Turbinenhaus in Derendingen
In Aluminium gehüllt
Am östlichen Ufer des Emmenkanals, auf dem Areal einer ehemaligen Spinnerei in der Schweizer Gemeinde Derendingen, befindet sich das Turbinenhaus – ein achtgeschossiger Wohnneubau, realisiert nach Plänen des Zürcher Planungsbüros Atelier Nu. Als bauliche Schwelle zur westlich angrenzenden Natur und als Teil der räumlichen Fassung des Spinnereiplatzes übernimmt es eine zentrale Rolle im städtebaulichen Gefüge des kleinen Dorfes. Seine gestalterische Idee lehnt sich an das Funktionsprinzip der Turbine an – einer Maschine, die sich durch Wasser, Dampf oder Gas um die eigene Achse dreht.
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Matt schimmerndes Fassadenbild
Bereits aus der Ferne fällt die Aluminiumfassade des Gebäudes ins Auge, deren matt schimmernde Oberfläche an die metallische Beschaffenheit von Turbinen denken lässt. Großflächige Trapezbleche gliedern die Vertikale des polygonal geschnittenen Wohnhauses; kleinteiligere, glatte Aluminiumelemente akzentuieren die Horizontale. Ein einzelnes, schräg angeordnetes Paneel im Erdgeschoss ist vollständig verspiegelt und reflektiert Eindrücke der Nachbarschaft.
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Spiralartige Grundrissorganisation
Der Haupteingang liegt an der Ostfassade. Auch im Innenraum wird das Bild der Turbine aufgegriffen: Die Grundrissorganisation entwickelt sich spiralförmig von einem inneren Kern nach außen. Das kupferrot gefasste Treppenhaus bildet dabei sinnbildlich das zentrale „Drehmoment“ des Gebäudes. Eine Lichtkuppel führt natürliches Tageslicht in den fensterlosen Erschließungskern. Aluminiumbriefkästen im Eingangsbereich mit scheddachartiger Gestaltung erinnern an das industrielle Erbe des Geländes. Metallene Maschendrahtgeländer im Treppenhaus führen das technoide Gestaltungskonzept fort. Ein seitlich angeordneter Aufzug ermöglicht die barrierefreie Erschließung der Wohnungen.
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Öffentliche Nutzungen im Erdgeschoss
Das Erdgeschoss mit doppelter Raumhöhe ist öffentlichen Nutzungen vorbehalten. Im westlichen Gebäudeteil lädt ein Café mit Außenbereich am Emmenkanal zum Verweilen ein. Eine massive, türkisfarbene Tür mit halbmondförmigem Stoßgriff aus gefaltetem Aluminium verbindet den gastronomischen Bereich mit einem Veranstaltungsraum auf der Nordostseite. Zwei weitere Räume an der Südfassade folgen einem flexiblen Nutzungskonzept und bieten Platz für kreative Workshops, nachbarschaftliche Begegnungen oder physiotherapeutische Zwecke.
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Polygonale Wohnungen mit Höhenversatz
In den oberen sechs Geschossen sind insgesamt 24 Wohnungen untergebracht. Auf jedem Geschoss befinden sich vier Wohneinheiten, die jeweils dreiseitig belichtet werden. Analog zur Gebäudegeometrie sind auch die Wohnungsgrundrisse polygonal geschnitten und scheinen sich in ihrer Form schaufelartig mit der Umgebung zu verzahnen.
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Während die Wohnungen an der Nordost- und Südostfassade auf allen Ebenen eingeschossig ausgeführt sind, zeichnen sich die Einheiten an der Nordwest- und Südwestfassade durch besondere räumliche Qualitäten aus: In zwei vertikalen Gruppen sind jeweils drei Wohnungen übereinandergestapelt – bestehend aus einer Wohnung mit einem doppelhohen Wohnzimmer, einer Split-Level-Wohnung mit Versatz nach unten sowie einer dazwischenliegenden Einheit. Letztere verfügt über ein Zimmer weniger, was auf den Höhenzuschlag, der darüber- und darunterliegenden Wohnungen zurückzuführen ist.
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Griffe aus gefaltetem Aluminium
Die metallische Materialität von Fassade, Treppengeländer und Briefkästen findet sich in den Wohnungen wieder: Die Griffe an Küchenschränken und Einbauten bestehen aus gefaltetem und gebürstetem Aluminium. Sie sind flächenbündig an den Schubladen und Fronten angebracht und wirken, als sei ein Metallblatt in die Schlitze eingeschoben worden. Aufgrund seiner hohen Formstabilität, Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit eignet sich Aluminium als Beschlagsmaterial besonders gut.
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An Fenstern und Balkontüren kommen standardisierte Dreh-Kipp-Beschläge zum Einsatz. Im Erdgeschoss sind Letztere als einbruchhemmende, abschließbare Variante verbaut. Die Nassbereiche in den Wohnungen lassen sich durch klassische Badezimmerverriegelungen mit Rosettengarnituren abschließen.
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Gemeinschaftsküche und Dachterrasse
Das Gebäude verfügt über ein gemeinschaftlich genutztes Dachgeschoss, das als intensiv begrünter Dachgarten gestaltet ist. Baumpflanzungen und Gräser tragen zur natürlichen Beschattung und Mikroklimaregulierung bei. Eine großzügig gestaltete Gemeinschaftsküche mit angeschlossener Terrasse schafft Raum für Erholung und nachbarschaftlichen Austausch. -sms
Bautafel
Architektur: Atelier Nu, Zürich
Projektbeteiligte: Jil Ehrat, Michael Blaser, Yvo Corpataux
Fertigstellung: 2024
Standort: Spinnereiplatz 2, 4552 Derendingen, Schweiz
Bildnachweis: Federico Farinatti (Fotos); Atelier Nu (Pläne)
