Schallschutz bei Treppen

Grundlagen und Anforderungen

Lärm kann krank machen. Daher regelt die DIN 4109: Schallschutz im Hochbau die Mindestanforderungen an den Schallschutz, die eingehalten werden müssen, damit unzumutbare Belästigungen durch Schallübertragung ausbleiben. Für den höheren Wohnkomfort werden zudem oft die erhöhten Anforderungen der VDI 4100 herangezogen, in denen der Schallschutz nach drei Schallschutzstufen klassifiziert wird. Die Schallschutzanforderungen sollen mindestens die Nutzung der Räume (DIN), bzw. den Komfort der Räume (VDI) sichern. Störende Lärmquellen sind Geräusche aus anderen Räumen, Geräusche aus haustechnischen Anlagen und der Außenlärm, wie Verkehrslärm oder die Lärmemissionen von Gewerbeanlagen.

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Ausbreitung von Schall

Da sich Schall in einem Gebäude maßgeblich über die Luft und die Bauteile wellenförmig und in horizontaler und vertikaler Richtung überträgt, wird der Schallschutz üblicherweise anhand der Luft- und Trittschalldämmung der Bauteile nachgewiesen, zum Beispiel anhand der Wohnungstrennwände und -decken, der Treppenraumwände, -läufe und -podeste, der Wohnungseingangstüren und der Haustrennwände usw. Der Schallübertrag geschieht vor allem über benachbarte, flankierende Bauteile – man spricht von der Flankenübertragung. Aneinanderstoßende Bauteile, Treppenläufe und Podeste müssen daher schalltechnisch entkoppelt eingebaut werden, um sogenannte Schallbrücken zu verhindern. Dabei kommt es auf die korrekte Planung und Ausführung der Baudetails an, denn bereits kleine Schallbrücken an Anschlüssen oder Auflagern können die Wirkung von schalldämpfenden Maßnahmen erheblich verschlechtern.

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Kennwerte

Für die Bewertung des Schallschutzes werden folgende Kennwerte erfasst:

Luftschalldämmung: Der Luftschall überträgt sich entweder direkt über die Luft, etwa durch Gespräche oder Musik, oder im weiteren Verlauf über flankierende Bauteile. Die Luftschalldämmung wird über das bewertete Schalldämm-Maß R’w nachgewiesen.

Für Wohnungstrennwände und Treppenraumwände fordert die DIN 4109 in der Regel ein bewertetes Schalldämm-Maß von mindestens R’w = 53 dB, während bei erhöhtem Schallschutz nach DIN 4109-5 oder VDI 4100 höhere Werte angesetzt werden.

Trittschalldämmung: Der Trittschall ist eine Form des Körperschalls, er überträgt sich also über die direkte Einwirkung auf ein Bauteil, vor allem beim Begehen einer Treppe, beim Laufen oder Hüpfen auf einer Geschossdecke oder über Stöße an Wände. Der bewertete Norm-Trittschallpegel L’n,w dient heute als maßgeblicher Kennwert für die Beurteilung von Trittschall.

Für Treppenläufe und Podeste in Mehrfamilienhäusern gilt nach DIN 4109 in der Regel ein maximal zulässiger bewerteter Norm-Trittschallpegel von L’n,w ≤ 53 dB. Für erhöhten Schallschutz werden häufig Werte von etwa ≤ 47 bis 50 dB angestrebt.

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Entkopplung

Die Entkopplung unterbricht die Übertragung von Körperschall auf angrenzende Bauteile. Daher werden zum Beispiel Stahlbeton-Fertigteile nur mit speziellen Konsolenbauteilen und integrierten Entkopplungselementen verbunden. Treppenbauteile und Podeste werden zum Beispiel mit Elastomerlagern elastisch aufgelagert und Trennfugen zwischen Estrichböden und angrenzenden Bauteilen werden mit elastischen Randdämmstreifen ausgelegt. Auch Metall- oder Glasstufen werden mit Punktauflagern aus Hartgummi oder Neopren entkoppelt eingebaut. Diese elastischen Anschlüsse wirken schalldämpfend, müssen aber sorgsam und korrekt ausgeführt werden. Typische Fehler wie fehlende oder beschädigte Randdämmstreifen, überputzte Fugen oder starre Befestigungen bilden Körperschallbrücken und beeinträchtigen die Wirksamkeit von Schalldämmmaßnahmen.

Schallschutz in der Praxis

Um eventuelle Haftungsrisiken zu vermeiden, sollte der Schallschutz gründlich geplant, die Baustoffe danach ausgewählt und die Ausführung überwacht werden. Dies lässt sich nach der HOAI gesondert vertraglich vereinbaren. In der Praxis entstehen trotz normgerechter Ausführung häufig Streitfälle, da der Mindestschallschutz nach DIN 4109 nicht immer den subjektiven Komforterwartungen der Nutzer*innen entspricht. Deshalb werden bei hochwertigen Wohngebäuden oft erhöhte Anforderungen nach VDI 4100 vertraglich vereinbart.

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Brandschutz vs. Schallschutz

Aus Brandschutzgründen sind für notwendige Treppen meist Massivtreppen aus Beton erforderlich, besonders dann, wenn die Treppenläufe auch noch 90 Minuten unter Flammeneinfluss (F90) tragfähig bleiben müssen (abhängig von der Gebäudeklasse). Dabei konkurrieren zwei divergierende Vorstellungen: Zum einen soll die Treppe möglichst massiv mit den anderen Massivbauteilen verbunden werden, um die Verformungen durch das Feuer besser auffangen zu können. Zum anderen sollte aber aus Schallschutzgründen keine Verbindung zwischen den Bauteilen sein. Dies hat dazu geführt, dass die DIN 4109 besondere Anforderungen an die Begrenzung der Trittschallübertragung und an die Vermeidung von Schallbrücken im Bereich von Treppenhäusern stellt. Deshalb werden heute spezielle Schallschutzlager, Elastomerlager oder entkoppelte Treppenanschlüsse eingesetzt, die sowohl Brandschutz- als auch Schallschutzanforderungen erfüllen. 

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Leichte Treppenkonstruktionen

Das hohe Eigengewicht von Betontreppen wirkt üblicherweise günstig gegen Körperschall, denn die Masse des Bauteils absorbiert bereits einen Teil der Stoßenergie und reduziert die durch Tritte verursachten Schwingungen. Leichte Treppenkonstruktionen aus Holz, Stahl oder Hybridbauweisen reagieren aufgrund ihres geringeren Eigengewichts empfindlicher auf Schwingungen und Körperschall. Beim Begehen können spürbare Schwingungen sowie, damit verbunden, verstärkte Geh- und Trittschallgeräusche entstehen. Deshalb sind bei leichten Treppen besondere Maßnahmen zur Schwingungsdämpfung und schalltechnischen Entkopplung erforderlich. Eine Aussteifung des Treppenbauteils reduziert Schwingungen und Resonanzeffekte und damit die Effekte von Tritteinwirkungen. Weil starre Bauteile aber Körperschall besser weiterleiten, sind auch hier elastische Lagerungen aus Elastomeren, Hartgummi oder Neopren, entkoppelte Wandanschlüsse, schwingungsdämpfende Zwischenlagen sowie eine sorgfältige Ausbildung aller Befestigungsdetails die wichtigsten Schallschutzmaßnahmen. 


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