Grundwasserpumpwerk Straußen in Hörbranz
Skulpturale Infrastruktur für die Trinkwasserversorgung
Die österreichische Gemeinde Hörbranz liegt nördlich von Bregenz am Bodensee. Seit Jahren verzeichnet die Gemeinde Zuzug: Heute ist sie das Zuhause von rund 6.700 Einwohner*innen. Mit der wachsenden Bevölkerung steigt jedoch auch der Trinkwasserbedarf und so reichte das 1978 errichtete Grundwasserpumpwerk Straußen nicht mehr aus, um die Bewohner*innen dauerhaft sicher mit Trinkwasser zu versorgen. Daher investierte die Gemeinde in einen Neubau, für dessen Gestaltung firm Architekten aus dem nahegelegenen Lustenau verantwortlich zeichneten. Die Entwicklungsstrategie und technische Planung übernahm das Ingenieurbüro Rudhardt+Gasser+Pfefferkorn aus Bregenz.
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Diese Zusammenarbeit hat sich bereits bewährt: Beide Büros erarbeiteten zuvor Konzept und Gestalt des Trinkwasserpumpwerks im benachbarten Hard (siehe Surftipps). Wie in Hard vereint auch das Hörbranzer Projekt Funktionalität mit Ästhetik und besticht durch ein besonderes Erscheinungsbild. Der Neubau ersetzt an gleicher Stelle einen Vorgängerbau, der nach über fünfzig Jahren nicht nur technisch überholt war, sondern auch zu wenig Speicherkapazität bot. Der neue Flachbau zeigt sich nach außen kompakt und erscheint eingeschossig. Doch erstreckt sich das Bauwerk unterirdisch in die Tiefe; so konnte der Fußabdruck des Neubaus reduziert werden. Im Gebäudeinneren befinden sich ein Vertikalfilterbrunnen, ein Tiefbehälter, eine Druckerhöhung, Schalt- und Steueranlage sowie eine Notstromanlage.
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Relief als Blickfang
Aus Sicherheitsgründen besitzt der Neubau – wie bei Pumpwerken üblich – keine Fenster. Um der monolithischen Kubatur Struktur zu verleihen, entwarfen Albert Moosbrugger und Christian Feldkircher von firm Architekten ein plastisches Fassadenbild. Dieses besteht aus einem geometrischen Betonrelief, dessen Muster wiederkehrt und so Abwechslung und Rhythmus in die Fassade bringt. Je nach Sonnenstand und Lichteinfall verändert sich das Erscheinungsbild, das auch aus der Distanz wirkt. Diese Wirkung war beabsichtigt, da das Gebäude frei auf einer großen Wiesenfläche steht – eine Schutzzone, die weder bebaut noch landwirtschaftlich genutzt werden darf.
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Zurückhaltend, aber markant
Die zweischalige Gebäudefassade ist gedämmt, um die Temperatur im Inneren konstant zu halten. So wird Schwitzwasser vorgebeugt und die Grundwassertemperatur konstant gehalten und geschützt. Die einzigen Farbakzente des Sichtbeton-Neubaus sind zwei große, in tiefem dunkelblau lackierte Metalltore, die mit ihrer Farbe das Wasser in den Tiefbehältern referenzieren sollen. Auch die Stahltreppen im Inneren sind in diesem Blauton gestaltet. Ansonsten bleibt auch hier der Beton an Wänden und Decke sichtbar. Weitere Farbakzente setzen die knallgrünen Grundwasserbrunnen und der Schienenkran an der Decke.
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Auf dem Dach sorgen Solarpaneele für eine nachhaltige Stromversorgung. Von außen bleiben diese jedoch unsichtbar, da die hochgezogene Attika sie verdeckt. Mit klaren Formen und wenigen, gezielten Gestaltungselementen schufen firm Architekten ein markantes Bauwerk, das die Trinkwasserversorgung der Region sichert und mit den benachbarten Gemeinden Lochau und Bregenz einen Notverbund bildet. Und dabei ist der Infrastrukturbau auch noch schön anzusehen. -hs
Bautafel
Architektur: firm Architekten, Lustenau
Projektbeteiligte: Rudhardt+Gasser+Pfefferkorn Ziviltechniker (Gesamtleitung); Gaisberger (Statik); Oberhauser & Schedler Bau, Andelsbuch (Baumeisterarbeiten und Betonfassade)
Bauherrschaft: Marktgemeinde Hörbranz
Fertigstellung: 2025
Standort: Straußenweg 5, 6912 Hörbranz, Österreich
Bildrechte: Adolf Bereuter (Fotos); firm Architekten (Pläne)
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