Museu da Fotografia in Fortaleza
Vor Sonne und Hitze abgeschirmte Ausstellungsräume
Mit über 2.000 Exponaten, die bisher der Öffentlichkeit nicht zugänglich waren, präsentiert das 2017 eröffnete Museu da Fotografia im brasilianischen Fortaleza eine der größten fotografischen Sammlungen des Landes. Zu sehen sind Bilder berühmter Fotografen wie Henri Cartier-Bresson oder Marcel Gautherot, aber auch zeitgenössische Fotokunst von Claudia Ajundar oder Werke des Fotojournalisten André Liohn. Für das Museum wurde eine ehemalige Schule im lebendigen Stadtviertel Varjota umgebaut. Auf einer Grundfläche von rund 2.000 Quadratmetern erstreckt sich das Gebäude in einem schmalen Baublock, im Westen wie im Osten durch Straßen begrenzt. Der Umbau nach Plänen von Marcus Novais Arquitetura war notwendigerweise radikal, da die vorgefundene bauliche Struktur für ein Ausstellungshaus gänzlich ungeeignet war – mit unterschiedlichen Deckenspannweiten und -richtungen, niedrigen Räumen, kleinen Fensteröffnungen, einer schlechten Zugänglichkeit sowie einer Fassade, die die Interaktion mit der Öffentlichkeit schlicht unmöglich machte.
Gallerie
So wurde der viergeschossige Altbau, dessen Untergeschoss etwas erhöht liegt, zunächst bis auf die tragende Struktur zurückgebaut. Vorhandene Decken- und Fensteröffnungen wurden bis auf ein zentrales Atrium geschlossen. Dort positionierten die Architekten die Haupterschließung – eine zweiläufige Treppe und einen Aufzug. Die einst schultypische lineare Wegeführung wurde aufgebrochen und durch einen offenen Kreislauf von Wegen und Sichtbezügen zwischen den Räumen und dem Atrium abgelöst.
Dass das Museum für Fotografie heute sehr wohl als Ausstellungsgebäude wahrnehmbar ist, bewirken zwei große architektonische Gesten: Zum einen die perforierte metallische Fassade, die die oberen Etagen umhüllt wie ein geheimnisvolles Kleid. Zum anderen die hoch aufragende, das Gebäude L-förmig umschließende abgewinkelte Stahlbetonwand an der Nordseite, die als schützende Überdachung auf die besondere Nutzung hinweist. Der breite verglaste Haupteingang oberhalb des Souterrains scheint gleichsam auf einem Sockel. Die Besucher gelangen über wenige, bei Dämmerung hinterleuchtete Stufen hinauf – oder über eine seitlich im Zick-Zack geführte Rampe. Auf der Eingangsebene befinden sich außer dem Empfang ein Café, ein Museumsshop und ein Bereich für Wechselausstellungen. Die Dauerausstellung erstreckt sich auf nahezu identischen Grundrissen im ersten und zweiten Obergeschoss. Eine weite Dachterrasse eröffnet auf der obersten Etage Ausblick auf das Stadtviertel in östliche Richtung. Ihr gegenüber bietet ein Mehrzweckraum Platz für Workshops, Vorträge und andere Veranstaltungen. Die Räume für die Verwaltung und das Archiv befinden sich im Untergeschoss, das zur Hälfte als Tiefgarage genutzt wird.
Bauphysik/Gebäudetechnik
Um die Ausstellungsfläche zu maximieren und die empfindlichen
Fotografien vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen, sind die
Außenwände der oberen Etagen nahezu geschlossen ausgebildet.
Indirekt gelangt Tageslicht durch das Atrium an zentraler Stelle
ins Gebäude, speziell im Bereich der Erschließung. Darüber hinaus
werden die Exponate durch Kunstlicht in Szene gesetzt – warmweißes
Licht, das auf eine Farbtemperatur von 3.000 Kelvin festgelegt ist,
um Verfärbungen und anderen Alterungserscheinungen
entgegenzuwirken. Nicht nur die Lichtverhältnisse, auch die
klimatischen Bedingungen wie Temperatur und Feuchte in den
Ausstellungsräumen müssen relativ konstant sein. Bei
Außentemperaturen, die nur selten unter 25°C liegen, war die
Kühlung des Gebäudes eines der Hauptprobleme. Unterstützend wirken
die L-förmige Betonkonstruktion als gleichmäßiger Schattenspender,
die Stahlbetonwände und -decken sowie die Fassade aus perforierten
Aluminium-Verbundwerkstoffplatten, hinter der sich ein Teil der
Gebäudetechnik verbirgt. Weil Größe und Dichte der Perforationen
variieren, erscheint sie bewegt – tatsächlich bleibt sie
undurchsichtig. Als Beschattungselement und Lichtfilter schützt sie
vor der intensiven Hitze der Nachmittagssonne.
Die Einschränkungen der vorhandenen Bausubstanz ließen den
Planern nur wenige Möglichkeiten, den technischen Anforderungen zu
genügen. Aus der Not wurde eine Tugend: Sichtbare
Installationstrassen ergänzen die wenig strukturierten
Stahlbetonunterzüge zu einem geordneten System. Um trotz fehlender
Platzreserven eine Gebäudeklimatisierung mit Lüftungskanälen zu
realisieren, wurden dezentrale Hi-Wall-Systeme installiert. Sie
bestehen jeweils aus einem Innen- und einem Außengerät und sorgen
für die individuelle Kühlung und Klimatisierung einzelner
Museumsbereiche. Die Metallfassade dient als Verkleidung der
Außengeräte, die nur an der Front positioniert werden
konnten.
Bautafel
Architekt: Marcus Novais Arquitetura, Fortaleza
Projektbeteiligte: Yuri Praça, Thiago Baêtas (Projektleitung), Fernando Araújo, Daphny Xavier, Renato Oliveira, Andrinne Araújo, Marcela Craveiro (Mitarbeiter Architekturbüro); Pedro Cumaru (Klimatisierung), Studio IX (Lichtplanung), Simpex (Generalunternehmer) – alle Fortaleza; UTP engenharia, Curitiba (Gebäudetechnik)
Standort: Rua Frederico Borges, 545 – Varjota, Fortaleza, Brasilien
Fertigstellung: 2017
Bildnachweis: Celso Oliveira, Rio de Janeiro; Igor Ribeiro, São Paulo; Marcus Novais Arquitetura, Fortaleza