Holztreppen

Bauarten und Materialeigenschaften

Holz gehört im Treppenbau zu den ältesten verwendeten Materialien. Neben den traditionell handwerklich gefertigten Treppen sind inzwischen auch industriell gefertigte Systemtreppen weit verbreitet. Im Treppenbau sind vor allem Wangentreppen aus Holz üblich, aber es gibt auch hier – wie bei Metalltreppen – Faltwerktreppen, Kragarmkonstruktionen, Ein- und Zweiholmtreppen sowie anspruchsvolle Spindel- und Wendeltreppen, die in der Herstellung der gekrümmten Bauteile besonders viel vom Handwerk verlangen. 

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Bei traditionellen Bauweisen werden Tritt- und Setzstufen in die Wangen eingestemmt, mit Zapfen oder Dübeln befestigt, auf ausgeschnittene Wangen (Sägezahnwangen) aufgesattelt oder Trittstufen werden mit einem Stufenkeil auf Tragholme aufgelegt. Ursprünglich bestehen Holztreppen also aus Massivholzstufen und hölzernen Verbindungsstücken. Bei modernen Konstruktionen sind Leim- und Metallverbindungen üblich, wie zum Beispiel Schrauben und Metallwinkel sowie Stufen aus brettschichtverleimtem Holz gewählt. Diese sind belastbarer, formstabiler und neigen weniger zum Reißen. Die Dicke der Stufen liegt je nach Material und Konstruktionsweise bei ca. 40 bis 70 mm. 

Gebrauchstauglichkeit und Statische Nachweise

Sobald Holztreppen von den anerkannten handwerklichen Regeln abweichen, ist ein gesonderter Verwendbarkeitsnachweis erforderlich. Das betrifft zum Beispiel freitragende Faltwerktreppen aus Holz oder Bolzentreppen, die nur einseitig in die Wand eingespannt sind. In solchen Fällen wird in der Regel eine Europäische Technische Bewertung (ETA) oder eine allgemeine bauaufsichtliche Bauartgenehmigung (aBG) des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) benötigt, um die Standsicherheit und die Gebrauchstauglichkeit der Treppe nachzuweisen. Die statische Bemessung erfolgt nach DIN EN 1995-1-1 – Eurocode 5: Bemessung und Konstruktion von Holzbauten, die zusätzlich zu den nationalen Regelwerken und den Landesbauordnungen gelten. Ergänzend gibt es für spezielle Treppenbauweisen, wie für vorgefertigte Massivholztreppen, eigene europäische Normen, etwa die DIN EN 15644:2009-03 Traditionell konstruierte, vorgefertigte Treppen aus Massivholz – Spezifikationen und Anforderungen. Neben den Regelwerken kommen Anforderungen aus der Praxis hinzu: Im Detail entscheiden oft die Ausführung und die Gegebenheiten vor Ort wie Material- und Luftfeuchtigkeit oder Rohbautoleranzen, wie Holztreppen bewertet und entsprechend ausgeführt werden müssen. 

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Brandschutz und Gebäudeklassen 

Holz ist brennbar; für Treppen ist daher entscheidend, wie sich Material und Konstruktion im Brandfall verhalten. Die Feuerwiderstandsdauer ergibt sich aus der Dimensionierung, dem Abbrandverhalten und der Rohdichte. Mit dichteren Laubhölzern erreichen Treppen in der Regel einen längeren Feuerwiderstand als mit Nadelhölzern. Ob und wie Holztreppen eingesetzt werden dürfen, richtet sich maßgeblich nach der Gebäudeklasse gemäß Musterbauordnung (MBO) sowie den jeweiligen Landesbauordnungen. In den Gebäudeklassen 1 und 2 sind notwendige Treppen aus Holz grundsätzlich zulässig. Anders sieht es aber in höheren Gebäudeklassen aus: In GK 3 bis 5 fordert die MBO für notwendige Treppen nichtbrennbare Baustoffe. Holztreppen kommen daher für diese Gebäudeklassen nur in Ausnahmefällen infrage – etwa dann, wenn im Rahmen eines Brandschutzkonzepts eine bauaufsichtliche Abweichung genehmigt wird. Bewertet wird das Brandverhalten der Holzbauteile anhand der Klassifizierungen der DIN EN 13501-1: Klassifizierung von Bauprodukten und Bauarten zu ihrem Brandverhalten.

