Artefakt
Immaterielle, gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung, Exponate und Symbole
Ein Artefakt ist ein Objekt im Sinne eines handwerklich, künstlerisch oder technisch geschaffenen Werks. Der Begriff setzt sich aus den beiden lateinischen Vokabeln ars (Kunst) und factum, einer Ableitung des Verbs facere (machen oder tun) zusammen.
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Materielle Eigenschaften und immaterielle Bedeutung
Ein Artefakt hat nicht nur materiell-physische Eigenschaften, sondern erhält durch immaterielle, gesellschaftliche und kulturelle Faktoren Bedeutung. Diese Faktoren können beispielsweise die Einzigartigkeit, die Herkunft, das Alter oder die besondere Kunstfertigkeit sein. Aber auch der Wert und symbolische Ausdrucksformen für Repräsentation, Macht, Status und Herrschaftsverhältnisse spielen eine Rolle. Kulturwissenschaftlich sind Artefakte deshalb vergleichbar mit Spolien (siehe Fachwissen zum Thema), archäologischen Fragmenten und denkmalpflegerisch restaurierten Gegenständen. Ehemals genutzte Objekte wie Tür- und Fensterflügel, Beschläge und Schlüssel können daher sogar zu Exponaten in Museen werden.
Allerdings hat der Begriff in anderen Disziplinen wie in der Medizin und IT-Technik eine völlig andere Bedeutung im Sinne von Fehler, Störung oder Schaden.
Beispiele in chronologischer Reihenfolge
Ein besonders altes Artefakt ist das Fragment einer Tür aus der altägyptischen 18. Dynastie. Dieses Objekt wird etwa auf 1479 bis 1425 v.Chr. datiert, da die noch sichtbaren Kartuschen auf die beiden Pharaonen Thutmosis I. und Thutmosis II. hinweisen. Vermutlich handelt es sich um eine ursprünglich aus Theben stammende Tür zu einem Schrein. Die Tür ist aus Zedernholz gefertigt und trägt Spuren von Farbe, Leinen, Gold, Bronze und Kupfer. Sie befindet sich heute im Metropolitan Museum of Art in New York.
Die eicherne Klostertür mit einer Naturstein-Laibung aus Spitzbögen und Eselsrücken stammt aus Poitou in Frankreich und wird auf die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert. Heute befindet sie sich eingemauert in The Met Cloisters. Diese Zweigstelle des MET NY zeigt eine Sammlung mittelalterlicher Architekturfragmente, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Artefakte überwiegend aus den Ruinen französischer Klöster aufgekauft und in die USA transportiert wurden.
In Lübeck schmückt ein verziertes Renaissance-Portal mit einer Rokoko-Tür ein noch wesentlich älteres Haus aus dem 13. Jahrhundert. Das Haus in der heutigen Alfstraße 38 wurde zur Zeit der norddeutschen Backsteingotik erbaut und diente vermutlich als repräsentatives Kontor- oder Gildenhaus. Die zeitliche Schichtung der Artefakte verweist auf die jahrhundertelange Tradition Lübecks als wohlhabende Hansestadt. Das Baudenkmal wird heute als Hotel genutzt.
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Das Fachwerkhaus „Im Güldenen Arm“ wurde unter dem preußischen König Friedrich Wilhelm I. um 1737 während der zweiten barocken Stadterweiterung Potsdams errichtet. Der namensgebende goldene Arm, das Symbol für das Handwerk, bildet zusammen mit Wolken, Ranken, einem Adler als Wappentier Preußens und zwei Putten mit Werkzeugen (Figur ähnlich einem Engel) eine auffällig große Supraporte (siehe Fachwissen zum Thema) über einem doppelflügeligen Holztor mit Schlupftür. Der damalige Bewohner August Melchior Erhardt, dem der König das Haus geschenkt hatte, schnitzte die Supraporte als stolzen Verweis auf seine Handwerkskunst als Holzbildhauer. Von Einsturz und Abriss bedroht wurde das Haus 1994 bis 1997 saniert und kann heute als denkmalgeschütztes Museumshaus besichtigt werden.
Der Schlüssel aus Stahl und vergoldeter Bronze trägt mit dem Monogramm M und J die Initialen von Maximilian I. Joseph, der von 1806 bis 1826 als erster König Bayern regierte. Der Schlüssel ist mit einer Länge von 18,4 cm relativ groß und daher nicht nur ein Funktionswerkzeug, sondern als Kammerherrenschlüssel ein Symbol für den Zugang zum engen Zirkel um den König. -sj
Fachwissen zum Thema
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