Freie Lüftung

Natürlich Lüften über Fugen, Fenster und Schächte

Zur Sicherstellung eines behaglichen Raumklimas und zur Vermeidung von Bauschäden durch Kondensatausfall ist der Luftwechsel in einem Gebäude von entscheidender Bedeutung. Er erfolgt bei der freien Lüftung auf natürliche Weise, also ohne Ventilator. Die frische Außenluft strömt über undichte Öffnungen in der Gebäudehülle (z.B. Fugen, Fenster oder Rollladenkästen) ins Gebäudeinnere. Dies geschieht über natürliche Kräfte wie den Wind, den thermischen Auftrieb oder den Gewichtsunterschied der Luft bei Temperaturdifferenzen zwischen innen und außen. Die Kräfte erzeugen einen Luftvolumenstrom, der durch das Gebäude strömt und dabei die Luft austauscht.

Gallerie

Fugenlüftung
Unter Fugenlüftung versteht man den natürlichen Luftstrom durch Spalten, Löcher und Risse im Baukörper sowie durch undichte Fenster und Türen. Diese Form der natürlichen Lüftung wird auch als Selbstlüftung bezeichnet. Die Intensität der Fugenlüftung ist abhängig von den Wetterverhältnissen, insbesondere vom Wind und kann nicht reguliert werden, ein gleichmäßiger Luftaustausch ist nicht gewährleistet. Bei starkem Wind kann der Luftwechsel auf das Vierfache ansteigen. In Altbauten beträgt der stündliche Luftwechsel in den Räumen im Winter etwa 0,3h⁻¹ < LW < 0,8h⁻¹. In Neubauten mit luftdichter Bauweise ist für eine behagliche Raumluft eine regelmäßige Fensteröffnung (Stoßlüftung) oder eine mechanische Lüftung erforderlich. Wie luftdicht ein Gebäude ist, misst der Blower-Door-Test.

Fensterlüftung
Der Luftwechsel, der beim Öffnen eines Fenster entsteht, heißt Fensterlüftung. Steht das Fenster über einen längeren Zeitraum in Kippstellung, spricht man von Dauerlüftung, wird es kurzzeitig und vollständig geöffnet, handelt es sich um die Stoßlüftung. Zwar sichert diese schnell den hygienisch erforderlichen Mindestluftbedarf, ist aber im Winter mit Heizwärmeverlusten verbunden. Die Dauer der Lüftung ist von den Außentemperaturen abhängig: Je kälter es draußen ist, desto weniger Feuchtigkeit ist in der Außenluft und desto kürzer kann die Lüftungszeit sein. Ein starker Lüftungseffekt wird durch die Querlüftung erzielt, wo gegenüberliegende Fenster und/oder Türen geöffnet werden. Mit elektrischem Antrieb ausgestattet, lassen sich die Räume auch regelmäßig lüften oder im Sommer über Nacht auskühlen. Auch über Doppelfassaden mit permanent durchlüfteten Zwischenräumen, ist eine natürliche Lüftung des Gebäudes ohne Raumlufttechnische Anlagen (RLT) möglich. Dabei sind für eine rasche Nachtauskühlung die Fenster oder Lüftungsklappen gegenüberliegend anzuordnen.

Schachtlüftung
Mit der Luftführung von einem über Dach geführten Schacht lässt sich der natürliche Luftwechsel verstärken. Die Schachtlüftung nutzt den natürlichen Auftrieb (Schornsteinwirkung). Ein Anwendungsbeispiel ist die Lüftung von fensterlosen Bädern und Toilettenräumen ohne Ventilator (DIN 1946-6 Raumlufttechnik - Teil 6: Lüftung von Wohnungen - Allgemeine Anforderungen, Anforderungen zur Bemessung, Ausführung und Kennzeichnung, Übergabe/Übernahme (Abnahme) und Instandhaltung). Jeder zu lüftende Raum ist mit einem eigenen Luftkanal über Dach auszustatten. Die in der Vergangenheit in Altbauten verwendete Berliner Lüftung (Zuluft über undichte Fenster- und Türfugen) ist nicht mehr zulässg, weil die EnEV Luftdichtheit fordert.

Dachaufsatzlüftung
Durch das Anordnen von Lüftungsaufsätzen (Saugern) oder von kurzen Schächten, Dachreitern oder Dachlaternen an der höchsten Stelle eines Daches kann die Schachtlüftung verbessert werden. Diese Art der Lüftung kommt hauptsächlich bei Gebäuden mit industrieller Nutzung zur Anwendung. Dort herrschen in der Regel höhere Temperaturen in den Innenräumen, sodass ständig für Frischluft gesorgt werden muss. Um eine zu starke Auskühlung im Winter und eine zu starke Erwärmung im Sommer zu vermeiden, sollten die Abluftöffnungen durch Stellklappen oder Jalousien verstell- bzw. verschließbar ausgebildet sein. Eine Sonderform der Schacht- und Dachaufsatzlüftung sind Anlagen zum natürlichen Abzug von Rauch und Wärme (RWA).

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