Kläranlage in Arklow

Abwasserreinigung hinter mintgrünen Lamellen

Kläranlagen und Kanalisationssysteme sind eine unsichtbare, aber entscheidende Voraussetzung für urbanes Wachstum. Doch bis heute fehlt einigen europäischen Städten ein funktionsfähiges Abwassersystem. So hatte die irische Küstenstadt Arklow bis 2024 keine Kläranlage. Stattdessen floss das ungeklärte Abwasser in den Fluss Avoca, der dort in das Meer mündet – mit gravierenden Folgen für das Ökosystem. Seit Januar 2025 ist nun die erste Kläranlage der Stadt in Betrieb, entworfen von dem Dubliner Architekturbüro Clancy Moore architects. Es ist zugleich die erste ihrer Art in Irland, die von Architekt*innen gestaltet wurde.

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Arklow, nur eine Stunde von Dublin entfernt, zieht immer mehr Pendler*innen an. Dieser Zuzug belastet den lokalen Wasserhaushalt und verhindert ein nachhaltiges Stadtwachstum. Zugleich verhängte die EU in den letzten zwei Jahrzehnten hohe Bußgelder gegen Irland, da der Europäische Gerichtshof mehrfach Verstöße gegen Abwasserrichtlinien feststellte. Seit 2014 identifizierte die irische Umweltschutzbehörde daraufhin mehrere Standorte, an denen ungeklärtes Abwasser unbehandelt in Flüsse und Meere geleitet wird – mit erheblichen Umweltrisiken. Um das Problem zu lösen, investiert das staatliche Wasserversorgungsunternehmen Uisce Éireann [Irish Water] in neue Infrastrukturen. In diesem Zusammenhang förderte das Unternehmen auch den Bau der Kläranlage in Arklow. Zwar gab es bereits in den 1980er-Jahren Pläne für eine solche Anlage, die jedoch an Privatinteressen und fehlenden Baugenehmigungen scheiterte.

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Interdisziplinär und partizipativ

Den eingeladenen Wettbewerb für den Neubau der Kläranlage konnte das Team von Clancy Moore architects für sich entscheiden. Gemeinsam mit den Wasserbauingenieur*innen von Ayesa Engineers entwickelten sie eine Anlage, die nicht nur technisch, sondern auch architektonisch überzeugt. Die Baugenehmigung erfolgte 2019, der Bau begann 2021 und seit Anfang 2025 ist die Anlage in Betrieb. Das Architekturbüro verweist auf einen offenen Entwurfsprozess, der auch die Einwohnenden von Arklow und deren lokales Wissen berücksichtigte. Diese unterschiedlichen Standpunkte hätten den finalen Entwurf geprägt.

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Zwischen Fluss und Meer

Als Standort entschied man sich für ein ehemaliges Industriegelände am östlichen Stadtrand, das direkt an der nördlichen Flussmündung ins Meer liegt. Den bestmöglichen Verlauf der Abwassersammelleitungen zu bestimmen, war eine ingenieurtechnische Herausforderung, da die Topografie und die Einmündung aller Abflüsse in den Fluss nur das Nord- und das Südufer zuließen. In Nähe der Flussmündung verbindet nun eine Tunnelrohrleitung die beiden Flussseiten und leitet das Abwasser vom Südufer zur neuen Kläranlage.

Mintgrüner Hingucker

Der Komplex umfasst zwei große Gebäude für die Abwasserbehandlung und ein Verwaltungsgebäude am Eingang des Geländes. Ziel war es, die Anlage als innovative zivile Infrastruktur und deren Architektur als repräsentative Bauten weithin sichtbar zu gestalten. Dies gelingt mit sorgsam gestalteten Fassaden aus großformatigen Faserzementplatten, die beidseitig charakteristisch mintgrün eingefärbt sind. Die Paneele der Hallen sind als großformatige Lamellen um 45 Grad angewinkelt, was Luftzirkulation ermöglicht und Gerüche reduziert. Gleichzeitig entsteht eine plastische Fassade mit Licht- und Schattenspielen. Das Verwaltungsgebäude hingegen verfügt über eine geschlossene Fassade mit dementsprechend plan verlegten Faserzementplatten.

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Vertikale Abwasserreinigung

Im Inneren ist das Wasserreinigungssystem kompakt organisiert, um den baulichen Eingriff minimal und die Abläufe effizient zu gestalten. Die Wasserbecken liegen oberirdisch, um Erdarbeiten und den Abtransport des industriell kontaminierten Aushubs zu vermeiden. Statt einer horizontalen Anordnung der Becken wird das Wasser hier vertikal gereinigt. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Anlage, bei der mehrere Pumpen das Wasser von Tank zu Tank transportieren, gibt es in Arklow nur eine Pumpe, die das Abwasser aus der Kanalisation nach oben in die Anlage pumpt. Der restliche Durchfluss wird von der Schwerkraft unterstützt, was den Energiebedarf reduziert. Robotergesteuerte Kräne ermöglichen eine Wartung des vertikal organisierten Systems. Eine Solaranlage auf dem Dach deckt den Energiebedarf der Anlage.

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Die beiden Hallen sind noch nicht vollständig ausgenutzt, denn die Kläranlage ist für zukünftiges Stadtwachstum ausgelegt: Momentan zählt Arklow zwar nur 13.500 Einwohnende, die Infrastruktur ist jedoch für 24.000 Personen ausgelegt und kann mit modularer Erweiterung sogar für eine Bevölkerungsgröße von 36.000 arbeiten. Dank der Kläranlage kann sich das Flusssystem des Avoca allmählich erholen, was nicht nur das Ökosystem, sondern auch die Lebensqualität vor Ort verbessert. -hs

Bautafel

Architektur: Clancy Moore architects, Dublin
Projektbeteiligte: Ayesa Engineers (Leitende Beratung); Ward & Burke (Bauunternehmen); Tinnellys (Abbrucharbeiten); Van Oord (Lange Meeresauslassleitung); Cavan Roofing and Engineering (Stahlbau); Crown Roofing and Cladding (Verkleidung); Tracey Concrete (Betontunnelrohr); Quinn Piling (CFA-Pfahlbau); Mannings (Brückenpfahlbau); Trevor Woods Consulting Engineers (Ingenieure Bestand); Sean Dockry and Associates (Architektur Ausführung); Coyle Kennedy (Tragwerksplanung); Tobin Consulting Engineers (Projektleitung Designprozess); Roadstone (Beton/Uferbefestigung); Shay Murtagh Precast (PFT); Dan Morrissey (Asphalt); FK Lowry (Fertigteilpfähle); Avondale (Landschaftsgestaltung); CMI (Geruchskontrollsystem); Mackey Plant (Metallplattformen und Treppen); Ronan Meally and Associates (MEICA Design); ALMS (Mechanical S/C); EMCA (Elektrik); Suburban Ceilings (Trennwände); Ascension lifts (Aufzugstechnik); All Star Tiling (Fliesen)
Bauherrschaft: Uisce Éireann [Irish Water]
Standort: QVW4+6V, Ferrybank, Arklow, Wicklow Country Council, Y14 DF10 Irland
Fertigstellung: 2024
Bildnachweis: Johan Dehlin, Noreile Breen, Piera Bedin/Camilla Crafa (Fotos) & Clancy Moore architects (Pläne)

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