem natürlichen Sonnenschutz.
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Materialien und Technologien
An einem warmen Sommertag soll möglichst wenig Solarstrahlung in das Gebäude gelangen, um eine Überhitzung zu vermeiden, doch zugleich möglichst viel Tageslicht genutzt werden. Im Winter hingegen soll zur Nutzung passiver Wärmegewinnung möglichst viel Solarstrahlung in den Raum dringen, ohne dass die tiefstehende Wintersonne die Menschen blendet. Zudem muss während der Nacht eine starke Auskühlung des Gebäudes durch die transparente Hülle hindurch – zumindest im Winter – vermieden werden.
Dieser teils widersprüchlichen Anforderungen begegnen Hersteller und Forschende mit der Weiterentwicklung von Materialien und Technologien, zum Beispiel:
- Hoch reflektierende, in Isolierverglasungen integrierte Jalousiensysteme
- Jalousien und Raffstore mit Tageslichttechnik
- In die Gebäudetechnik integrierte Steuerungssysteme
- In den Sonnenschutz integrierte Solarthermie- oder Photovoltaikanlagen
- Thermo-, elektro-, gasochrome Verglasungen
- Smart materials: Materialien, die sich aufgrund bestimmter Einflüsse verändern können, beispielsweise Textilien, Membranen und Folien sowie Kunststoffe, Beschichtungen und Sandwich-Systeme
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Digitalisierung und Erhaltungsfragen
Sonnenschutz lässt sich heutzutage in Gebäudeleitsysteme integrieren. Über Mobiltelefon oder Tablet ist die Position der Sonnenschutzlemente manuell steuerbar. Sind sie mit Temperaturfühlern und Lichtsensoren verknüpft, können sie sich sogar automatisch auf Wetterveränderungen einstellen. Welche Schwellenwerte bei der Temperatur- und Lichtmessung die Anpassung auslösen, können Nutzer*innen nach eigenem Empfinden festlegen. Mit dem intelligenten Sonnenschutz lässt sich aber auch Energie sparen, wenn die Nutzer*innen außer Haus sind und nicht selbst auf den Sonnenstand oder aufziehende Wolken reagieren können. Die selbstständige Steuerung macht also ein ausgleichendes Kühlen bzw. Heizen der Innenräume überflüssig.
Es gibt jedoch auch Kritik an intelligenten Gebäudehüllen. Einige Bauherr*innen greifen wieder häufiger auf hybride Systeme zurück, die datenbasiert und automatisch Verschattung und Lüftung anpassen, aber auch eine manuelle Nachjustierung zulassen. Des Weiteren sind Alternativen zur komplexen Sonnenschutztechnik gefragt, die weniger Energie im Betrieb bedürfen und zudem weniger aufwändig in der Instandhaltung sind – also Low-Tech statt High-Tech.
Was heute modern ist, kann in wenigen Jahren schon überholt sein. Gerade der Erhalt von Bauten der 1970er- bis 2000er-Jahre zeigt, wie problematisch automatisierte Gebäudehüllen sind: Die entsprechenden Systeme erfordern mitunter spezifische Kenntnisse in der Nutzung und Wartung. Oft sind Ersatzteile nicht mehr verfügbar oder müssen aufwändig und teuer nachproduziert werden. Es ist zu erwarten, dass diese Fragen zunehmend relevant werden, je mehr dieser Fassaden Denkmalschutz erhalten und je mehr auf einen sparsamen Umgang mit Ressourcen geachtet wird.
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