Shakkei
Prinzip der Gartengestaltung
Der japanische Begriff Shakkei lässt sich mit geliehener Blick oder geborgte Szenerie übersetzen. Er beschreibt ein Prinzip der Gartengestaltung, das ursprünglich aus China stammt und dort Jiejing genannt wird.
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Prinzip
Historische chinesische Gärten sind von hohen Mauern umgeben, die weniger dazu dienen, den Besitz zu markieren und abzugrenzen, sondern vielmehr als Yingbi (Schattenmauer) böse Geister und Unheil abwehren. Der geliehene Blick richtet sich auf ein Objekt außerhalb des Gartens, jenseits der Mauer. Ein solches Objekt kann eine Pagode sein oder ein Pavillon auf einem Hügel, ein markanter Baum, ein Berg mit auffälliger Silhouette oder eine andere landschaftliche Besonderheit. Symmetrische und asymmetrische Sicht- und Spiegelachsen verbinden Vorder- und Hintergrund optisch. Wasserflächen wie Teiche mit Seerosen und Lotus, Bassins mit goldenen Zierkarpfen oder Kanäle verstärken diese Wirkung, indem sie die Szenerie spiegeln und verdoppeln.
Bedeutung
Die Gartengestaltung endet also nicht an der Mauer, sondern bezieht die Umgebung mit ein. Shakkei oder Jiejing schafft neben einer visuellen, auch eine symbolisch, philosophisch-kontemplative Verbindung zwischen Innen und Außen, Nähe und Ferne, Dichte und Weite. Es vereint den Garten mit der umgebenden Welt zu einem harmonischen Ganzen.
Dieses Prinzip wurde in historischen Schriften über Gartengestaltung beschrieben. Eine bedeutende Quelle ist das Werk Yuanye, das sich auf da Jahr 1631 und der Zeit der Ming-Dynastie datieren lässt. Das japanische Sakuteiteki (Gartengestaltungsbuch) aus dem 11. Jahrhundert basiert auf noch älteren chinesischen Texten.
Beispiele
Berühmte Beispiele dieser Gartengestaltung finden sich in Suzhou im „Humble Administrator's Garden“ (um 1517) und im „Master of the Nets Garden“ (um 1140). Im Humble Administrator's Garden gibt es sogar einen Pavillon, den „Mountain View Tower“, der dem geborgten Blick gewidmet ist. Die Gärten in Suzhou gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Wiederentdeckung
Das über tausend Jahre alte Prinzip erlebt derzeit eine Renaissance. Schon zur Entstehungszeit befanden sich die Gärten von Suzhou, Peking, Kyoto, Nara und vielen weiteren Orten in China und Japan in städtischen Gebieten. In zeitgemäßer Abwandlung könnten kleine Grünanlagen wie Pocket Parks, Gemeinschaftsgärten oder Tiny Forests optisch vergrößert werden. Sie könnten urbane Fixpunkte wie Rathaustürme und Hochhäuser oder natürliche Elemente wie Berge und Flüsse einbeziehen. Wenn es gelingt, in hektischen Metropolen mit Shakkei und Jiejing Orte der Ruhe und Besinnung zu schaffen, erfüllt dieses alte asiatische Prinzip der Gartengestaltung seine ursprüngliche Aufgabe aufs Neue.
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