Ruine Hardenburg in Bad Dürkheim

Rostbraune Spindeltreppe erschließt die Tiefen der Festung

Die Ursprünge der mächtigen Festungsanlage liegen im frühen 13. Jahrhundert, doch von der mittelalterlichen Hardenburg blieb nach zahlreichen Um- und Anbauten über die Jahrhunderte nicht viel übrig. So zeigt sich die Ruine westlich von Bad Dürkheim, am Rande des Pfälzer Waldes, als eindrucksvolles Konglomerat zwischen Festung und Schloss: Ein Bollwerk nach Westen und mehrere Rundtürme zeugen von der Ausbildung zur wehrhaften Residenz im 16. Jahrhundert, von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden blieben zumeist nur Keller und Umfassungsmauern bestehen.

Galerie

Um Besuchern des imposanten Bauwerks die Orientierung zu erleichtern, erfuhr das südliche Tor-Rondell eine behutsame Ergänzung nach Plänen von Helmut Riemann Architekten aus Lübeck. Diese führten dessen Baugeschichte fort, in dem sie eine gewaltige Bruchstelle ergänzten und zugleich das Rondell erhöhten, das einst zur Sicherung der schmalen Eingangspassage diente. Die Präsenz des Eingangs wurde auf diese Weise verstärkt und es entstanden Räume für ein Informationszentrum.

Aufgrund ihrer Lage auf einem bewaldeten Hügel ist die Festungsanlage gestaffelt und erscheint Besuchern, die von Nordosten kommen, wesentlich mächtiger als solchen von Südwesten. Von dort wird das Tor über eine sanft ansteigende Freianlage erschlossen. Der Zugang zum erweiterten seitlichen Rondell liegt mittig an der Innenseite des Tores. Besucher gelangen vorbei am Empfang in einen kreisförmigen Raum (auf Ebene zwei), im Zentrum belichtet durch ein kreisrundes Oberlicht. Hier befindet sich ein Teil der Ausstellung. Die gewölbte Decke ist Bestandteil des Neubaus, wahrt über eine gläserne Fuge Abstand zum alten Gemäuer und stützt sich ausschließlich auf die neuen Mauern (im Bereich des Zugangs und nach außen). Die Ergänzungen übernehmen die Tiefe der gewaltigen Umfassungsmauern, sind aber als Hohlkörper ausgebildet, sodass Nebenfunktionen wie Sanitäranlagen, eine Küche, Lager, Technik und Treppen Platz darin finden. Auch die Materialität von Alt und Neu bleibt gleich, aufgrund der flachen und glatteren Formate der hinzugefügten Sandsteine bleibt die Differenz jedoch äußerlich ablesbar.

Eine bündig im Boden des Empfangsraum versenkte Glasscheibe leitet das Tageslicht, das durch das kreisrunde Oberlicht eindringt, weiter in den darunter liegenden, tiefen (frei gegrabenen) Turmraum. Auch dieser beherbergt einige Ausstellungsstücke. Besonders erlebbar wird er über eine dreifach gewundene, rostbraune Stahl-Spindeltreppe, mit anschließender Galerie, die von der neuen Betondecke abgehängt ist. Wie eine Skulptur prägt die Treppe den Raum. Die Brüstungen von Treppe und Galerie aus Cortenstahl sind geschlossen, das raue, widerstandsfähige und farblich changierende Material ergänzt die unregelmäßig zerklüfteten, stellenweise illuminierten Turmwände auf charmante Art. Die Stufen sind mit Lochblechen ebenfalls in rostigem Rotbraun ausgeführt. Unterhalb des Geländers sorgt ein Lichtband für Orientierung in diesem relativ düsteren, nach außen weitgehend abgeschlossenen Turmraum.

Oberhalb des Empfangs schließt eine begehbare Aussichtsplattform das ergänzte Bauwerk ab. Sie ist Anfangs- oder Endpunkt des vielfältigen, stellenweise labyrinthischen Rundgangs durch die Ruine. Eine weitere Treppe in der Materialität der Spindeltreppe, aber mit geradem Lauf und Podest, erschließt einen Wehrgang im Außenbereich. us

Bautafel

Architekten: Helmut Riemann Architekten, Lübeck
Projektbeteiligte: Diehl, Baumholder (Heizung, Klima, Lüftung); Lanzmanufaktur, Simmertal (Beleuchtung); Spreng, Schwäbisch Hall (Treppen)
Bauherr: Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) Rheinland-Pfalz, Niederlassung Landau
Fertigstellung: 2012
Standort: Bad Dürkheim, Ortsteil Hardenburg
Bildnachweis: Helmut Riemann Architekten, Lübeck und Spreng, Schwäbisch Hall

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