Bauphysik und Ausführung

Neben der Tragkonstruktion spielen auch bauphysikalische Aspekte eine Rolle. Holzstufen und Treppen haben im Vergleich zu Betontreppen eine geringere Masse und können so leichter ins Schwingen geraten. Dem Schwingungsverhalten und der Übertragung von Trittschall nach DIN 4109: Schallschutz im Hochbau kann man entgegenwirken: Entscheidend ist die Entkopplung der Treppe vom angrenzenden Bauteil, etwa durch trittschalldämmende Auflager und elastische Anschlussfugen. Auch schallmindernde Beläge wirken dem Trittschall entgegen. Ebenfalls zu beachten sind die Luft- und Materialfeuchtigkeit: Eine zu hohe Holzfeuchte kann zum Beispiel später zu Verformungen oder Knarrgeräuschen führen. In der Praxis gilt daher für Innenräume eine Holzfeuchte von etwa 8 bis 10 Prozent als optimal. Ein weiterer Aspekt ist die Rutschhemmung, besonders bei gewachsten Holzstufen; hier können zum Beispiel Stufenkantenprofile Abhilfe schaffen.

Welches Holz? – Material

Beim Materialeinsatz reicht das Spektrum von klassischen Massivhölzern bis zu industriell hergestellten Holzwerkstoffen wie Brettschichtholz oder Furnierschichtholz. 

  • Nadelhölzer wie Tanne und Fichte sind für weniger belastete Wohnhaustreppen geeignet; Kiefer lässt sich gut mit Splint als Wange einsetzen. Für Außentreppen kommen harzreiche Lärchenhölzer und Douglasie infrage, beide sind witterungsbeständiger. 
  • Laubhölzer wie sehr robustes Eichenholz, aber auch Rotbuchenholz sind wegen ihrer Härte auch für Stufen geeignet. Ahorn, ein mittelhartes Holz, eignet sich dagegen vor allem für Handläufe und Wangen. Sehr dekorativ sind Esche und das dunkle Nussbaumholz.
  • Buchenfurniersperrholz (BFU-BU) besteht aus kreuzweise verleimten Buchenfurnieren, die symmetrisch zur Mittelebene angeordnet sind und mit Güterüberwachungssiegel hergestellt werden. Es wird in Dicken von 10–40 mm gefertigt und darf im Treppenbau ohne Einzelnachweis nur mit Gütesiegel verwendet werden. Es zeichnet sich durch hohe Tragfähigkeit und Steifigkeit aus, hat jedoch ein relativ hohes Gewicht und kann Trittgeräusche stärker übertragen.
  • HFM und MDF - Platten werden aus Holzfasern gepresst, entweder mit Klebstoff (MDF, Trockenverfahren) oder ohne (HFM, Nassverfahren). Sie haben eine Dicke von 6 bis 15 Millimetern und dürfen nur mit Gütesiegel und nach Prüfung im Einzelfall durch das DIBT eingesetzt werden. Sie besitzen eine homogene Oberfläche und gute Schalldämmung, sind jedoch weniger tragfähig und empfindlich gegenüber Feuchtigkeit.
  • Furnierschichtholz (FSH) FSH besteht aus etwa 3 Millimeter dicken, meist parallel ausgerichteten Nadelholzfurnieren und kann ähnlich wie Brettschichtholz verwendet werden. Mit relativ geringer Dicke von 21 bis 75 Millimetern lassen sie sich in Überlänge bis 23 Meter produzieren. Für tragende Anwendungen quer zur Dicke ist jedoch ein Gütesiegel sowie eine bauaufsichtliche Zulassung im Einzelfall erforderlich. Es bietet eine sehr hohe Tragfähigkeit bei vergleichsweise geringem Gewicht und guter Formstabilität, hat jedoch geringere Querdruckfestigkeit und kann schalltechnisch relativ hart wirken.

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