Pflanzliche Fasern: Sisal

Sisal, gewonnen aus den dicken, schwertförmigen Blättern der Sisal-Agave, zählt zu den widerstandsfähigen pflanzlichen Fasern, die seit dem 19. Jahrhundert für Bodenbeläge und textile Oberflächen genutzt werden. Die mehrzelligen, geraden Fasern werden in Bündeln von rund 90 mm Länge verarbeitet und zeichnen sich durch ihre Robustheit und Langlebigkeit aus. Ursprünglich in Mexiko beheimatet, fand die Sisal-Agave im Laufe des 19. Jahrhunderts Verbreitung in Regionen wie Afrika, Brasilien und Indonesien.

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Geschichte

Die Nutzung von Sisal für Teppiche begann in Europa in den 1920er Jahren, als der Art-Déco-Stil natürliche Texturen und zeitloses Design in Innenräumen besonders nachfragte. In den 1950er-Jahren wuchs die Popularität von Sisalteppichen auch in den USA, wo sie zu einem wichtigen Bestandteil zeitgenössischer Gestaltung wurden. Während Sisalteppiche anfänglich überwiegend von Hand gewebt oder geknüpft wurden, erlaubten technologische Entwicklungen im 20. Jahrhundert eine effizientere maschinelle Produktion. Heute kommen eine Vielzahl von Fertigungstechniken zum Einsatz, die die Einsatzmöglichkeiten von Sisal im Bodenbereich weiter ausdehnen.

Herstellung und Verarbeitung

Im sogenannten Faseraufschluss werden die trockenen Fasern vom Grundgewebe getrennt, anschließend gespült, getrocknet und nach Qualität sortiert. Besonders helle, glatte und widerstandsfähige Fasern gelten als hochwertig. Früher erfolgte dieser Arbeitsschritt manuell, heute kommt überwiegend maschinelle Verarbeitung zum Einsatz.

Für Bodenbeläge werden die Sisalfasern zu Garnen unterschiedlicher Stärke versponnen und zu verschleißfesten Geweben verarbeitet. Aufgrund ihrer groben Beschaffenheit eignen sie sich ausschließlich für die Webverarbeitung, sei es für Bahnenware oder Fliesen, die vollflächig verklebt, fixiert oder verspannt werden. Die Rückenbeschichtung besteht dabei meist aus Natur- oder Kunstlatex.

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Eigenschaften und Einsatzbereiche

Dank ihrer guten Färbbarkeit sind Sisalbeläge neben warmen Naturtönen auch in kräftigen Farben erhältlich. Da sie bei Feuchtigkeit Flecken bilden können, eignen sie sich nicht für Nassräume, lassen sich jedoch problemlos über Fußbodenheizungen verlegen. Sisalböden sind antistatisch, von Natur aus schwer entflammbar, stuhlrollengeeignet, verschleißfest, mottenresistent und leicht zu reinigen.

Neben dem Einsatz als Bodenbelag, wird die Sisalfaser unter anderem für Taue, Seile, Garne, Matratzenfüllungen oder als Poliermittel für technische Anwendungen genutzt. Für Textilien ist die Faser weniger geeignet, im Bereich der Verbundwerkstoffe wird ihr Potenzial derzeit erprobt. Die außergewöhnliche Zähigkeit, hohe Zugfestigkeit und besondere Steifigkeit machen Sisal zu einem robusten und vielseitigen Naturmaterial.

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