Hojvangen Kirche in Skanderborg

Versammlungsort mit flexiblen Nutzungsmöglichkeiten

Skanderborg ist eine Kleinstadt südlich von Aarhus im dänischen Ost-Jüterborg. Im Stadtteil Højvangen plante die evangelisch-lutherische Gemeinde den Bau einer eigenen Kirche als Erweiterung ihres Gemeindezentrums. Den Architekturwettbewerb gewann das dänische Büro Henning Larsen Architects zusammen mit dem Norweger Espen Surnevik. In einer Zeit, in der viele Kirchen Mitglieder verlieren, leer stehen oder umgewidmet werden, ist dieser Neubau bemerkenswert – er ist der erste in Skanderborg seit etwa 500 Jahren.

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Sakralbau und Versammlungsort

Die Gemeinde und das Architekten-Team schufen keine klassische Kirche im liturgischen Sinn, sondern einen offenen, einladenden Versammlungsort. Zwar finden sich traditionelle Elemente wie Kreuz, Altar, Taufbecken, Sakristei, Aufbahrungskapelle und eine Art Kreuzgang, doch durch behutsame proportionale Änderungen entstanden flexible Räume mit erweiterten Nutzungsmöglichkeiten.

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Architektur: Türen und Raum

Die Kirche hat weder eine Front- oder Schaufassade noch ein repräsentatives Eingangsportal. Stattdessen gruppieren sich eingeschossige Quader um den zweigeschossigen Kirchenraum im Zentrum. Dieser quadratische Zentralraum bricht mit der traditionellen Ausrichtung eines Kirchenschiffs mit Chor und Apsis. Schräg stehende Wandscheiben, die an gestaffelte Lamellen oder atmende Kiemen erinnern, umfassen die vier Seiten.

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15 Türen zwischen den „Kiemen“ verbinden den Kirchenraum mit einem umlaufenden Gang, der typologisch einem Kreuzgang entspricht, aber anders als in Klöstern nicht um einen Innenhof, sondern um den Kirchenraum führt. Der Gang stellt einen Bezug zwischen Innen und Außen her. Er öffnet den Blick auf den nahen Wald und verbindet zwei Eingänge mit dem Foyer und Nebenräumen wie den Sanitäranlagen, einem Stuhllager, einem Familienzimmer und Besprechungsräumen. Die Dimensionierung von Kirchenraum und umlaufendem Gang folgt der gotisch-mittelalterlichen Proportionslehre, nach der die Diagonale eines quadratischen Innenhofs genauso lang sein soll, wie die Seitenlänge des Kreuzgangs. Dieses Prinzip sorgt für ein harmonisches Raumgefüge.

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Licht und Materialien

Holzgitter, die wie durchlässige Täfelungen wirken und in die die Türen eingefügt sind, füllen die Zwischenräume zwischen den Kiemen. Sie filtern das Licht und reichen bis zu den Dachträgern aus Brechtschichtholz. Ab der Oberkante der Türen sind die Öffnungen als Kirchenfenster verglast – schlicht und transparent, ohne Bleiglas oder farbige Verzierungen. Das durch die Gitter einfallende Tageslicht verändert sich im Lauf des Tages und spiegelt den Wechsel der Jahreszeiten wider.

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Die Pendelleuchten für die künstliche Belichtung wirken wie schwebende Kerzen und erzeugen ein sehr weiches, warmes Licht. Ihre Zylinder aus Alabaster hängen an stabförmigen Schäften aus gebürsteter Bronze. „Licht war für uns ein zentraler Designfaktor“, erläutert Eva Ravenborg, Architektin im Team von Henning Larsen. „Es ist mehr als ein physisches Element – ​​es verleiht dem Raum eine ruhige, fast spirituelle Qualität und hebt das Erlebnis des Kirchenraums über das Alltägliche hinaus.“

Mobiliar und Flexibilität

Die Gemeinde entschied sich gegen Kirchenbänke und für Stühle, die flexibel angeordnet werden können. Während der Gottesdienste, zu Konzerten oder Vorträgen lassen sie sich in Reihen, im Kreis, gruppiert oder im Möbellager gestapelt, aufstellen. Henning Larsen Architects entwarfen die Stühle zusammen mit dem dänischen Möbelhersteller Brdr Krüger. Ein schlichter rechtwinkliger Korpus aus geölter Eiche bildet den Rahmen, die Sitzfläche besteht aus geflochtenen hellen Leinenbändern.

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Farb- und Materialkonzept

Das zurückhaltend-klare Farbkonzept, das nach dänischer Tradition auf hochwertigen und langlebigen Materialien beruht, setzt sich in der gesamten Architektur fort. Sandig-hellgraue Ziegel verbinden den Neubau optisch mit dem bestehenden Gemeindehaus. Hellgrau sind auch die Natursteinplatten der Böden sowie die Sitzkissen in den Nischen des Kreuzgangs. Alle Holzelemente sind aus Eiche gefertigt. Messing betont das Kreuz und setzt bei den Tür- und Fensterprofilen goldgelbe Akzente.

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Ein terrassierter Hof mit Sitzstufen und ein abgesenkter Weg verbinden die Kirche mit dem Gemeindezentrum, das weitere flexibel trennbare Versammlungsräume um einen Innenhof beherbergt. Ein neuer Glockenturm aus den gleichen hellgrauen Ziegeln und ein geometrisch angelegter Landschaftsgarten vervollständigen das Ensemble. -sj

Bautafel

Architektur: Henning Larsen Architects zusammen mit Espen Surnevik, Oslo
Projektbeteiligte: Ramboll Studio Dreiseitl, Berlin (Ingenieure); Schul Landskab & Planlaegning, Kopenhagen (Landschaftsgestaltung); Kreon, Brüssel (Leuchten); Brdr Krüger, Kopenhagen (Möbel)
Bauherr*in: Evangelisch-Lutherische Gemeinde Skanderborg
Fertigstellung: 2024
Standort: Mallinggardsvej 3, 8660 Skanderborg, Dänemark
Bildnachweis: Fotograf Rasmus Hjortshøj, Kopenhagen; Zeichnungen Henning Larsen Architects 

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Das Wort Jali stammt aus dem Sanskrit. Es bedeutet Gitter oder Netz und bezeichnet perforierte Platten respektive Tafeln aus Stein oder Holz, die die Fensteröffnungen vollständig ausfüllen.

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Jali

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Fensterarten

Obergadenfenster

Als eine Reihung von Fensteröffnungen bilden sie ein horizontales Band in linearer, kreisförmiger oder elliptischer Anordnung im oberen Wand- und Deckenbereich.

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