Water Works: Ecosocial Design
Valiz, Amsterdam 2025
400 Seiten, farbige Abbildungen, Format 24 x 17 cm Softcover, Englisch
Preis: 29,90
ISBN 978-94-93246-45-4
Wasser prägt vielfältige ökologische und soziale Beziehungen, wie Henriëtte Waal und Clemens Driessen in ihrer neuen Publikation Water Works: Ecosocial Design zeigen. Wasser sei nicht einfach nur Wasser, es sei kein Objekt, sondern vielmehr ein Prozess: Water works – im Sinne des Kreislaufgedankens arbeitet es kontinuierlich, sickert durch Spalten, kondensiert. Zugleich ist Wasser produktiv, es kreiert, indem es kocht, wäscht oder zur Trägersubstanz wird. Doch geht es den Herausgeber*innen nicht um ein funktionales Verständnis von Wasser, sondern um die Beziehungen, die durch diese aktive Rolle des Wassers entstehen. Aus interdisziplinärer Perspektive beleuchten die Künstlerin und Designerin Waal und der Philosophen und Kulturgeograf Driessen diese beziehungsstiftenden Charakteristika von Süßwasser.
In sieben Kapiteln widmen sich Beiträge in unterschiedlicher Form den Themen Purity, Wild, Scale, Representation, Violence, Infrastructure und Commerce. Sie sollen das Spannungsfeld abdecken, das sich für ein „Ecosocial Design“ im Umgang mit Wasser ergibt. Neben Essays berichten verschiedene Akteur*innen in Interviews über ihr Verhältnis zu Wasserinfrastrukturen und kulturelle Vorstellungen von Wasser. Berichte über Site Visits, künstlerische Beiträge und großformatige Fotografien ergänzen diese Vielstimmigkeit zu einem globalen Kaleidoskop von lokalem Wasserwissen, das konventionelle Vorstellungen hinterfragt und alternative gestalterische Lösungen aufzeigt. Die abwechslungsreiche Buchgestaltung von Bart de Baets setzt diese thematische Vielfalt auch visuell um.
Galerie
In Zeiten der Klimakrise spielt Wasser eine zentrale Bedeutung. Rein technisch-ingenieurwissenschaftliche Lösungen reichen nicht aus, um mit aktuellen ökologischen und sozialen Herausforderungen umzugehen. Eindrucksvoll zeigt dies der Essay über den Polderbau von Shanhoor Hasan im Kapitel Infrastruktur. Hasan widmet sich dem Export niederländischen Wissens über den Polderbau nach Bangladesh, und analysiert die negativen Folgen dieses kolonialen Projekts, das lokales Wasserwissen ignorierte. Stattdessen brachte der Bau von Poldern im Rahmen von Entwicklungshilfe-Projekten den lokalen Wasserkreislauf des Gangesdelta aus dem Gleichgewicht – mit fatalen Folgen für das Ökosystem und die Gesellschaft. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie wichtig ein integrativer Gestaltungsansatz ist, der technisches und sozial-ökologisches Wissen vereint.
Die Vulnerabilität von Wassersystemen zeigt sich nicht nur bei großflächigen Infrastrukturen, sondern auch beim Thema der Verschmutzung. Das Kapitel Purity untersucht die trügerische Idee der Reinheit in einer „dauerhaft verschmutzten Welt“. Wasser ist nie statisch, nie rein, sondern verändert sich ständig. Ein Problem bilden dabei die sogenannten Ewigkeitschemikalien, die aufgrund ihrer chemischen Struktur nicht zerfallen und über Jahrhunderte Teil des Ökosystems bleiben. Ökosoziales Design muss Wege finden, mit dieser auch gesundheitsgefährdenden Unreinheit umzugehen, argumentiert Ils Huygens in seinem Essay.
Doch es gibt auch optimistisch stimmende Beiträge. So berichtet die slowenische Künstlerin und Architektin Marjetica Potrč von dem King’s Cross Swimming Pool, den sie mit Ooze Architects in London auf einer Baustelle schuf. Der chemiefreie Schwimmteich war nicht nur ein funktionierendes Ökosystem, in dem Pflanzen das Wasser filtrierten, sondern er ließ auch eine Gemeinschaft entstehen und schuf das Bewusstsein für lokale Umweltverantwortung.
„Ecosocial Design“ kann auch Genuss fördern: Waal’s Outdoor Brewery war die Initialzündung des Buchprojekts. Mit ihrer mobilen Brauerei war Waals nicht nur in den Niederlanden unterwegs, um aus lokalem Flusswasser Bier zu brauen. Bereits im Mittelalter war Bierbrauen eine weitverbreitete Methode zur Wasseraufbereitung. Waal belebte diese Methode und schuf über das Biertrinken neue Beziehungen zwischen Menschen und lokalen Gewässern.
Zwischen Kunst, Wissenschaft und Architektur: Water Works vereint faszinierende Beiträge, die Einblicke in unterschiedliche Lebensweisen mit Wasser geben und auf die vielfältigen ökosozialen Beziehungen hinweisen. Das Buch kann auch für Planende eine Inspiration sein, neue Wege im gestalterischen Umgang mit Wasser zu gehen. -hs
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