Energiezentrale Unterfeld
Fassadenkleid für Seeenergie
Zwischen dem Schweizer Mittelland und den Voralpen liegt der Zugersee. Mit einer Fläche von etwa 38 Quadratkilometern zählt er zu den größeren Seen der Schweiz und prägt die Landschaft rund um die Stadt Zug. Einst ein wichtiger Verkehrs- und Handelsweg, ist er heute vor allem ein Naherholungsraum. Seit 2019 arbeitet die Gemeinde außerdem daran, das Wasser als Energiequelle für die Stadt zu nutzen. Möglich macht dies der Wärme- und Kälteverbund Circulago, den die Zuger Wasserwerke betreiben. Für eine 2024 in Betrieb genommene Energiezentrale dieser Infrastruktur entwarf das Architekturbüro Lütjens Padmanabhan Architekt*innen zusammen mit Bischoff Landschaftsarchitektur ein passendes Fassadenkleid.
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Circulago: ein lokales Fernwärmenetz
Circulago nutzt die konstante Temperatur des Seewassers, um über Wärmetauscher Energie zu gewinnen und damit Gebäude am nördlichen Ufer in Zug und im südlichen Baar zu heizen und kühlen. Rund 400 Meter vom Ufer entfernt wird Wasser aus 26 Metern Tiefe entnommen und über unterirdische Leitungen zur Zentrale in Schützenmatt gepumpt. Dort übertragen Wärmetauscher die im See gespeicherte Energie auf einen separaten technischen Kreislauf.
Das Wasser selbst, konstant 4 bis 8 Grad Celsius warm, bleibt Teil eines geschlossenen Systems und fließt anschließend zurück in den See. Über ein unterirdisches Netz gelangt die gewonnene Wärme oder Kälte in die Quartiere. An die Quartierzentralen sind wiederum Wärmenetze angeschlossen, welche die Endverbraucher*innen mit Energie für Heizung, Warmwasser, Klimakälte und Serverraumkühlung versorgen.
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Energiezentrale Unterfeld
Eine der lokalen Weitergabestationen ist die Energiezentrale Unterfeld, die vierte des Systems, das in den nächsten drei Jahren um zwei weitere Quartierzentralen erweitert werden soll. Da die Unterfelder Anlage in einem Landschaftsschutzgebiet liegt, musste sie oberirdisch gebaut werden. Es ist das erste sichtbare Bauwerk des Fernwärmenetzes, weshalb die Zuger Stadtbildkommission einen geladenen Wettbewerb zur Fassadengestaltung nahelegte.
Als Sieger ging das Zürcher Büro Lütjens Padmanabhan gemeinsam mit Bischoff Landschaftsarchitektur aus Baden hervor. Die Kubatur des Gebäudes war somit vorgegeben, die technische Planung größtenteils abgeschlossen. Der Entwurf inszeniert die Fassade entsprechend als angehängtes Kleid, das dem Bauwerk eine eigene Identität verleiht.
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Fassadenkleid
Faserzementplatten, die auf einer verzinkten Stahlkonstruktion montiert sind, bilden die Gebäudehülle. Durch die Anordnung der Platten und eine Fassadenbegrünung wird die industriell anmutende Materialität gekonnt gebrochen. Die Paneele sind nach innen geneigt in mehreren zurückspringenden Reihen angeordnet, sodass die Fassade wie ein Rock das Gebäude umschließt.
Diese Schichtung erzeugt eine reliefartige Oberfläche, die laut Architekturbüro an einen künstlichen Felsen erinnern soll. Versprünge zwischen den einzelnen Platten schaffen Platz für Pflanztröge. Hier wachsen Gräser, Stauden und Blumen, deren Auswahl das Team von Bischoff Landschaftsarchitektur je nach Ausrichtung abgestimmt hat. Auf zwei Drittel der Gebäudehöhe neigen sich die Platten in die entgegengesetzte Richtung und formen ein trichterförmiges Erscheinungsbild. Die Fassade öffnet sich gen Himmel und deutet an, dass hier Wasser gesammelt wird.
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Hauseigener Wasserkreislauf
Ein zentraler Clou des Entwurfs ist der eigene Wasserkreislauf. Über ein kaskadenförmiges Bewässerungssystem wird das gesammelte Regenwasser in die Pflanztröge geführt. Diese sind jeweils 4,80 Meter lang und liegen zwischen dem vertikalen Fassadentragwerk auf horizontalen Stahlträgern.
Die Tröge sind mit einem Hochleistungssubstrat befüllt. Am Boden befindet sich eine Drainageschicht, die das Regenwasser über die gesamte Troglänge verteilt. Tröge einer Ebene sind entlang der gesamten Länge über Rohre miteinander verbunden. Vertikale Fallrohre verbinden die Trogebenen miteinander.
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Pro Fassadenseite wird das Dachwasser an zwei Punkten in die Tröge geführt. Es bewegt sich durch vertikale Verbindungen in die einzelnen Ebenen. Unten angekommen, wird das Wasser auf die durchlässige Belagsoberfläche der Verbundsteine geleitet und versickert letztlich im Boden.
Für Starkregenereignisse sind ergänzend Notüberläufe installiert. Bei Dürreperioden kommt zusätzlich ein künstliches Bewässerungssystem zum Einsatz. Sinkt der Wasserstand in der Drainageschicht unter einen bestimmten Wert, wird es automatisch aktiviert. Hierfür wird Wasser aus der Hygienespülung recycelt. Über dieses System werden die Pflanzen zudem regelmäßig mit dem im Wasser beigemischten Dünger versorgt.
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So übersetzt das Gebäude den Wasserkreislauf in eine architektonische Form. Während im Inneren der Anlage der Energiekreislauf des Seewassers arbeitet, nimmt die Gestaltung der Gebäudehülle das Thema Wasser auf und macht den Kreislauf räumlich erfahrbar. Die wachsende Vegetation lässt den „künstlichen Felsen“ mit der Zeit in die Landschaft hineinwachsen und harmonisch mit dem Schutzgebiet verschmelzen. -hs
Bautafel
Architektur: Lütjens Padmanabhan Architekt*innen, Zürich
Projektbeteiligte: Gruner Berchtold Eicher, Zug (Tragwerkskonstruktion); Gruner, Zug (HKLS-Planung, Bauphysik); Bischoff Landschaftsarchitektur, Baden (Landschaftsarchitektur); ReBo & Partner, Zürich (Bauleitung); JMS Risi Tief- und Spezialtiefbau, Gulmatt (Baugrube); Schmid Bauunternehmung, Baar AG (Baumeisterarbeiten, Gerüste); Senn, Oftringen (Fenster, Außentüren, Metallbauarbeiten); Diethelm Fassadenbau, Hermetschwil-Staffeln (Fassade); Müller Steiger Bedachungen, Zug (Spenglerarbeiten, Flachdacharbeiten); AGI, Acherfang (Brandabschottungen); Hella Storen, Steinhausen (Sonnenschutz); Elpin, Zürich (Elektrische Installationen); Hälg & Co., Ebikon (Heizungsanlagen, Sanitäranlagen); Keller Kurt, Zürich (Kücheneinrichtungen); RWD Schlatter, Roggwil (Innentüren); Repoxit, Effretikon (Bodenbeläge); Sidler Zug, Zug (Plattenbelag); Maler Feurer, Kilchberg (Malerarbeiten)
Bauherrschaft: WWZ Energie AG
Fertigstellung: Mai 2024
Standort: Chollerstrasse 24, 6300 Zug, Schweiz
Bildnachweis: Philip Heckhausen (Fotos); Lütjens Padmanabhan, Zürich (Pläne)
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