Großwärmepumpe in Wien

Ein weiterer Meilenstein für die Wärmewende

Die Stadt Wien will bis 2040 klimaneutral werden. Ein wichtiger Meilenstein dafür wurde nun im 11. Bezirk erreicht. Dort ist seit 2023 eine Großwärmepumpe in Betrieb, die nach ihrem vollständigen Ausbau im Jahr 2027 bis zu 112.000 Haushalte klimaneutral mit Wärme versorgen soll. Die erste Ausbaustufe für bis zu 56.000 Haushalte wurde vom Wiener Architekturbüro Smartvoll gemeinsam mit dem Betreiber Wien Energie realisiert. Die Halle, in der die Anlagentechnik untergebracht ist, erfüllt dabei nicht nur funktionale Anforderungen, sondern setzt im industriell geprägten Umfeld am Donaukanal auch einen architektonischen Akzent. 

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Im Umfeld befinden sich zahlreiche für die Versorgung der Stadt wichtige Anlagen: etwa Wiens erstes Gaskraftwerk und seit 1980 – an einem der geografisch tiefsten Punkte der Stadt – die Wiener Hauptkläranlage. Sie reinigt täglich mehr als 500.000 Kubikmeter Abwasser aus Haushalten und Industrie. Das verschmutzte Wasser durchläuft dort mehrere mechanische und biologische Reinigungsstufen, bevor es nach rund zwanzig Stunden wieder in die Donau und damit in den natürlichen Wasserkreislauf geleitet wird. Direkt neben dem Kanal, der das gereinigte Wasser zurückführt, hat der städtische Energieversorger Wien Energie auf einem zuvor als Parkplatz genutzten Grundstück die Großwärmepumpe errichtet. Der Standort ist kein Zufall: Das Wasser aus der Kläranlage enthält noch ausreichend Restwärme, um mithilfe der Wärmepumpe bis zu zwölf Prozent der Wiener Haushalte mit Wärme zu versorgen. 

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Industriehalle mit Botschaft

Neben der Kläranlage befinden sich ein großes Einkaufszentrum mit Parkplätzen, ein Entsorgungsunternehmen und die Autobahn A4. Mit der Maschinenhalle für die Großwärmepumpe wollten die Verantwortlichen dem Ort mehr gestalterische Qualität und Identität verleihen: „Auch wenn es sich bei der Maschinenhalle um ein reines Funktionsgebäude handelt“, erläutert das Architekturbüro Smartvoll, „muss Funktion nicht automatisch als Synonym für eine einfallslose, introvertierte Standardlösung stehen – im Gegenteil. Als zeitgemäßes Industriegebäude soll es dem innovativen Energiegewinnungsprozess, der im Inneren vonstattengeht, gerecht werden.“ 

Das Bauwerk ist mit einer Hülle aus weißem, profiliertem Aluminiumblech verkleidet. Die südliche Stirnseite erhält durch eine transluzente Verglasung Tageslicht. Das mehrfach geknickte Dach erinnert hier an zwei aneinandergefügte Satteldächer. An der Nordostfassade fächert sich die Gebäudehülle auf; auch hier sind die einzelnen auskragenden Fächer auf ihrer nach Norden ausgerichteten Seite jeweils transluzent verglast. 

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Die Großform der Halle leitet sich aus den technischen und räumlichen Anforderungen ab und füllt das Grundstück nahezu vollständig aus. Entlang der Landwehrstraße entsteht so eine große Fassadenfläche, die die Planer*innen als Kommunikationsfläche nutzen: Um die im Inneren ablaufenden Prozesse der Wärmeproduktion aus Wasser zu visualisieren, wurde vor der Fassade ein Wasserbecken angelegt, das kaustische Lichtmuster auf die Wandfläche projiziert. Die Reflexionen erzeugen ein sich ständig veränderndes Bild. Ergänzend können über in die Fassade integrierte LEDs Schriftzüge dargestellt werden, etwa die Gleichung „Abwasser – Schmutz = Wasser + Energie“, die zum Slogan des Projekts geworden ist. So wird die Funktionsweise der Anlage auch im Vorbeifahren intuitiv verständlich.

Wärme aus (Ab-)Wasser

Das Prinzip der Anlage ist einfach: Das Wasser aus der Kläranlage floss bislang direkt in die Donau und nimmt nun teilweise den Umweg über die Großwärmepumpe. Je nach Jahreszeit verlässt es die Kläranlage mit einer Temperatur zwischen 12 und 23 °C. Die Wärmepumpe entzieht dem Wasser rund 6 Kelvin, sodass es die Donau nun mit einer Temperatur zwischen 6 und 17 °C erreicht. Aus dieser Energie erzeugt die Anlage über 90 °C heißes Wasser und erreicht eine Jahresleistung von bis zu 880 GWh. Das heiße Wasser wird über das mehr als 1.300 Kilometer lange Fernwärmenetz zu den Haushalten transportiert.

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Den Strom für den Betrieb der Anlage bezieht Wien Energie größtenteils direkt aus dem nahegelegenen Donaukraftwerk Freudenau, das über eine rund einen Kilometer lange Direktleitung angeschlossen ist. So stammt der benötigte Strom aus erneuerbarer Energie und die Wärmeenergie wird vollkommen klimaneutral erzeugt. Dadurch werden jährlich bis zu 300.000 Tonnen CO₂ eingespart.

Dekarbonisierung der Stadt

Die Anlage ist Teil der Wiener Dekarbonisierungsstrategie. Bis 2040 soll der Anteil der Fernwärme am gesamten Wärmebedarf von derzeit gut 40 auf 56 Prozent steigen, um die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern schrittweise zu verringern. Die Wärmeerzeugung soll sich dann im Wesentlichen auf vier Bausteine stützen: Müllverbrennung, (Groß-)Wärmepumpen, Tiefengeothermie sowie erneuerbare Kraft-Wärme-Kopplung. Nach den Planungen entfallen 31 Prozent auf Großwärmepumpen und Abwärme, 26 Prozent auf Tiefengeothermie, 22 Prozent auf erneuerbare Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und Heizkessel sowie 21 Prozent auf die Müllverbrennung.

2026 hat Wien Energie übrigens eine dritte Großwärmepumpe in Betrieb genommen. Sie nutzt die Abwärme der Rauchgasreinigung bei der Müllverbrennungsanlage Spittelau und deckt den Wärmebedarf von 16.000 durchschnittlichen Wiener Haushalten. -tg

Bautafel

Architektur: smartvoll Architekten, Wien
Projektbeteiligte: Hydro Ingenieure Umwelttechnik, Wien (Generalplanung); Raunicher + Partner Bauingenieure, Wien (Tragwerk)
Bauherr*in: Wien Energie
Fertigstellung: 2023
Standort: Landwehrstraße 7, 1110 Wien
Bildnachweis: smartvoll, Wien; Wien Energie

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